Westjordanland
: Israelische Soldaten markieren Palästinenser bei Verhör mit Nummern

Nach einem Einsatz im Westjordanland steht Israels Militär in der Kritik. Markierungen auf Gesichtern von Palästinensern sorgen für Schlagzeilen – das sagt die Armee zu dem Vorfall.
Von
red/dpa
Tel Aviv/Ramallah

Israelische Soldaten blockieren eine Straße im Westjordanland. Israels Armee hat Berichte bestätigt, wonach israelische Sicherheitskräfte Palästinenser während Befragungen im Westjordanland mit Nummern markiert haben (Archivfoto).

Ilia Yefimovich/dpa
  • Israels Armee bestätigt: Palästinenser bei Befragungen in Kabatija mit Nummern markiert.
  • Ein Foto zeigt eine Zahl auf der Stirn, Kritik folgt – Ahmed Tibi spricht von Entmenschlichung.
  • Armee erklärt, Kommandeure hätten das Vorgehen gerügt und Lehren seien gezogen worden.
  • Ähnlicher Fall im April: Zahlen auf Hände geschrieben, laut „Times of Israel“.
  • Lage im Westjordanland eskaliert seit dem 7. Oktober 2023, über 1.100 Tote laut Ministerium.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Israels Armee hat Berichte bestätigt, wonach israelische Sicherheitskräfte Palästinenser während Befragungen im Westjordanland mit Nummern markiert haben. Die israelische Zeitung „Haaretz“ hatte zuvor gemeldet, Soldaten hätten den Betroffenen in Kabatija in der Nähe der Stadt Dschenin bei einem Einsatz am Montag mit Markern Nummern auf ihre Gesichter und Körper geschrieben.

In mehreren israelischen sowie sozialen Medien wurden auch Aufnahmen veröffentlicht, die einen betroffenen Palästinenser zeigen sollen, auf dessen Stirn die Zahl 44 steht. Der oppositionelle arabische Abgeordnete Ahmed Tibi schrieb auf X, so sehe Entmenschlichung aus. „Ein Bild, das an dunkle Zeiten erinnert und jeden Menschen erschüttern sollte.“

Israels Armee: Lehren aus dem Vorfall gezogen

Israels Armee teilte auf Anfrage mit: „Während eines Einsatzes im Gebiet von Kabatija kennzeichneten Sicherheitskräfte Verdächtige, die im Rahmen der Operation verhört wurden.“ Die Kommandeure hätten die Soldaten ausdrücklich darauf hingewiesen, wie schwerwiegend dieses Verhalten sei. Aus dem Vorfall seien Lehren gezogen worden.

Die „Times of Israel“ berichtete, die israelische Armee habe eine ähnlich lautende Stellungnahme auch bei einem Vorfall im April veröffentlicht. Damals wurden demnach Palästinensern, die ein vom Militär kontrolliertes Flüchtlingsviertel betraten, Zahlen auf die Hände geschrieben.

Die israelische Armee hatte am Montag eigenen Angaben zufolge in Kabatija 100 Gebäude durchsucht und zwei Palästinenser festgenommen, die der Armee zufolge verdächtigt werden, Anschläge geplant zu haben. Weitere Personen seien verhört worden. Laut Berichten sollen die Betroffenen auch geschlagen worden sein. Das israelische Militär äußerte sich zu diesen Vorwürfen zunächst nicht.

Eskalierende Gewalt im Westjordanland

Die Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023 in Israel und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg noch einmal verschärft. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden im Westjordanland seitdem mehr als 1.100 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und eigenen Anschlägen getötet. Aber auch die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen Palästinenser hat stark zugenommen.