DFB bezieht Stellung: Boykottiert Deutschland die Fußball-WM 2026?
Politische Spannungen, Sicherheitsbedenken und erste Boykottgedanken: Die WM 2026 sorgt bereits jetzt für Diskussionen. Wie reagiert der DFB auf die wachsende Debatte?

US-Präsident Donald Trump (l) und FIFA-Präsident Gianni Infantino. Findet die WM ohne Deutschland statt?
picture alliance/dpa/AP | Chris CarlsonDie Fußball-Weltmeisterschaft 2026 rückt näher – und mit ihr wächst die Debatte um ihre Austragung. Politische Spannungen, Sicherheitsfragen und kritische Stimmen aus Sport und Politik werfen die Frage auf, ob ein Turnier in den USA unter den aktuellen Umständen überhaupt tragbar ist. Auch innerhalb des Deutschen Fußball-Bundes wird intensiv darüber diskutiert, wie mit der Situation umzugehen ist. Nun hat sich der DFB zu einem möglichen Boykott der Fußball-Nationalmannschaft bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft geäußert.
DFB spricht sich gegen Boykott aus
Nach einer internen Aussprache hat sich das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes klar gegen einen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ausgesprochen. Trotz der angespannten politischen Lage rund um Co-Gastgeber USA sei ein Fernbleiben vom Turnier in Nordamerika „derzeit kein Thema“, teilte der Verband im Anschluss an eine Sitzung am Freitag mit. Die WM wird vom 11. Juni bis 19. Juli 2026 in den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen.
Zugleich betonte der DFB, dass sportpolitische Fragestellungen zwar diskutiert würden, dies jedoch nicht in der Öffentlichkeit geschehen solle. Innerhalb des Präsidiums herrsche Einigkeit darüber, entsprechende Debatten intern zu führen.
Pauli-Präsident brachte Diskussion ins Rollen
Auslöser der Diskussion war ein Vorstoß von Oke Göttlich. Der Präsident des FC St. Pauli und zugleich DFB-Vize hatte nach eigenen Angaben eine grundsätzliche Auseinandersetzung über einen möglichen WM-Boykott anregen wollen. Göttlich forderte dabei auch Stellungnahmen von Verantwortlichen wie DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Dieser wie auch weitere Vertreter aus dem Profifußball positionierten sich jedoch zuletzt klar gegen einen Boykott. Beim Neujahrsempfang der Deutschen Fußball Liga hatten sich mehrere Klubvertreter entsprechend geäußert.
In einer Mitteilung unterstrich der DFB nun seine Haltung: Man setze auf die verbindende Wirkung des Sports und auf die globale Strahlkraft einer Weltmeisterschaft. Ziel sei es, diese positive Wirkung zu fördern – nicht zu unterbinden. Gleichzeitig befinde sich der Verband im Vorfeld des Turniers in engem Austausch mit Akteuren aus Politik, Sicherheitsbehörden, Wirtschaft und dem organisierten Sport.
Unzufriedenheit gab es innerhalb der Verbandsspitze darüber, dass Göttlich die Debatte öffentlich angestoßen hatte. Sowohl Neuendorf als auch DFL-Präsident Hans-Joachim Watzke äußerten sich kritisch. Diese komme „zur Unzeit“, sagte der DFB-Präsident: „Der Kollege ist noch nicht so lange dabei. Er ist leider vorgeprescht.“
Bundesregierung rät zu erhöhter Vorisicht bei USA-Aufenthalt
Hintergrund der Diskussion ist die zunehmende Verunsicherung rund um die politische Lage in den USA. Die aggressive Außen- und Innenpolitik von Präsident Donald Trump, darunter Äußerungen zu Grönland, neue Zolldrohungen gegenüber Kanada sowie Eskalationen bei Einsätzen der Einwanderungsbehörde ICE – zuletzt mit einem zweiten Todesopfer innerhalb von zweieinhalb Wochen in Minneapolis – sorgen international für Kritik und Besorgnis. Auch aus der deutschen Politik wurden erstmals Stimmen laut, die einen WM-Boykott nicht ausschließen wollten. Seit Montag rät die Bundesregierung Reisenden offiziell zu erhöhter Vorsicht bei Aufenthalten in den Vereinigten Staaten.
Göttlich verteidigte seinen Vorstoß dennoch. „Der Fußball muss aushalten können, dass über solche Themen gesprochen wird“, sagte er am Montag. Der DFB bekräftigte hingegen seine sportliche Zielsetzung: Man wolle sich im kommenden Sommer fair mit den qualifizierten Nationen messen und den Fans weltweit ein friedliches Fußballfest ermöglichen – ähnlich wie bei der Europameisterschaft 2024 in Deutschland.
