Die Fußball-WM in Zahlen
: Statistiken zur Weltmeisterschaft

Zur Fußball-WM gibt es eine Unmenge an Statistiken. Für diesen Beitrag haben wir uns nicht Ballbesitz und Torschüsse angesehen. Vielmehr schauen wir auf dicke Gehaltsschecks, die wichtigsten Fanuntensilien und klären das mit dem Heimvorteil mal auf.
Von
Michael Bosch
Stuttgart
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Zur Fußball-WM gibt es Tonnen von Statistiken. Wir haben eine Auswahl der Zahlen aufbereitet.

dpa

Stuttgart - Die Welt der Zahlen gehört zum Sport, wie die Wurst zum Grill oder der Reifen zur Felge. Statistiken sind auch deshalb so faszinierend, weil sie sportliche Leistungen etwas greifbarer machen und bisweilen auch zur Verbesserung der eigenen Gemütslage beitragen können. Wenn das favorisierte Team verliert, kann es immer noch tröstlich sein, dass man immerhin doppelt so viele Schüsse aufs Tor abgegeben hat oder über weite Strecken des Spiels in Ballbesitz war.

Auch die Fußball-Weltmeisterschaft füllt mittlerweile ganze Bücher mit Daten, Zahlen und Fakten rund um des Deutschen liebste Sportart. Wir haben die wichtigsten und skurilsten zusammengetragen. Klicken Sie sich durch die Statistiken auf den kommenden Seiten!

Die Weltmeister

Die Weltmeisterschaft in Brasilien ist die insgesamt 20. Auflage des Turniers. Die Anzahl der Gewinner ist ziemlich überschaubar: Nur acht verschiedene Nationen gewannen das Turnier bislang.

Rekordsieger ist Brasilien mit 5 Titeln (1958, 1962, 1970, 1994, 2002), gefolgt von Italien (1934, 1938, 1982, 2006) und Deutschland (1954, 1974,1990). Argentinien (1978, 1986) und Uruguay (1930, 1950) konnten den Titel jeweils zwei Mal gewinnen. England (1966), Frankreich (1998) und Spanien (2010) holten die Weltmeisterschaft ein Mal. Bisher kamen die Weltmeister entweder aus Europa oder Südamerika. Nord- und Mittelamerika, Afrika und Asien und Australien gingen leer aus.

In der FIFA sind momentan 209 Fußball-Verbände zusammengeschlossen. Prozentual gesehen, haben also gerade einmal 3,8 Prozent der Verbände einen Weltmeistertitel gewonnen.

Auch die ewige WM-Tabelle spiegelt diese Statistik wieder. Die bisherigen Weltmeister dominieren und stehen ganz oben.

Auf dem letzten Platz (81) steht im Übrigen El Salvador mit sechs Niederlagen aus sechs Spielen und Minus 21 Toren.

Der viel zitierte Heimvorteil besteht bei der Fußball-Weltmeisterschaft tatsächlich. Bei 18 WM-Turnieren belegte der Gastgeber zwölf Mal einen der vorderen vier Plätze.

Statistisch gesehen zappelte der Ball früher öfter im Netz. Das letzte WM-Turnier in Südafrika war sogar das torärmste bisher. 2010 wurden im Schnitt pro Partie nur 2,45 Tore geschossen. Die torreichste WM war 1954 in der Schweiz (5,38 Tore pro Spiel).

Allerdings: bei der WM in Brasilien fliegen den Torhütern die Bälle ordentlich um die Ohren. Bis zum 23. Juni fielen 91 Treffer. Hier die gesamt erzielten Tore seit dem Turnier 1982 in Spanien:

Fallback Image STZ

Stuttgarter Zeitung

Das schnellste WM-Tor bisher erzielte übrigens der türkische Nationalstürmer Hakan Sükür. Für seinen Treffer im Spiel um Platz 3 gegen Südkorea (2002) brauchte er nur elf Sekunden.

Wie die einzelnen Spiele bei einer WM ausgehen, ist ziemlich vorhersehbar. Das häufigste Spielergebnis ist ein Unentschieden mit je einem Tor:

Im Gegensatz zu den durchschnittlich erzielten Toren ist die Zahl der Zuschauer, die die Weltmeisterschaftsspiele besuchen, gestiegen - kein Wunder: die Vermarktung wird immer besser, die Fußballstadien sind mittlerweile wahre Sporttempel. Die erste WM 1930 besuchten insgesamt 434.500 Fans, in Südafrika vor vier Jahren waren es über drei Millionen Zuschauer in den Stadien. Den höchsten Schnitt erreichte die Weltmeisterschaft 1994 in den USA.

Das am besten besuchte WM-Spiel war das Finale 1950. Zum Spiel von Gastgeber Brasilien und Uruguay (1:2) strömten 173.850 Zuschauer ins Maracana-Stadion von Rio de Janeiro.

Kein Publikumsmagnet war hingegen die Vorrundenpartie zwischen Rumänien und Peru (3:1) 1930. Das Spiel in Montevideo (Uruguay) lockte ganze 300 Interessierte ins Stadion.

Die meisten Tickets außerhalb Brasiliens gehen in die USA

Die meisten Tickets wurden natürlich im Gastgeberland Brasilien verkauft. Doch auch andere Nationen orderten fleißig Eintrittskarten:

Lärm lässt sich im Stadion dabei nicht nur mit den eigenen Stimmbändern und Händen machen. Spätestens seit der WM 2010 in Südafrika, wo die Vuvuzela groß in Mode war. Die einzelnen Krach-Elemente unterscheiden sich in der Lautstärke:

Das Stadionerlebnis ist durch nichts zu ersetzen. Aber auch vor dem heimischen Fernseher lässt sich die WM gut verfolgen. Die Halbfinals mit deutscher Beteiligung gegen Italien (2006) und Spanien (2010) lockten die meisten Zuschauer vor die Bildschirme. Zum Vergleich: das Finale der Frauen-Weltmeisterschaft 2003 und das erste Gruppenspiel gegen Portugal bei der WM 2014.

Zu einem gelungen WM-Erlebnis vor dem Fernsehr gehört für die Deutschen aber viel mehr als nur den An-Knopf des TV-Geräts zu drücken und sich berieseln zu lassen. Dabei sind die Unterschiede zwischen Männern und Frauen gar nicht so groß wie man vielleicht denkt.

Ist die deutsche Nationalmannschaft wirklich „reif“ für den Titel? Zwar ist das Team gespickt mit erfahrenen Profis wie Philipp Lahm (30), Bastian Schweinsteiger (29) und Miroslav Klose (36), doch ein Blick auf das Durchschnittsalter verrät, dass die meisten Teams bei der Weltmeisterschaft älter sind:

In einer anderen Statistik stehen die Deutschen aber beinahe ganz oben. Beim Wert des Kaders wird nur der bereits ausgeschiedene Weltmeister Spanien höher eingestuft.

Nicht nur die Marktwerte der Spieler sind teilweise schwindeleregend hoch, auch die Gehälter der Trainer können sich sehen lassen. Allerdings gibt es große Unterschiede. Das Salär von Fabio Capellos(Russland) ist mehr als 50 Mal so hoch wie das von Miguel Herrera (Mexiko). 2014 drückt sich das im sportlichen Erfolg nicht aus.

Neben den großen Sportartikelherstellern Nike, adidas und Puma rüsten auch einige kleinere Firmen Nationalmannschaften aus.

Nike, 10 (Australien / Brasilien / England / Frankreich / Griechenland / Kroatien / Niederlande / Portugal / Südkorea / USA)

adidas, 8 (Argentinien / Deutschland / Japan / Kolumbien / Mexiko / Nigeria / Russland / Spanien)

Puma, 8 (Algerien / Chile / Elfenbeinküste / Ghana / Italien / Kamerun / Schweiz / Uruguay)

Burrda, 1 (Belgien)

Joma, 1 (Honduras)

Legea, 1 (Bosnien u. Herzegowina)

Lotto, 1 (Costa Rica)

Marathon, 1 (Ecuador)

Uhlsport, 1 (Iran)

Vor Verletzungen schützt allerdings keines der Trikots – egal, wer die Leibchen herstellt, das Risiko ist immer gleich hoch. Allerdings ist es besonders wahrscheinlich, sich in den letzten zehn Minuten der ersten Halbzeit und den letzten 15 Minuten der zweiten Halbzeit zu verletzen.

Auf die Höhe kommt es an

Auch zum Elfmeterschießen gibt es einen ganzen Berg von Statistiken. Die wohl wichtigste Erkentnis dabei ist, dass es auf die Höhe des Schusses ankommt. Der Schütze ist gut beraten, in die obere Torhälfte zu zielen – 99 Prozent der “Elfer“ finden so den Weg ins Tor. Weniger erfolgversprechend ist hingegen ein „halbhoher“ Schuss. In 40 bis 80 Zentimeter Höhe wehren Torhüter 38,1 Prozent der Bälle ab.

Die deutsche Nationalmannschaft gilt als nervenstark vom Elfmeterpunkt. Wenn es darauf ankommt, wird verwandelt. Allerdings: verschießt der erste Schütze seinen Elfmeter, so geht die Partie in 75 Prozent der Fälle verloren.

Simunic Foto: Pressefoto Baumann

Pressefoto Baumann

Eine kuriose Statistik zum Schluss. Der Kroate Josip Simunic, der bei dieser WM wegen nationalistischen Äußerungen gesperrt ist, ist der einzige Spieler, der bei einer Fußball-Weltmeisterschaft drei Gelbe Karten sah – in einem Spiel. Im WM-Vorrundenspiel 2006 zwischen Kroatien und Australien verwarnte Schiedsrichter Graham Poll den ehmaligen Spieler von Hertha BSC und Hoffenheim drei Mal. Der Unparteiische erklärte später, er habe aufgrund von Simunics australischem Akzent (Simunic ist in Australien geboren) die zweite Gelbe Karte einem australischen Spieler zugeordnet.

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