Einzelkritik gegen Spanien
: Aus der Traum: Deutschland bei Heim-EM ausgeschieden

Kein Sommermärchen für Deutschland. In Stuttgart unterliegt die Mannschaft 1:2 gegen Spanien. Wir haben alle mindestens 15 Minuten eingesetzten DFB-Spieler mit einer detaillierten Einzelkritik bewertet.
Von
Dirk Preiß, David Scheu/dpa
Stuttgart
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  • Die spanische Mannschaft hat in der Verlängerung das Team um Julian Nagelsmann besiegt.

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  • Manuel Neuer (Note 2,5): Zeit, um langsam ins Spiel zu finden, hatte Manuel Neuer nicht. Nach wenigen Sekunden wurde er beim ersten Abschluss der Spanier allerdings nur wenig geprüft. Der Keeper musste weiterhin hellwach sein und war zunächst immer zur Stelle, wenn er gebraucht wurde. Beim Gegentor von Dani Olmo war Neuer machtlos. Ansonsten spielte er gut mit und strahlte in einem lange sehr hektischen Spiel viel Ruhe aus. Bitter: Auch am zweiten spanischen Treffer konnte er nichts machen.

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  • Joshua Kimmich (Note 2): Kurz sah es so aus, als bekomme der Rechtsverteidiger die befürchteten Probleme gegen Nico Williams. Doch nach wenigen Minuten hatte sich Joshua Kimmich sortiert und schaltete sich auch immer wieder mit nach vorne ein. Stark war seine Flanke in Minute 21 auf Kai Havertz. Auch nach der Pause zeigte Kimmich keine Schwächen, sondern kurbelte das deutsche Offensivspiel an. Eine sehr gute Leistung des Bayern-Spielers, der den Ausgleich vorbereitete.

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  • Antonio Rüdiger (Note 2,5): Der Abwehrchef kam eigentlich gut in Partie und verteidigte gut nach vorne. In der 13. Minute aber verschätzte er sich im Zweikampf an der Strafraumgrenze und foulte Dani Olmo. Lamine Yamal zielte beim Freistoß danach zum Glück daneben. Bitter war die Aktion dennoch – Rüdiger sah seine zweite Gelbe Karte im Turnier. In der zweiten Hälfte wurden die Räume nach der spanischen Führung groß, Antonio Rüdiger kam im Verbund mit den Abwehrkollegen damit aber gut klar, strahlte viel Souveränität aus und warf sich am Ende in jeden Ball. Nur einmal stand er nicht ganz richtig – und das war am Ende entscheidend.

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  • Jonathan Tah (Note 3): In einer hektischen und harten ersten Hälfte strahlte der Rückkehrer nach Gelbsperre viel Ruhe und Souveränität aus. Nach der Pause hatte er dicht vor dem Tor aber Schwierigkeiten gegen Alvaro Morata, der Spanier konnte sich um Tah herum drehen und abschließen. Insgesamt ein gutes Spiel des Innenverteidigers, der in der Schlussviertelstunde Platz machte für den offensiven Thomas Müller.

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  • David Raum (Note 3,5): Der Leipziger erhielt erneut den Vorzug vor Maximilian Mittelstädt vom VFB Stuttgart. Gegen Jungstar Lamine Yamal war er lange im Bilde, schränkte die Aktionen des 16-Jährigen ein und arbeitete mit nach vorne. In der 51. Minute aber ließ er Yamal viel zu viel Platz – was sofort bestraft wurde. Der Spanier passte ohne Druck zu Mitspieler Dani Olmo, der überlegt einschob. In der 56. Minute musste er – mit Gelb vorbelastet - Platz machen für Maximilian Mittelstädt.

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  • Emre Can (Note 4): Eigentlich sollte der Dortmunder gar nicht im EM-Kader stehen, nur wegen der Erkrankung von Aleksandar Pavlovic rückte er nachträglich ins Aufgebot. Durch gute Trainingsleistungen arbeitete er sich aber heran – und bekam gegen Spanien plötzlich den Vorzug vor Robert Andrich. Er brauchte ein wenig, um in die Partie zu finden, sein Ballverlust leitete die erste Chance der Spanier ein. Dann wurde Can aber stabiler und erfüllte seine Aufgabe, die Kreise von Fabian zu stören, gut. Mit schlampigen Ballannahmen machte er sich im eigenen Ballbesitz aber oft das Leben schwer – und somit auch seiner Mannschaft. Zur Pause wechselte der Bundestrainer Emre Can aus und brachte dann doch Robert Andrich.

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  • Toni Kroos (Note 2,5): Startete mit viel Physis und einem Foul an Pedri, der in der Folge ausgewechselt werden musste. In der Folge agierte Kroos als gewohnt umsichtiger Ballverteiler – allerdings meist in der eigenen Hälfte und deshalb ohne die große Torgefahr zu erzeugen. Nach der Pause ohne große Akzente, da er von den Spaniern eng bewacht und zugestellt wurde. Kroos rieb sich aber bis zur letzten Minute bis zur körperlichen Erschöpfung im Mittelfeld auf.

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  • Jamal Musiala (Note 3): Kam auf dem linken Flügel gegen aggressiv verteidigende Spanier anfangs kaum zur Entfaltung. Musiala war im deutschen Offensivspiel im ersten Durchgang praktisch kein Faktor und konnte seine gewohnten Dribblings im Eins-gegen-Eins nicht wie gewohnt auf den Platz bringen. Auch nach der Pause änderte sich das Bild nicht grundlegend. In der Verlängerung drehte Musiala dann aber auf: Erst brach er bis zur Grundlinie durch (101.), dann sorgte er mit einem Rückpass auf Wirtz für eine große deutsche Chance.

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  • Ilkay Gündogan (Note 3,5): Weitgehend fehlerfreier, aber unauffälliger Auftritt des Kapitäns. Gündogan lief im zentralen Mittelfeld Löcher zu, fand im Passspiel oft den Mitspieler, initiierte dabei aber nichts Entscheidendes in der Offensive. Nach knapp einer Stunde ging er für Niclas Füllkrug vom Feld, als die deutsche Mannschaft im Rückstand liegend das offensive Risiko erhöhte.

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  • Leroy Sane (Note 4,5): Sane musste auf der rechten Seite gegen den spanischen Flügelstürmer Nico Williams viel Defensivarbeit verrichten und Joshua Kimmich hierbei unterstützen. In seinen wenigen Offensivaktionen agierte Sane unglücklich und traf oft die falsche Entscheidung – entweder blieb er hängen oder war durch seinen Laufweg nicht ideal anspielbar. Zur Pause ging er für Florian Wirtz vom Feld. Insgesamt ein blasser Auftritt

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  • Kai Havertz (Note 3): War im Gegensatz zu einigen anderen EM-Spielen oft eingebunden ins Offensivspiel – und hatte auch mehrere Torabschlüsse: Bei seinem Kopfball brachte Havertz nicht genug Druck hinter den Ball (20.) – wenig später war sein Abschluss nicht stark genug (35.), nachdem er einen langen Ball von Rüdiger aus der Luft geholt hatte. Dennoch: Wenn das deutsche Team Torgefahr entwickelte, ging sie im ersten Durchgang von Havertz aus. Nach der Pause anfangs weniger auffällig und mit einigen unglücklichen Aktionen wie einem vertändelten Ball (73.). In der 82. Minute eroberte er indessen stark einen Abstoß von Simon, setzte seinen Heber dann aber auf das Tor. Vor der Verlängerung wurde Havertz ausgewechselt – insgesamt ein ordentlicher Auftritt.

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  • Niclas Füllkrug (Note 3): Kam nach knapp einer Stunde für Ilkay Gündogan ins Spiel und sortierte sich als zweite Spitze neben Kai Havertz ein, wo er prompt mit vielen Flanken gesucht wurde. Hinter seine vielen Kopfbälle bekam er jedoch nicht den nötigen Druck. Stark indessen seine Ablage auf Andrich mit dem Rücken zum Tor (70.). In der 77. Minute scheiterte er nach einer Hereingabe von Wirtz unter Bedrängnis nur am Aluminium, als er stark auf den ersten Pfosten gesprintet war – Pech. Füllkrug belebte das deutsche Offensivspiel ohne Wenn und Aber.

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  • Robert Andrich (Note 3): Der Leverkusener musste überraschend auf der Bank Platz nehmen, weil der Bundestrainer zunächst Emre Can vertraute. Zur Pause wurde er eingewechselt, weil er sich schnell eine Gelbe Karte einhandelte (seine Zweite im Turnier) war er gleich zur vorsichtigen Zweikampfführung gezwungen. In einem nach dem 0:1 veränderten Spiel machte es Andrich aber insgesamt besser als Can, zudem agierte er auch oft in der Nähe des spanischen Strafraums. In der 69. Minute prüfte er Spaniens Keeper mit einem Schuss aus 20 Metern. Eine gute Leistung, die nicht belohnt wurde.

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  • Florian Wirtz (Note 2): Wurde zur Halbzeit für Leroy Sane auf der linken Außenbahn eingewechselt und sorgte mit einem Distanzschuss in der 60. Minute erstmals für Gefahr. In der 75. Minute fand er nach einem starken Flügellauf über die rechte Seite im Zentrum Niclas Füllkrug, der nur am Pfosten scheiterte. Dann traf er kurz vor Schluss zum umjubelten 1:1 per technisch anspruchsvoller Direktabnahme nach Kimmich-Vorlage (89.). Um ein Haar hätte er in der Verlängerung das zweite Tor nachgelegt, zog aber knapp rechts vorbei (105.).

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  • Maximilian Mittelstädt (Note 2,5): Unter dem Jubel des Stuttgarter Publikums kam der Linksverteidiger in der 56. Minute für David Raum. Er fügte sich mit ein, zwei guten Aktionen (Ballgewinn und Flanke) stark ins Spiel ein. Weil die Spanier dann auch schnell wechselten, bekam es Mittelstädt mit Ferran Torres anstelle von Lamine Yamal zu tun. Für ein harmloses Foul am Spanier sah er unberechtigterweise Gelb (zum zweiten Mal im Turnier). Insgesamt ein guter Auftritt des Stuttgarters, der mit seiner Flanke auf Joshua Kimmich am Ausgleich beteiligt war.

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  • Thomas Müller (Note 3): Der Routinier kam in der 80. Minute für Innenverteidiger Jonathan Tah ins Spiel und versuchte, in der spanischen Defensive stete Unruhe zu stiften. Das gelang in Ansätzen, aber er bot eine wichtige Anspielstation und coachte mit all seiner Erfahrung seine Mitspieler in einem unfassbar engen Spiel. So war er ein wichtiger Einwechselspieler, auch wenn ihm ab und an das Tempo fehlte.

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  • Waldemar Anton (Note 3,5): Kam zu Beginn der Verlängerung für Havertz ins Spiel, als Deutschland wieder auf ein System mit nur einer Spitze umstellte. Anton leistete sich in der 94. Minute gleich einen Fehlpass im Spielaufbau, der aber folgenlos blieb. Ansonsten machte Anton in der Innenverteidigung einen soliden Job und hielt hinten dicht.

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Mit gesenktem Kopf stand Toni Kroos für einen Moment alleine im Mittelkreis. Bundestrainer Julian Nagelsmann und Sportdirektor Rudi Völler versuchten, nach diesem Drama, dieser Enttäuschung noch auf dem Rasen Aufbauarbeit zu leisten. Bei den deutschen Nationalspielern und den Fans auf den Rängen flossen Tränen: Die deutsche EM-Party ist nach 120 Minuten voller Leidenschaft und Fußball-Wahnsinn vorbei. Spaniens Übermacht hat den schwarz-rot-goldenen Sommerspaß brachial beendet.

Der Traum vom vierten EM-Titel ist nach drei beschwingten Wochen mit Torfesten und Gute-Laune-Spielen zwei Schritte vor dem Finale zu früh vorüber. Berlin bleibt nach den schmerzhaften Toren des Leipzigers Dani Olmo (51. Minute) und von Mikel Merino wenige Sekunden vor Schluss (119.) zum 1:2 (1:1, 0:0) nach Verlängerung nichts als ein Sehnsuchtsort. Der zwischenzeitliche Ausgleich durch den überragenden Florian Wirtz (89.) und eine Drangphase voller Mut und Siegeswille halfen nichts.

Wir haben alle mindestens 15 Minuten eingesetzten Spieler des DFB-Teams mit einer detaillierten Einzelkritik bewertet. Diese lesen Sie in der Bilderstrecke.