„Gespräche im Gottlieb“
: Stuttgarts schnellste WG – ein Trio auf Medaillenkurs

Das Talkformat unserer Zeitung bietet Sportstars außerhalb des Fußballs eine Plattform. Die Leichtathletinnen Sandrina Sprengel, Laura Raquel Müller und Rosina Schneider haben ein gemeinsames Ziel: die Olympischen Spiele 2028.
Von
Jochen Klingovsky
Stuttgart
Jetzt in der App anhören
BAU // Stuttgart , Gespräche im Gottlieb ? Stuttgarter Sportstars hautnah ,   von links: Sandrina Sprengel / Laura Raquel Müller / Rosina Schneider / Dirk Preiß

Drei Stuttgarter Leichtathletinnen mit großen Ambitionen (v. li.): Sandrina Sprengel, Laura Raquel Müller und Rosina Schneider

Baumann/Hansi Britsch
  • Drei Stuttgarter Leichtathletinnen planen gemeinsam die Olympischen Spiele 2028.
  • Sandrina Sprengel, Laura Raquel Müller und Rosina Schneider wohnen zusammen.
  • Für die EM in Birmingham: Sprengel und Schneider haben die Norm, Müller braucht noch ein Ergebnis.
  • Sprengel will langfristig Olympia-Gold, Schneider peilt Weltklasse-Zeiten an, Müller kämpft mit Verletzungen.
  • Sie studieren teils neben dem Sport und unterstützen sich in der WG – Ziel: gemeinsame Medaillen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wer es im Sport weit bringen will, muss sich hohe Ziele setzen. In exakt zwei Jahren, am 14. Juli 2028, beginnen die Olympischen Sommerspiele in Los Angeles. Bei der Eröffnungsfeier möchten auch drei Leichtathletinnen aus Stuttgart dabei sein. Es wäre eine ganz besondere Geschichte, denn Siebenkämpferin Sandrina Sprengel (22), Weitspringerin Laura Raquel Müller (22) und Hürdensprinterin Rosina Schneider (21) sind nicht nur befreundet, sie leben auch zusammen – in Stuttgarts schnellster WG. „Gemeinsam im Nationaltrikot die Wohnung zu verlassen und zu einem internationalen Großereignis zu reisen“, sagte Laura Raquel Müller im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe „Gespräche im Gottlieb – Stuttgarter Sportstars hautnah“, „das wäre genial.“ Womöglich klappt das ja schon in ein paar Wochen.

Vom 10. bis zum 16. August findet im britischen Birmingham die Europameisterschaft statt, und es ist durchaus möglich, dass die Stuttgarter Wohngemeinschaft dort komplett vertreten ist. Sandrina Sprengel hat die Norm erfüllt, Rosina Schneider ebenfalls, sie ist zudem die klare Nummer eins in der deutschen 100-Meter-Hürden-Jahresbestenliste (12,77 Sekunden). Laura Raquel Müller benötigt dagegen noch ein gutes Ergebnis bei den deutschen Titelkämpfen in eineinhalb Wochen in Bochum. Es wäre der nächste Schritt  – auf dem Weg zu den ganz großen Zielen.

Ein ehrgeiziges Leichtathletik-Trio

Bei der achten Ausgabe des Talkformats von „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“ im Cannstatter „Café Gottlieb“, das von Sportchef Dirk Preiß moderiert wurde, hatten die drei Leichtathletinnen einen sympathischen, kurzweiligen und trotz der hohen Temperaturen richtig coolen Auftritt. Sie haben das Publikum aber nicht nur unterhalten und sich als tolle Botschafterinnen ihrer Sportart präsentiert. Sondern auch keinen Hehl daraus gemacht, wie ehrgeizig sie sind. Allen voran Sandrina Sprengel. „Ich mache die Leichtathletik nicht, um am Ende Zweite zu sein“, sagte die Siebenkämpferin des VfB Stuttgart, „ich trainiere jeden Tag über meine Grenzen hinaus, um irgendwann Olympiasiegerin zu werden.“

BAU // Stuttgart , Gespräche im Gottlieb ? Stuttgarter Sportstars hautnah ,  von links: Sandrina Sprengel / Laura Raquel Müller / Rosina Schneider / Dirk Preiß

Eine coole Gesprächsatmosphäre bei heißen Temperaturen: Sandrina Sprengel, Laura Raquel Müller, Rosina Schneider und Moderator Dirk Preiß (v. li.)

Baumann/Hansi Britsch

Der Stern von Sandrina Sprengel ging bei der WM 2025 auf. In Tokio wurde sie mit persönlicher Bestleistung (6434 Punkte) völlig überraschend Fünfte. „Es war der Wettkampf meines Lebens“, sagte sie – bisher zumindest. Denn die vielseitig begabte Athletin ist noch lange in einem Alter, in dem Steigerungen möglich sind. Auch was die Platzierungen angeht. 2028 in Los Angeles will Sandrina Sprengel eine Medaille holen, 2032 in Brisbane Olympia-Gold gewinnen. Und irgendwann die 7000-Punkte-Marke knacken, was bisher erst fünf Siebenkämpferinnen gelungen ist: „Darauf arbeite ich hin.“ Allerdings nicht alleine.

Rosina Schneider: „Es stehen noch einige Hürden im Weg“

Die drei Leichtathletinnen haben ihre eigenen Trainer, ihr eigenes Umfeld, ihr eigenes Leben. Und inspirieren sich trotzdem gegenseitig. Auch, weil sie gleich ticken. Rosina Schneider, die ihre bislang beste Saison absolviert, ist ebenfalls enorm ambitioniert. „Es stehen noch einige Hürden im Weg, aber ich habe mich zuletzt technisch verbessert. Ich traue mir zu, Weltklasse-Zeiten zu schaffen“, erklärte die Athletin vom TV Sulz, „meine besten Jahre kommen ja noch.“ Das gilt auch für Laura Raquel Müller vom TSG Öhringen. Die Weitspringerin hat eine Bestleistung von 6,81 Meter und qualifizierte sich 2024 für die Olympischen Spiele in Paris („Es war eine unglaubliche Erfahrung“), sie muss aber auch immer wieder mit Verletzungen kämpfen: „Ich hoffe jetzt, gesund zu bleiben und mal wieder das Brett zu treffen. Dann kann ich auch wieder weit springen.“

BAU // Stuttgart , Gespräche im Gottlieb ? Stuttgarter Sportstars hautnah ,   von links: Sandrina Sprengel / Laura Raquel Müller / Rosina Schneider

Volles Haus im „Café Gottlieb“.

Baumann/Hansi Britsch

Während Laura Raquel Müller Sportsoldatin ist und sich weitgehend auf den Sport konzentrieren kann, gehen ihre beiden Mitbewohnerinnen einen anderen Weg – was ihre Leistungen umso bemerkenswerter macht. Sandrina Sprengel absolviert ein duales Studium bei der Landespolizei, Rosina Schneider studiert an der Uni Stuttgart Sportwissenschaften. Beide sprachen im „Café Gottlieb“ darüber, wie sie dieses „Doppelleben“ auf die Reihe bekommen.  „Es ist schon sehr herausfordernd“, sagte Rosina Schneider, die einen Tag vor ihrem DM-Start noch eine BWL-Klausur zu schreiben hat, „aber irgendwie bekommen wir es hin.“ Dabei hilft die positive Atmosphäre in der WG.

Als Laura Raquel Müller und Sandrina Sprengel im November 2004 eine gemeinsame Wohnung suchten, bot sich eine Möglichkeit in Untertürkheim, die allerdings zu teuer und zu groß war. Also riefen sie Rosina Schneider an – und noch am selben Abend war die Dreier-WG gegründet. Freunde der  Leichtathletinnen, die völlig unterschiedliche Typen sind, prophezeiten ihnen, dass der Zusammenschluss nicht lange halten würde. Doch sie beweisen das Gegenteil. Weil sie sich die Hausarbeit untereinander aufteilen, das Bad nicht allzu lange besetzen, Schuhregale nachgekauft haben, nicht nur über das Thema Leichtathletik sprechen und sich auch sonst gut verstehen. Aber ein bisschen auch, weil sie so verschiedene Tagesabläufe haben, dass sie nur selten alle drei gemeinsam am Esstisch sitzen . „Jede von uns hat genügend Freiräume“, sagte Rosina Schneider, „bisher läuft es sehr gut.“

Zumindest bis zu den Sommerspielen 2028 wollen die drei Leichtathletinnen zusammen wohnen, vielleicht auch noch länger. Womöglich ja, bis das große gemeinsame Ziel erreicht ist: „Wir wollen zu einer EM, WM oder zu Olympischen Spielen fahren – und dort dreimal WG-Gold holen.“ Ob das gelingen wird, ist offen. Eines aber steht fest: Am fehlenden Ehrgeiz wird es nicht scheitern.