Handball- Schiris gesucht
: Mangelnder Respekt erschwert die Suche nach Handballschiedsrichtern

Die SG Schozach Bottwartal, die Habo Bottwar SG und der SV Kornwestheim fühlen sich von den Vorgaben des Handballverbandes überfordert. .
Von
Melanie Bürkle
Stuttgart
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Die Handballschiedsrichter in der Region sind immer wieder verbalen und körperlichen Angriffen ausgesetzt.

Baumann

Handball ist eine der dynamischsten Mannschaftssportarten der Welt. Innerhalb von Sekunden wechseln sich Abwehr und Angriff ab, Tore fallen, Spieler krümmen sich am Boden und rennen weiter. Die Emotionen kochen hoch – auf dem Spielfeld und noch viel mehr im Publikum. Inmitten dieses intensiven Geschehens sind zwei Personen, die oft kritisiert, manchmal übersehen und meist nicht für ihre Leistung geschätzt werden. Dennoch sind sie für das Spiel unverzichtbar: die Schiedsrichter.

Innerhalb von Sekundenbruchteilen müssen die Frauen und Männer mit der Pfeife über Fouls, Schritte und Zeitstrafen entscheiden. Eine herausfordernde Aufgabe. Denn letztendlich sollten die Referees das Spiel nicht nur regelgerecht leiten, sondern für Fairness, Sicherheit und einen flüssigen Spielverlauf sorgen. Eine Entscheidung kann die Partie maßgeblich beeinflussen. Sanchia Fidlin, seit über 20 Jahren Schiedsrichterin beim SV Kornwestheim, weiß: „Fehler kommen vor, das ist nur menschlich.“

Vor allem der Respekt gegenüber Jungschiedsrichtern fehlt

Die Unparteiischen sind häufig in der Kritik - vor allem im Kinder- und Jugendbereich. Denn in der C- und D-Jugend werden häufig junge Nachwuchsschiedsrichter eingesetzt. Die Erwachsenen nehmen die jungen Referees aber nicht ernst und fallen verbal gegenüber den Unparteiischen auf. Darum möchte kaum jemand mehr dieser ehrenamtlichen Tätigkeit nachgehen. Die Schiedsrichter-Verantwortlichen der Handballvereine SG Schozach Bottwartal, Habo Bottwar SG und SV Kornwestheim sind einer Meinung: der Respekt gegenüber den Jung-Schiedsrichtern fehlt. Alle drei berichten von Pöbeleien und Angriffen gegenüber den Unparteiischen vor allem von Eltern, aber auch Trainern. „Das Niveau in dem Bereich ist deutlich gesunken“, sagt Peter Walz, Schiedsrichterwart der Habo Bottwar SG und selbst seit fast 30 Jahren an der Pfeife.

Durch die verbalen und auch körperlichen Angriffe werden die Anfänger vergrault. Schließlich macht niemand diesen Job wegen der finanziellen Entschädigung, sondern aus purer Leidenschaft zum Sport. Frank Gaudernack, Schiedsrichterwart der SG Schozach-Bottwartal, sowie Kollege Benjamin Schwaderer vom SV Kornwestheim sagen: „Jeder der denkt, er kann es besser, darf sich gerne als potenzieller Schiedsrichter melden.“ Denn Schiedsrichter werden in den Vereinen händeringend gesucht.

Sollvorgabe des Verbandes ist für Clubs nicht umsetzbar

Der SV Kornwestheim, die Habo Bottwar SG und die SG Schozach-Bottwaral kommen nicht an das vom Verband geforderte Schiedsrichter-Soll heran: pro gemeldetes Team muss ein Schiedsrichter gestellt werden. Die Habo Bottwar SG müsste rund 30 Unparteiische melden, kommt aber nur auf 15 Referees. Bei der SGSB sollten es 22 Schiedsrichter sein, allerdings sind nur Sieben aktiv und beim SV Kornwestheim sind es elf von 24. Die Vereine sind dementsprechend unter Druck, denn für jeden fehlenden Unparteiischen fallen jährlich steigende Strafzahlungen an. „Ich kann mit Stolz berichten, die Habo hat die zweithöchste Strafe im Verband“, sagt Walz ironisch. Gaudernack von der SGSB berichtet von Strafzahlungen von 6000,- Euro in der vergangenen Saison und Schwaderer vom SVK wirft 5000,- Euro in den Raum.

„Da müssen wir viele Würstchen für verkaufen, um das Geld reinzuholen“, scherzt Gaudernack. Alle drei Schiedsrichterverantwortliche sind sich einig, dass der Verband eine bessere Lösung finden sollte. Das Geld könnte in den Vereinen sinnvoller eingesetzt werden. Immerhin kehrt die Regel, dass alle Spiele, die ein Schiedsrichter über dem Soll von 15 Partien pfeift, dem Verein angerechnet werden zurück. Sprich: wenn zwei Schiedsrichter nicht wie erforderlich nur 30 Spiele leiteten, sondern 45, dann werden die 15 zusätzlichen Begegnungen einem imaginären Schiedsrichter angerechnet. Dennoch drohen den Vereinen in Zukunft bei Nicht-Erfüllung des Schiedsrichter-Solls Punktabzüge für die im Verband am höchsten spielende Mannschaft.

Die Lücke mit dem eigenen Nachwuchs schließen

Die Vereine versuchten bereits mit Prämien und weiteren Aktionen Unparteiische für sich zu gewinnen. Eher erfolglos. „Es liegt nicht am Geld“, sagt Gaudernack. Und Walz, der nichts von diesen Aktionen hält, sagt klar: „Wir müssen die Lücke mit eigenem, jungem Nachwuchs schließen.“ Diese Meinung teilen Gaudernack und Schwaderer. Bei der SGSB legten im November 2024 zwölf Mädchen aus der weiblichen A-Jugend die Prüfung zur Kinder-Handballspielleiterin ab. Drei wollen weitermachen. Der SVK kann sechs Jugend-Handballspielleiter vorweisen, die wie drei Schiedsrichter zählen und die Summe auf 14 von 26 erhöhen.

Trotz der Bemühungen der Vereine glaubt keiner der Verantwortlichen, dass das Soll innerhalb der vorgeschriebenen drei Jahre erfüllt werden kann. Der Verband hat mit Schulungen, Mentorenprogrammen und dem Appell zu mehr Respekt reagiert, denn ohne die Freiwilligen an der Pfeife können keine Spiele stattfinden. „Die Situation an den Seiten gegenüber der Unparteiischen ist immerhin noch besser als im Fußball“, beschwichtigt Schwaderer etwas. Walz weiß dennoch: „Die Wertschätzung der Unparteiischen ist verbesserungswürdig.“