EZ-Handballpokal 2026: Ogu Nwagbara steht für Ehrgeiz, Wertschätzung und viel Spaß

Kaum zu stoppen: Ogu Nwagbara im Februar 2000 im Trikot des VfL Pfullingen.
BaumannDie Härte seines Wurfes war in der Bundesliga und der 2. Bundesliga legendär. Er war ein Musterathlet. Er war ehrgeizig. An seinen Humor aber erinnern sich seine ehemaligen Mitspieler etwa beim VfL Pfullingen ebenso. Auf dem Feld gefürchtet, auf der Fahrt zum Spiel war es lustig. Und beim TB Ruit, seiner ersten Station in Deutschland, erinnern sich manche noch an seine 17 Tore in einem Spiel gegen den TSV Wolfschlugen. 1995 war das. Mittlerweile ist der frühere nigerianische Handball-Nationalspieler Ogujiuba Nwagbara, den alle nur „Ogu“ nennen, Trainer. In der Bundesliga? Nein, in der Verbandsliga der Frauen, bei der SG Hegensberg/Liebersbronn. Und im Gegensatz zu einigen anderen, die selbst hoch gespielt haben, hat er damit überhaupt kein Problem. Denn: „Das Wichtigste ist, dass die Spielerinnen Spaß haben und dass ich Spaß habe, da ist die Liga egal.“
Also kein Ehrgeiz? Doch. „Man merkt ihm an, dass er für Handball brennt“, sagt SG-Kapitänin Paulina Maier. Sie betont aber auch: „Wir haben es ihm leicht gemacht, weil wir ehrgeizig sind. Aber er hat sehr viel Humor, er bringt uns immer wieder zum Lachen und das tut dem Training gut.“
Nicht zum ersten Mal beim EZ-Pokal
An Nwagbaras Credo, mit dem Spaß komme der Erfolg von alleine, scheint also etwas dran zu sein. Mit 19:3 Punkten stehen die Berghandballerinnen auf Platz zwei der Tabelle. Was sie drauf haben, wollen sie auch beim EZ-Pokal zeigen, wo sie sich am Sonntag in der Gruppe 2 mit dem TSV Heiningen, der HSG Leinfelden-Echterdingen und dem TV Reichenbach messen. Es ist übrigens nicht Nwagbaras erste Teilnahme bei dem Traditionsturnier: Im Jahr 2002 wurde er als Coach mit den Männern der Haspo Ostfildern Zweiter.
Natürlich ist das mit dem Spaß längst nicht alles. Nwagbara weiß, was er tut. „Man merkt brutal, wie er die jüngeren Spielerinnen weitergebracht hat“, sagt Maier, „er hat seine Philosophie.“ Die lautet vor allem „Tempohandball“. Die Heli-Frauen sind dafür die Richtigen. „Wir sind schnell, schneller als die anderen“, erklärt Maier und lacht.
Das Engagement bei der SG nahm Nwagbara trotz der weiten Anfahrt von seinem Wohnort Gäufelden an, nachdem er ein Probetraining abgehalten hatte. „Mir ist es wichtig, die Strömungen im Team zu verstehen und ihnen zu folgen, nicht umgekehrt“, sagt er. Offensichtlich passte es. Aber es brauchte nach seiner Aussage doch ein bisschen, bis Spielerinnen und Trainer zusammenfanden. Denn auch das sagt er lachend: „Ich bin nicht immer leicht zu verstehen.“
Ein Missverständnis führte übrigens dazu, dass Nwagbara beim Frauenhandball landete, nachdem er unter anderem die Männer der HSG Schönbuch trainiert hatte. „Ich hatte mich bei der SG H2Ku Herrenberg als Mentalcoach beworben“, erzählt er, „die hatten das dort falsch verstanden – und so bin ich Cheftrainer geworden.“ Das war in der 2. Bundesliga. Mittlerweile ist er ein Fan des Frauenhandballs – weniger Athletik, mehr Spiel. Er hätte sich gewünscht, dass die Heim-WM noch mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt wäre.
Arbeit als Familiencoach
Der Handball spielt in Nwagbaras Leben nach wie vor eine große Rolle. Er freut sich immer, wenn er seine früheren Kameraden etwa aus Pfullingen trifft und erinnert sich auch gerne an seine Zeit als Spieler in Israel und auf Zypern. Bei Promi-Spielen, an denen er gerne teilnimmt, merkt man – und vor allem er selbst – dann, wie die Schulter unter den vielen harten Würfen gelitten hat.
Nwagbaras Hauptaugenmerk aber liegt mittlerweile auf seinem Job als Coach – als Familiencoach. Dazu hat sich der zweifache Vater selbstständig gemacht. Wenn er davon erzählt, wie er Kinder in prekären Verhältnissen trifft und sie als Verfahrensbeistand vor Gericht berät, wird er ernst. Die Worte „Akzeptanz“ und „Wertschätzung“ verwendet er.
Dennoch ist der Handball für Ogu Nwagbara viel mehr als ein Ausgleich für einen auch mental fordernden Beruf. Aber ein Bereich, in dem man bei allem Ehrgeiz Spaß haben darf. Und soll.