Tennis-Jugendcup in Rutesheim: „Hohe Kategorie hat auch Schattenseiten“

Ein Turnierdirektor drückt viele Hände: Peter Rohsmann gratuliert dem U-14-Sieger Johann Nagel-Heyer aus Hamburg.
Andreas GorrDer 26. Baublies-Jugendcup im Tennis ist Geschichte – am Samstag wurden die Siegerinnen und Sieger in den U-14- und U-18-Wettbewerben gekürt. Turnierdirektor Peter Rohsmann blickt auf eine erfolgreiche Auflage eines der renommiertesten Jugendturniere weltweit zurück – doch er sieht hie und da noch ein wenig Verbesserungsbedarf.
Herr Rohsmann, offenbar haben Sie für den Jugendcup 2024 auch mit dem Wettergott einen Vertrag geschlossen.
In diesem Jahr hat es geklappt im Gegensatz zu 2023 – da war es in der ersten Wochenhälfte verregnet und kalt, und das Turnier hat bei seiner 25. Auflage leider nicht den Zuspruch von Zuschauerseite her erhalten, den es verdient hätte. Wobei: in diesem Jahr war es bisweilen sogar fast ein wenig zu heiß.
Aber Höchstleistungen auf den Courts haben die Anwesenden dennoch erlebt.
Respekt, dass die Spielerinnen und Spieler das bei diesen Temperaturen mit dieser Intensität durchgezogen haben. Davor kann man nur den Hut ziehen. Wo die Hitze tatsächlich nachteilig war: Wir hatten vor allem an den letzten zwei Tagen einen äußerst guten Besuch, das haben mir zahlreiche Gesprächspartner bestätigt – aber wir haben festgestellt, dass bei den älteren Fans einige aufgrund der Hitze gefehlt haben.
Der Deutsche Tennis-Bund (DTB) hat hochrangige Vertreter nach Rutesheim entsandt, als Sie und Ihr Team für den Jugendcup 2023 ausgezeichnet wurden.
Der DTB hat bekanntlich eine Doppelspitze – und wenn dann Veronika Rücker, die im sportlichen Bereich die wichtigste Persönlichkeit des DTB darstellt, zu uns kommt, dann ist das für uns schon etwas ganz Besonderes wert.
Die internationalen Talente, die jedes Jahr nach Rutesheim und Renningen kommen, muss man die eigentlich mit einem Startgeld locken?
Nein, wir zahlen kein Geld dafür, dass sie bei uns antreten. Das ist im Amateursport und vor allem im Jugendbereich nicht Usus. Sehen Sie, wir spielen in der U 14 in der höchsten Kategorie und in der U 18 ITF (International Tennis Federation, d. Red.) befinden wir uns in einem Bereich, den man schon mit Profi-Turnieren vergleichen kann, was die Wertigkeit angeht. Damit sind wir für die starken Spieler aus Europa und Übersee interessant, weil es bei uns viele Ranglistenpunkte zu gewinnen gibt. Und deshalb wollen die richtig Guten auch in diesen Kategorien und Turnieren antreten.
Wie finanzieren Sie die Veranstaltung? Erhalten Sie Zuschüsse oder sind es ausschließlich die Sponsoren, die das Finanzielle stemmen?
Wir erhalten vom DTB und WTB (Württembergischer Tennis Bund, d. Red.) Zuschüsse, die sind in der Summe willkommen, aber die sind am Ende nicht entscheidend. Den großen Batzen bekommen wir als Unterstützung von unseren Sponsoren und von den beteiligten Kommunen. Ohne diese Mittel würde gar nichts laufen.
Die Kommunen sitzen mit im Boot.
Ja, auch die Kommunen schätzen unser Turnier sehr – gerade in Rutesheim wird immer wieder unterstrichen, dass der Jugendcup die hochwertigste Sportveranstaltung ist, die in der Stadt stattfindet.
Welche Summe müssen Sie aufwenden, um Jahr für Jahr die besten Tennis-Talente der Welt anzulocken?
Das dürfte schon ein Betrag zwischen 40 000 und 50 000 Euro sein. Das liegt freilich auch an den Verpflichtungen, die wir gegenüber den Verbänden besitzen. Wir müssen den Nachwuchsspielern Unterkunft und Verpflegung zur Verfügung stellen – das macht alleine schon an die 30 000 Euro aus. Das ist dann eben die Schattenseite der hohen Kategorien.
Wo viel Licht ist, ist auch Schatten, so weiß man.
Wenn wir weniger Wert auf den sportlichen Stellenwert legen würden, dann könnten wir natürlich eine ganze Menge Kosten sparen. Aber dann wären wir eben ein Turnier unter tausenden anderen. So aber muss man diese Seite eben auch in Kauf nehmen.
Es haben schon einige Tennis-Stars beim Jugendcup aufgeschlagen, als sie noch jung und unbekannt waren. Besteht noch zum einen oder der anderen ein Kontakt oder verliert sich das?
Persönlichen Kontakt gibt es da weniger, es ist – wenn überhaupt – einer über die Sozialen Medien. Ich denke da an Stefanos Tsitsipas, der einmal die Schirmherrschaft übernommen und als Turnier-Botschafter für uns fungiert hat. Das beschränkt sich allerdings darauf, dass er auf Facebook eine kleine Gruß-Botschaft verfasst und gepostet hat, was wir dann für unsere Werbung verwenden dürfen. Aber es wäre verwegen zu sagen, jemand von denen, die mal bei uns gespielt haben und nun bei den Großen sind, mit denen befänden wir uns in einem regelmäßigen Austausch.
Nun haben Sie ein renommiertes Turnier – aber das Bessere ist bekanntlich der Feind des Guten. Wo könnten Sie noch ansetzen?
Man kriegt im Laufe des Turniers immer etwas mit, über das man noch gar nicht nachgedacht hat oder das einem nicht aufgefallen ist. Das ist zwar nichts Prinzipielles, aber etwas, das man noch optimieren könnte. Beispielsweise: Wie findet man wichtige Informationen vor Ort? Wie können wir Änderungen im Spielplan noch besser kommunizieren, damit sie auch jeder Zuschauer mitbekommt? Das sind organisatorische Dinge, die wir im Nachgang festhalten, und die wir fürs kommende Jahr dann umsetzen.
Und jetzt beginnt die Planung für 2025...
Die nächsten paar Tage werde ich damit beschäftigt sein, das Turnier richtig abzuschließen, es aufzuarbeiten und noch einige Berichte zu verfassen. Und den Kassensturz müssen wir auch noch erledigen. Aber dann müssen wir natürlich bis Ende September die Meldung fürs nächste Jahr abgeben.