Trump, Balogun, Infantino: Warum wurde die rote Karte annulliert?

Was läuft zwischen FIFA und Weißem Haus? Trump und Infantino gestikulieren mit Roter Karte – Archivbild aus dem Jahr 2018. Foto: Evan Vucci/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Evan Vucci/AP/dpaBei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 sorgt eine nahezu beispiellose Entscheidung der FIFA für heftige Diskussionen. US-Stürmer Folarin Balogun sah im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina nach einem harten Foul die Rote Karte. Eigentlich bedeutet das eine automatische Sperre für das nächste Spiel. Doch die FIFA hob die Sperre überraschend auf und setzte sie für ein Jahr zur Bewährung aus. Balogun darf damit im Achtelfinale gegen Belgien spielen. Warum ist das so?
Trump und die Rote Karte für Balogun
Berichten von Medien wie The Athletic und der New York Times zufolge hat US-Präsident Donald Trump persönlich beim FIFA-Vorsitzenden Gianni Infantino angerufen. Er bat darum, den Platzverweis zu überprüfen. Kurz nach der FIFA-Entscheidung bedankte sich Trump auf seiner Plattform Truth Social beim Weltverband dafür, dass eine „große Ungerechtigkeit korrigiert“ wurde.
FIFA kann rote Karten durch Hintertür annullieren
Der Weltverband nutzt für diesen Schritt ein juristisches Schlupfloch: Artikel 27 des FIFA-Disziplinarreglements. Dieser Paragraph erlaubt es, Strafen ganz oder teilweise zur Bewährung auszusetzen. Während diese Regelung in der Vergangenheit meist genutzt wurde, um extrem lange Sperren leicht zu verkürzen, wird sie nun genutzt, um die automatische Sperre nach einer glatten Roten Karte de facto komplett zu umgehen. Bleibt Balogun während der WM disziplinarisch unauffällig, hat die Rote Karte für das restliche Turnier keine Konsequenzen mehr.
- „Trump-Faktor“: US-Präsident Donald Trump rief Medienberichten zufolge persönlich bei FIFA-Chef Gianni Infantino an, um gegen die Sperre von Top-Scorer Folarin Balogun (3 WM-Tore) zu protestieren.
- Regel-Schlupfloch: Die FIFA hob die automatische Sperre nach der Roten Karte (im Spiel gegen Bosnien-Herzegowina) nicht auf, sondern setzte sie für ein Jahr zur Bewährung aus (mittels Artikel 27 des Disziplinarreglements).
- Garrincha-Präzedenzfall 1962: Es ist das erste Mal seit 1962, dass ein Platzverweis bei einer Weltmeisterschaft keine direkte Spielsperre nach sich zieht. Damals betraf es Brasiliens Garrincha.
US-Achtelfinalgegner Belgien reagiert mit großem Erstaunen und prüft rechtliche Schritte, um das sportliche Fairplay zu verteidigen. Auch Organisationen wie FairSquare üben scharfe Kritik und haben bereits Beschwerde bei der FIFA-Ethikkommission eingereicht. Der Vorwurf wiegt schwer: Der Fußball-Weltverband habe sich dem politischen Druck des Gastgebers gebeugt und damit die Integrität des gesamten Turniers gefährdet.
Balogun und Ronaldo: War es (absichtliches) Foul oder nicht?
Trotz des dubiosen Hintergrunds könnte die Entscheidung sportlich zu rechtfertigen sein: Balogun hatte im Sechzehntelfinale den Knöchel seines Gegenspielers heftig, aber womöglich unbeabsichtigt getroffen. Von einer solchen Bewährung konnte übrigens auch schon Cristiano Ronaldo profitieren. Im November 2025 war der Portugiese bei einem WM-Qualifikationsspiel gegen Irland vom Platz gestellt worden. Er wurde zunächst für drei Spiele gesperrt, musste aber nur im nächsten Qualifikations-Match aussetzen. Die restlichen Spiele setze die FIFA für ein Jahr zur Bewährung aus.
