Egal ob in der Politik oder im Sport: Gerhard Mayer-Vorfelder polarisierte wie kaum ein Zweiter. Gegenwind - beim VfB, dem DFB oder in der Landespolitik - hielt er gut aus. Nun ist Gerhard Mayer-Vorfelder im Alter von 82 Jahren gestorben.
Gerhard Mayer-Vorfelder mit seiner Frau Margit. MV, der den VfB Stuttgart, den Fußball und Baden-Württembergs Politik über Jahre prägte, ist im Alter von 82 Jahren verstorben.
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Nach dem Jurastudium in Freiburg und Heidelberg startet der ehrgeizige Jurist als persönlicher Referent des damaligen
Innenministers und späteren Ministerpräsidenten Hans Filbinger seine
politische Laufbahn. Er dient auch dessen Nachfolgern Lothar Späth und Erwin Teufel (im Bild links).
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Nach diversen Zwischenstufen auf der politischen Karriereleiter schafft Mayer-Vorfelder schließlich 1980 den Sprung auf den
Ministersessel: Zunächst im Bereich Kultus und Sport, ...
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... von 1991 bis 1998 leitet er das Finanzministerium. Wie auch im Sport übersteht der CDU-Mann eine Reihe von Skandalen weitgehend unbeschadet. Aus der Südmilch-, der Graf-, der Toto-Lotto- oder der Stammtisch-Affäre geht er realtiv unbeschadet hervor. 2004 wird er allerdings zur Rückzahlung von 13.511 Euro Übergangsgeld verurteilt. Mayer-Vorfelder hatte nach seiner Ministertätigkeit als Präsident des VfB Stuttgart eine Aufwandsentschädigung erhalten.
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Mit Goldkettchen und Haifischlächeln ist Mayer-Vorfelder jahrelang der erklärte Lieblingsfeind der Opposition. Die reibt sich leidenschaftlich gern an seinen umstrittenen Vorstößen: Unvergessen sein Vorschlag, Schüler alle drei Strophen der deutschen Nationalhymne singen zu lassen. Den "Franz Josef Strauß der baden-württembergischen CDU" nannte ihn Günther Oettinger einmal - es war ein Kompliment.
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MV ist kein Kind von Traurigkeit: Der gebürtige Badener ist bei Partys häufig der Letzte, singt zu vorgerückter Stunde Sinatras "My Way" und raucht jahrelang wie ein Schlot - bis ihn 2006 eine schwere Herzerkrankung dazu zwingt, die Rothändle-Zigaretten aufzugeben.
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Die zweite große Liebe in Gerhard Mayer-Vorfelders Leben: Der VfB Stuttgart. Bei den Roten hat der Schwarze ein Vierteljahrhundert lang das Sagen. Nach einer Art Putsch lässt sich Mayer-Vorfelder 1975 zum Präsidenten wählen. Sportliche
Höhepunkte sind die zwei Meistertitel von 1984 (Foto)...
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... und 1992 (Mayer-Vorfelder mit Meistertrainer Christoph Daum), der Vorstoß ins Finale des Uefa-Cups 1989 und...
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... der DFB-Pokalsieg 1997 unter Trainer Joachim Löw. Dass MV den beliebten Fußballlehrer dennoch schasst ...
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... und statt dessen den unbeliebten Winfried Schäfer holt, ...
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... nehmen die Fans ihrem Präsidenten übel. "Schäfer geh und nimm Mayer-Vorfelder gleich mit", heißt es auf diesem Transparent.
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MV ficht das nicht an. Er sehe sich "in aller
Bescheidenheit als Glücksfall für den VfB", sagte er einmal - an Selbstbewusstsein mangelte es ihm nie.
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Nach 25 Jahren MV endet im Jahr 2000 eine Ära: Bei seinem Rücktritt hinterlässt Mayer-Vorfelder seinem Nachfolger Manfred Haas (rechts) einen Schuldenberg in Höhe von etwa 15 Millionen Euro.
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MV zieht derweil weiter und wird 2001 DFB-Präsident.
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Er gefällt sich in der Rolle des Fußballpatriarchen - dass das beim DFB weniger gut ankommt als in der schwäbischen Heimat, verkennt Mayer-Vorfelder lange.
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Nach der verpatzten EM 2004 und seinem missglückten Alleingang, Ottmar Hitzfeld als Bundestrainer verpflichten zu wollen, muss Mayer-Vorfelder notgedrungen einen Kompromiss eingehen: Um seiner Abwahl zu entgehen, akzeptiert er Theo Zwanziger notgedrugen als Partner. "Natürlich haben MV und ich ... einige Sträußchen ausgefochten, aber das ist ausgeräumt und vergessen. Mittlerweile ist er mir längst ein Freund geworden", sagte Zwanziger einmal über seinen Weggefährten.
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Sein Lebensziel, die Weltmeisterschaft im eigenen Land, erreicht Mayer-Vorfelder 2006. Statt Hitzfeld setzt sich ein alter Bekannter auf die Trainerbank: Jürgen Klinsmann vergilt es seinem früheren Vereinspräsidenten mit unendlicher Dankbarkeit. Als er nach der WM seinen Hut nimmt, macht er dem Patriarchen mit Tränen in den Augen nahezu eine Liebserklärung: "Mein MV. Danke für alles!"
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Dass in der öffentlichen Wahrnehmung nicht MV, sondern vor allem Franz Beckenbauer derjenige ist, der die Weltmeisterschaft nach Deutschland holte, ist da nur ein kleiner Wermutstropfen.
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Nach der WM nimmt Mayer-Vorfelder Abschied vom DFB, 2007 bis 2009 ist er Uefa-Vizepräsident, dann gibt er auch dieses Amt ab.
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Nun ist Gerhard Mayer-Vorfelder im Alter von 82 Jahren in Stuttgart gestorben. Er hinterlässt seine Frau Margit und vier Kinder.
www.7aktuell.de | Oskar Eyb
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Stuttgart - Für seine zahlreichen Gegner war der "tief Schwarze" ein rotes Tuch. Egal ob in der Politik oder im Sport: Gerhard Mayer-Vorfelder polarisierte wie kaum ein Zweiter. Der Machtmensch und Multifunktionär gehörte einst zu den wichtigsten Politikern in Baden-Württemberg und war lange einer der bedeutendsten und einflussreichsten Vertreter im deutschen Fußball. Nun ist er im Alter von 82 Jahren gestorben.
Egal ob als Präsident des VfB Stuttgart und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) oder als CDU-Minister im Land - Mayer-Vorfelder verstand es glänzend, sich trotz extremen Gegenwindes jahrelang in den diversen Spitzenpositionen zu halten. MV - unter diesem griffigen Kürzel war er in Verein, Stadt und Land bekannt - wusste, was viele über ihn denken - es scherte ihn nicht: "Man muss mich nicht mögen, aber Respekt erwarte ich schon."
Wir werfen einen Blick auf eine beeindruckend vielfältige Karriere - in unserer Bildergalerie!