Im Sonderzug zum DFB-Pokalfinale: 20 Stunden Fahrt für 90 Minuten Fußball
Stuttgart - Müdigkeit und Enttäuschung, gepaart mit trotzigem Stolz: der Finaltag hat nicht nur bei den Fußballern des VfB Stuttgart seine Spuren hinterlassen. Abgekämpft waren auch die rund 1600 VfB-Fans, die nach der Niederlage im DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern vom Berliner Bahnhof Zoo aus mit zwei Sonderzügen der Schienenverkehrsgesellschaft SVG zurück nach Stuttgart gefahren sind.
Sie hatten einen langen Tag hinter sich: Am Samstagmorgen zwischen 5.30 und 6.30 Uhr waren die beiden Züge in Stuttgart gestartet, zurück ging es nach dem Spiel in der Sonntagnacht zwischen 1 und 1.30 Uhr. „Bei einem Sieg hätten wir noch im Zug gefeiert, aber jetzt: Hauptsache heim“, sagte Christian Schmitt aus Heilbronn vor der elfstündigen Rückfahrt.
Schon vor dem Finale gefeiert
Gefeiert hatten viele Fans ohnehin schon ausgiebig – auf der Hinfahrt. Zu Schlagern, Rockklassikern und VfB-Hymnen gab es bereits seit sechs Uhr morgens Bier im Partywagen. Der wurde im Lauf der etwa neun Stunden langen Hinfahrt immer voller, der Boden dagegen immer seifiger. Denn die Waggons des Sonderzugs, die deutlich älter waren als der letzte Pokalsieg des VfB, ruckelten ordentlich. So landete der eine oder andere Schluck Bier eher auf der Tanzfläche als in den Mündern der Fans. Der auf der Fahrt nach Berlin noch deutlich spürbaren Hoffnung auf das Fußballwunder gegen den Deutschen Meister und Champions-League-Sieger FC Bayern tat das aber keinen Abbruch.
Selbst die vermutlich einzige Bayern-Anhängerin im Zug, Annegret Müller aus Ostfildern, wurde von den VfB-Fans herzlich aufgenommen. „Die Stuttgarter Fans sind so offen und sympathisch, da geht das“, sagte die 29-Jährige, die mit zwei befreundeten VfB-Unterstützern nach Berlin reiste. Zwar musste sie einige hämische Blicke und Anti-Bayern-Gesänge über sich ergehen lassen, als sie ihr Trikot kurz vor der Ankunft am Berliner Bahnhof Zoo überstreifte. Dennoch lautete ihr Fazit: „Mit den Stuttgartern kann man gut feiern.“
„Es hätte schlimmer kommen können“
Dass der VfB es schwer haben würde gegen die Übermannschaft aus München, darüber machten sich die Fans im Zug auf der Fahrt nach Berlin aber keine Illusionen. Die Tipps gingen im Vorfeld von einer 1:4-Klatsche bis zu einem 5:2-Sieg für den VfB – als Revanche für die letzte Finalniederlage gegen die Bayern 1986. Das wirkliche 2:3 am Ende sah der VfB-Fan Christian Schmitt deshalb fast schon gelassen: „Es hätte schlimmer kommen können.“
Während die einen dem Partywagen auf dem Weg in die Hauptstadt also alle Ehre machten, ging es in den nostalgisch anmutenden Abteil- und Großraumwagen recht gesittet zu. Auf den rostroten Kunstledersitzen dösen, lesen, mit anderen Fans fachsimpeln: so vertrieb sich beispielsweise Felix Scholz die Zeit. Der 31-jährige Stuttgarter war allein unterwegs nach Berlin. „Natürlich wäre ich lieber mit Freunden gefahren, aber die haben alle keine Karte fürs Stadion bekommen“, sagte er.
Die Fans sind mit dem VfB versöhnt
Mehr als 50 000 Bewerbungen hatte es laut dem VfB für die 21 000 Finaltickets gegeben, die dem Verein vom DFB zur Verfügung gestellten worden waren. Das VfB-Mitglied Scholz hatte das Losglück auf seiner Seite. Für ihn war das Pokalfinale die erste Partie in dieser Saison, die er live im Stadion verfolgen konnte. Das Spielergebnis sei für ihn nicht das Wichtigste an diesem Tag. „Mir geht es eher um das Event.“
Für viele der mitgereisten Fans stand am Samstag das Gemeinschaftserlebnis im Vordergrund. „Es ist ein schöner Saisonabschluss mit Kumpels“, sagte Steve Fraulob aus Remshalden. Und versöhnt sind die meisten Fans nach der mittelmäßigen Saison mit ihrem Verein ohnehin bereits seit dem Halbfinalsieg gegen Freiburg gewesen. „Immerhin haben sie sich so für die Europa League qualifiziert“, sagte Fraulob.
















































