Torjäger des VfB Stuttgart
: Nagelsmann kritisiert Undav trotz Siegtreffer: „Bis zum Tor war er nicht gut“

Deniz Undav hat das Siegtor für die DFB-Elf geschossen – der Bundestrainer aber war eher nicht zufrieden. So bewertet er Undavs Leistung.
Von
Marco Seliger
Stuttgart

Deniz Undav erzielte spät den Siegtreffer gegen Ghana, der Bundestrainer übte dennoch Kritik.

IMAGO / Ulrich Wagner / IMAGO / Kirchner-Media

Er hat es wieder getan. Deniz Undav trifft, wie er will – nun auch im DFB-Team. Nach 18 Saisontreffern in der Bundesliga für den VfB Stuttgart gelang dem Joker für die Nationalelf das Siegtor zum 2:1 im Testspiel gegen Ghana (88. Minute). Nicht erst zu diesem Zeitpunkt feierten die Stuttgarter Anhänger Undav ab, mehrfach hatten sie vorher mit Sprechhören über die gesamten Ränge lauthals seine Einwechslung gefordert.

Zu Beginn der zweiten Hälfte war es so weit – und später dann, nach seinem Siegtor kurz vor Schluss, war Undav glücklich und beseelt. „Es war krass zu hören, wie die Fans hinter mir stehen“, sagte er und ergänzte im typischen Stil trocken: „Den Sieg geholt, das entscheidende Tor gemacht – top.“

Die Hoffnungen des Deniz Undav

Wenig später dann kam Undav am Montagabend auf seine inzwischen berühmt gewordene Rolle zu sprechen, die ihm Bundestrainer Julian Nagelsmann mit Blick auf das deutsche Teamgefüge bei der WM im Einzelgespräch zugewiesen hat: die des Jokers. „Ich kenne meine Rolle“, sagte Undav also: „Aber durch solche Tore kann sich meine Rolle vielleicht auch verändern. Ich versuche, weiter Gas zu geben.“

Der Bundestrainer wiederum erteilte diesem Ansinnen wenig später gleich eine Absage. Dass das passiert, dass Undav also seine Rolle verändert und damit über seine Jokerrolle hinaus kommt, das bezeichnete Nagelsmann als „eher unwahrscheinlich, weil ich die Rollengespräche nicht für die März-Länderspiele geführt habe, sondern für die WM“.

Deniz Undav bedankt sich für Sprechchöre.

Foto: IMAGO/Moritz Müller

Auch ansonsten wollte der Coach in die großen Undav-Jubelstürme weiterhin nicht einstimmen. „Er hatte nicht viele Aktionen, eigentlich gar keine, hatte vor dem Tor wenig mit dem Spiel zu tun“, sagte Nagelsmann über Undavs Leistung gegen Ghana: „Aber am Ende macht er das Tor. Das ist das Entscheidende, dass er, wenn der Gegner müde ist, Aktionen nutzen kann. Er macht das schon gut auf engem Raum, macht das, was ein Torjäger machen muss“, sagte der Coach über das Siegtor, schränkte aber ein: „Wenn er davor schon 70 Minuten gespielt hat, wird dieser lange Schritt schwer und ich weiß nicht, ob er ihn dann so reinmacht – so ein langer Schritt kann mit dem Blick in den Sommer bei 42 Grad ganz schön anstrengend sein.“

Eine knappe halbe Stunde später, als es schon Dienstag war, nahm Nagelsmann im großen Pressekonferenzraum der Stuttgarter Arena Platz – und wurde noch konkreter und deutlicher in der Causa Undav.

Angesprochen auf die vom Stürmer geäußerte Hoffnung nach der möglichen Rollenveränderung mit Blick auf die WM sagte der Bundestrainer dies: „Er setzt sich ja mit seiner Aussage selbst unter Druck, von dem her ist es okay.“

Und weiter: „Sobald Deniz anfängt, weniger Tore zu schießen, ist es einfach nur so wie selbst Druck aufzubauen.“ Solange Undav aber damit klarkomme, so Nagelsmann weiter, könne er seine Hoffnungen gerne weiter äußern, denn: „Jeder Spieler sollte den Drang haben, eine bessere Rolle zu spielen – diesen Ehrgeiz muss man dann auch auf dem Feld sehen.“

Nagelsmann aber fand Undavs Leistung gegen Ghana „bis zum Tor nicht gut – er hat vorher nach seiner Einwechslung glaube ich nur einmal den Ball berührt.“ Das Tor aber mache Undav, so der Coach weiter, „weil er frisch war. Und ich glaube zu wissen, dass wir im Sommer bei der WM Joker brauchen, die in der Lage sind, Spiele zu entscheiden.“

Ein Joker wie Deniz Undav – der aber, das wurde klar bei seinen Äußerungen am Montagabend, eigentlich gar keiner sein will. Weil er von Anfang an spielen will.

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