Angelika Brendle-Arndt: Das sagt die „VfB-Oma“ zu Woltemade und der kommenden Saison

Das neue Trikot hat sie schon, die Karten für die Heimspiele in der Europa League auch: Angelika Brendle-Arndt fiebert der neuen Saison entgegen.
privatDer Klassenerhalt 2022 in letzter Sekunde war nicht nur der große Moment von Wataru Endo, der den Club aus Cannstatt mit seinem Kopfballtor in der Nachspielzeit in der ersten Liga hielt. Es war auch der große Moment von Angelika Brendle-Arndt aus Affalterbach (Kreis Ludwigsburg). Mit ihrem „Bleeder-Hund“-Moment löste sie einen kleinen Hype aus – und wurde als „VfB-Oma“ bekannt.
Mit einigen Profis pflegt sie ein freundschaftliches Verhältnis – einigen hat sie Schwäbisch näher gebracht. Natürlich hat die 70-Jährige eine Meinung zur neuen Saison. Was sagt Sie ...
... zum Abschneiden des VfB?
Die Erwartungen bei Brendle-Arndt sind groß. Platz 3 in der Bundesliga wünscht sie sich – was die zweite Champions-League-Teilnahme innerhalb von drei Spielzeiten bedeuten würde. Was die Europareise des VfB in dieser Saison angeht, ist sie sich noch nicht ganz sicher. „Wenn ich die Gegner wüsste, dann wär’s einfach“, sagt die 70-Jährige. „Aber wir können weit kommen. Die Vorrunde überstehen wir auf jeden Fall.“
Den DFB-Pokal, „den verteidigen wir“, sagt Brendle-Arndt, wobei der Wunsch auch ein bisschen Vater des Gedankens ist. „Ich bin nächstes Jahr wieder in Berlin – das war so ‚schee’“.
... zum Wechseltheater um Woltemade?
Beim Gedanken daran, wie sich die Verantwortlichen des FC Bayern im Poker um Nick Woltemade verhalten haben, rutscht der Rentnerin beinahe ein Schimpfwort raus. „Unter aller Kanone“, sagt sie. Hätten sich die Oberen beim VfB so verhalten, „da wär das Geschrei groß gewesen“. Den Deal hintenrum einzufädeln, das gehört sich aus ihrer Sicht nicht.
Dem 23-Jährigen, um den es seit Wochen Gerüchte gibt, sei sie nach dem offiziellen Saisonauftakt gegen Bologna (0:1) über den Weg gelaufen. „Ich habe ihm gesagt: du bist als Nix gekommen, jetzt meinst du, du bist der Käs’. Setz dich in eine Schubkarre, ich bring dich nach München“, fällt die VfB-Anhängerin ein hartes Urteil. Die Ersatzbank des Rekordmeister müsse „auch gefüttert werden“. Sollte der Transfer doch noch über die Bühne gehen, prophezeit Brendle-Arndt, dass Woltemade im kommenden Sommer die WM verpassen wird. „Von mir aus kann er gehen, dann ist Ruh’.“
... zu den weiteren Transferaktivitäten?
„Bis jetzt haben wir gute Neuzugänge“, findet die VfB-Oma. Wobei sie im letzten großen Test gerne ein bisschen mehr gesehen hätte von Noah Darvich, Jovanovic Lazar und Co. Ein bisschen Sorgen macht sie sich um Josha Vagnoman. „Mal sehen, wie das Duell mit seinem Herausforderer ausgeht“, sagt Brendle-Arndt.
Dass Enzo Millot nach Saudi-Arabien wechselt, das kann die VfB-Oma nicht verstehen. Er mache sich „seine Karriere kaputt“, befindet sie. „In die Wüste kann ich mit 30, 32, 33 wechseln, aber doch net mit 23.“
... zu ihrem Lieblingsspieler?
„Der Ata“, wie Angelika Brendle-Arndt VfB-Kapitän Atakan Karazor nennt, ist nach wie vor ihr Lieblingsspieler im Kader. „Mit dem hege ich eine nette Freundschaft“, sagt sie. Nach ihrem Bleeder-Hund-Auftritt habe Karazor den Kontakt gesucht, er habe gesagt: „Ich liebe diese Leute, die Haare auf den Zähnen haben“, erinnert sich die 70-Jährige. Seitdem „schwätzen“ die beiden miteinander. Aber auch Routinier Pascal Stenzel sei ein „sehr zuvorkommender, höflicher Menschen.“ Er komme auch ab und zu, wenn er sie am Rande des Trainingsplatzes erspähe, auf sie zu und halte ein Pläuschen. „Das muss er ja net“.
... zur Stimmung beim VfB?
Die Stimmung sei seit Jahren ja „einwandfrei, erste Klasse“, findet Brendle-Arndt, die auch schon andere Zeiten erlebt hat. „Aufstieg, Abstieg, Aufstieg, Abstieg – und auch viel schlechtes Gekicke.“ Die Stimmung war dementsprechend. Nun sei das vorbei. Bei all den positiven Entwicklungen, eine Sache am Stadion-Erlebnis stört sie inzwischen: Dass überall – auch auf der Gegengerade, wo sie ihre Karten hat, dauerhaft gestanden wird. „Das ist ganz schlimm für mich, ich kann keine 90 Minuten mehr stehen“, sagt sie.

Brendle-Arndt mit ihrem Lieblingsspieler.
Foto: privat/privat... zu Spielen, auf die sie sich besonders freut?
Die 70-Jährige würde gerne mal nach Freiburg. Es sei schwer, an Karten für das Duell gegen die Breisgauer zu kommen. Auch St. Pauli hat sie sich als Auswärtsfahrt vorgenommen. „Da will ich unbedingt hin dieses Jahr.“
Und auf welches Heimspiel freut sie sich besonders? „Ich nehm’ alle Gegner“, sagt Brendle-Arndt. Nur einer Partie werde sie definitiv fern bleiben: Gegen die Bayern, wenn alle anderen unbedingt ins Stadion wollen. „Diese arroganten Schnösel, diese arroganten Fans. Ich würde nur nen Streit vom Zaun brechen“, sagt die VfB-Oma. „Ich geh au jetzt am Samstag net zum Supercup.“ Das hat die VfB-Oma übrigens mit den Ultras gemeinsam. Die boykottieren die Partie ebenfalls.