VfB Stuttgart bei Celtic Glasgow
: Tolle Stimmung? Darum war es im Celtic-Park so ruhig

Die fantastische Atmosphäre im Celtic-Park war ein großes Thema vor dem Auswärtsspiel des VfB – nun war plötzlich alles anders. Aus diesen Gründen.
Von
Marco Seliger
Stuttgart

Weiß und rot in Glasgow: Laut war es am Donnerstagabend nur im Gästeblock.

IMAGO/Shutterstock

Wie war das nochmal mit dem sagenumwobenen Celtic-Park und der so fantastischen Stimmung? Ein großes Thema war das gewesen vor dem Europa-League-Auswärtsspiel des VfB Stuttgart im sogenannten „Paradise“ – in dem Celtic Glasgow am Donnerstagabend durch die Hölle musste.

1:4 hieß es am Ende gegen die Weiß-Roten, begleitet von reichlich Misstönen auf den Rängen. Oder auch: von gar keinen Tönen. Denn wer sich auf die so besondere Atmosphäre im Celtic-Park freute, der wunderte sich. Weil es seltsam ruhig war, im Grunde waren in Summe nur die mehr als 3000 mitgereisten VfB-Fans zu hören.

Das hatte damit zu tun, dass die Celtic-Clubführung entschieden hatte, Teile der organisierten Fans von den Spielen auszuschließen. Als Protestnote gegen diese Entscheidung warfen die Anhänger der Schotten am Donnerstagabend kurz nach dem Anpfiff aus mehreren Ecken des Stadions Tennisbälle auf den Rasen, um das Spiel zu unterbrechen. Was auch gelang. Der Schiedsrichter unterbrach die Partie, Ordner kamen auf den Rasen. Es dauerte knapp fünf Minuten, ehe die Begegnung fortgesetzt werden konnte.

Scharfe Kritik von Trainer O’Neill

Trainer Martin O’Neill war nach seinem 1000. Pflichtspiel als Coach überhaupt nicht gut auf den eigenen Anhang und die Tennisball-Aktion zu sprechen. „Wer das für eine gute Idee hält, sollte sich mal am Kopf untersuchen lassen“, polterte er auf der Pressekonferenz: „Das steht außer Frage. Das sendet völlig falsche Signale aus. Wir spielen gegen Stuttgart. Das Spiel ist schon schwer genug.“

Hintergrund des Konflikts ist unter anderem die pro-palästinensische Haltung von Teilen der Fans, die immer wieder zu internen Konflikten führt und dem Club auch schon Strafen der Uefa eingebracht hat.

In der Partie gegen den VfB blieben nun Teile des Bereichs der organsierten Fan-Szene leer – im Paradise kam auch auf den anderen Tribünen kaum Stimmung auf. Was mit der schwachen Leistung Celtics zu tun hatte, aber auch mit dem übergeordneten Ärger vieler Anhänger über die Fehler der vergangenen Jahre. Zahlreiche Trainerwechsel, schlechte Transferpolitik: bei Celtic liegt Vieles im Argen, was viele Fans im sonst so stimmungsvollen Stadion verstummen lässt.

Zum Ärger von Trainer O’Neill, der am Donnerstagabend nach dem 1:4 gegen den VfB betonte, dass der Celtic Park durch diverse Proteste an Magie verloren habe: „Das Problem ist, dass dieser Ort vor einigen Jahren einmal unglaublich einschüchternd war. Ich war dabei, als Mannschaften wie Juventus Angst hatten, hierher zu kommen. Als Spitzenmannschaften Angst hatten. So etwas ist überhaupt nicht hilfreich.“

Ein Team wie der VfB komme so „zu diesem wunderbaren Fußballverein und findet dort viele interne Streitigkeiten und Gegenstände auf dem Spielfeld vor. Das macht für mich keinen Sinn“, sagte O’Neill weiter: „Wenn ich ein Spieler von Stuttgart wäre, würde ich mich in diesem Umfeld ziemlich wohl fühlen, wenn das der Fall wäre.“

Was O’Neill damit unter anderem meinte: Als VfB-Angreifer Ermedin Demirovic nach einer knappen Stunde das vermeintliche 4:1 erzielt hatte, verließen viele Fans der Grün-Weißen das Stadion – und bekamen nicht mal mehr mit, dass der Treffer wegen einer Abseitsposition zurückgenommen wurde und es weiter erstmal „nur“ 3:1 für den VfB stand.

Im Kreuzfeuer der Fan-Kritik war auch Celtic-Keeper Kasper Schmeichel, der bei zwei von vier Gegentoren nicht gut aussah und in der zweiten Halbzeit von den eigenen Fans mit Buhrufen und ironischen Jubelschreien bedacht wurde. O’Neill hatte nach eigenen Angaben nichts davon mitbekommen, betonte aber: „Kasper Schmeichel hat einige großartige Paraden gezeigt, seit ich bei diesem Fußballverein bin. Ich erinnere mich an das Spiel gegen Feyenoord, in dem er eine großartige Parade gezeigt hat, ohne die wir heute Abend vielleicht nicht spielen hätten dürfen.„ Das Problem seien keinesfalls Einzelne. „Das ist eine Mannschaftssache. Daran besteht überhaupt kein Zweifel.“

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