VfB Stuttgart
: Polizei ermittelt gegen Rüdiger

Der momentan verletzte Verteidiger des VfB Stuttgart, Antonio Rüdiger, soll beim Testspiel gegen Manchester City einen Zuschauer beleidigt haben. Während Rüdiger seine Unschuld betont, soll es nach StZ-Informationen Zeugen für sein Verhalten geben.
Von
T.H.
Stuttgart
Jetzt in der App anhören
  • Antonio Rüdiger bestreitet die Anschuldigungen des Zuschauers. Doch es soll Zeugen geben.

    Pressefoto Baumann
  • Antonio Rüdiger wurde am 3. März 1993 in Berlin geboren. Sein Vater ist ein Deutscher, seine Mutter stammt aus Sierra Leone.

    Pressefoto Baumann
  • Rüdigers Halbbruder ist Sahr Senesie (Mitte) – ebenfalls ein Fußball-Profi. Vis zum Ende der Saison 2014/2015 spielte Senesie beim SG Sonnenhof Großaspach in der Dritten Liga, danach wurde er Antonio Rüdigers Manager.

    dpa
  • Antonio Rüdiger verbrachte seine Jugend bei Hertha Zehlendorf und schloss sich 2008 Borussia Dortmund an. Im Frühjahr 2011 wechselte der Verteidiger zum VfB Stuttgart. Bei den Schwaben spielte Rüdiger zu Beginn in der zweiten Mannschaft.

    Pressefoto Baumann
  • Sein Bundesliga-Debüt gab Rüdiger im Januar 2012 im Heimspiel des VfB Stuttgart gegen Borussia Mönchengladbach.

    Pressefoto Baumann
  • In der Kabine der Stuttgarter legt der Fußballer am liebsten Hip Hop auf. Das ist seine Art, sich und die Kollegen auf die bevorstehenden 90 Minuten einzustimmen.

    Pressefoto Baumann
  • 2012 wurde Rüdiger vom Deutschen Fußball-Bund zum besten Spieler des Jahrgangs 1993 gekürt und mit der Fritz-Walter-Medaille ausgezeichnet.

    Pressefoto Baumann
  • Rüdiger gehörte auch zum Kader der deutschen U-18- sowie U-19- Nationalmannschaften. Für das deutsche U-20-Nationalteam war Rüdiger im September 2012 erstmals im Einsatz. Seit November 2012 spielt er in der U-21-Nationalmannschaft.

    Pressefoto Baumann
  • Beim Freundschaftsspiel gegen Polen am 8. Mai 2014 ist Rüdiger zum ersten Mal in einem A-Länderspiel nominiert gewesen. Bislang stand er sechs Mal für die Nationalmannschaft auf dem Platz.

    Pressefoto Baumann
  • Im April 2013 hat Rüdiger seinen Vertrag beim VfB vorzeitig um zwei Jahre bis 2016 verlängert.

    Pressefoto Baumann
  • Allerdings liebäugelt der Spieler schon seit geraumer Zeit mit anderen Clubs. VfL Wolfsburg, Atlético Madrid, FC Chelsea – das sind derzeit die gehandelten neuen Arbeitgeber.

    dpa
  • Während der Vorbereitungsphase muss Rüdiger nun allerdings für mehrere Woche pausieren. Am zuletzt lädierten Knie wird eine kleine Operation notwendig.

    Pressefoto Baumann
1 / 12

Stuttgart - Eigentlich könnte Robin Dutt (50) recht entspannt sein. Der Manager des VfB Stuttgart hat beim 4:2-Sieg am Samstag im Test gegen Manchester City gesehen, dass die Mannschaft gerüstet ist für die Pokalpartie am Samstag bei Holstein Kiel und den Bundesligaauftakt acht Tage später gegen den 1. FC Köln. Selbst die Besetzung der Innenverteidigung erscheint Dutt nun nicht mehr so problematisch, nachdem Adam Hlousek (26) auf dieser Position gegen den englischen Vizemeister eine überzeugende Vorstellung abgeliefert hat. Momentan läuft es also richtig rund – wenn da nur Antonio Rüdiger (22) nicht wäre. Er füllt weiter das Sommerloch und trübt die positive Grundstimmung bei Dutt, beim VfB und im Umfeld des Clubs.

Vermutlich wird das auch noch eine ganze Weile so bleiben, da die Wahrscheinlichkeit, dass der wechselwillige Nationalspieler in diesem Monat noch bei einem anderen Verein unterkommt, sozusagen von Stunde zu Stunde immer geringer wird. Denn erstens ist Rüdiger nach wie vor verletzt und der Zeitpunkt seines Comebacks ungewiss. Und zweitens beschäftigt er inzwischen sogar die Justiz. Gegen ihn liegt eine Strafanzeige wegen Beleidigung vor – aufgegeben am Samstag auf der Stadionwache von einem Zuschauer der Partie gegen Manchester City.

Antonio Rüdiger streitet die Beleidigung ab

Diesen Zuschauer hat Rüdiger auf der Haupttribüne angeblich als „Hurensohn“, der sich verpissen solle, beschimpft, weil der Mann zuvor mit seinem Knie versehentlich an das malade Knie von Rüdiger gestoßen sei. Deshalb hat das Polizeipräsidium in Stuttgart mittlerweile bereits ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Zuständig ist das Revier in Bad Cannstatt. In diesem Zusammenhang wird Rüdiger bald zu einer Vernehmung vorgeladen, bei der er als Beschuldigter dann Stellung zu den Vorwürfen nehmen muss. Ob der Fall anschließend der Staatsanwaltschaft übergeben wird und ob es zu einer Anklage kommt, entscheidet sich in den nächsten Wochen.

Rüdiger bestreitet die Version des Zuschauers zwar energisch und will sich auch rechtliche Schritte gegen ihn vorbehalten. „Jeder, der mich kennt, der weiß, dass mir die Fans am Herzen liegen und dass ich niemals einen Fan des VfB Stuttgart beleidigen würde“, erklärt er. Aber nach StZ-Informationen gibt es Zeugen, die mitbekommen haben, was am Samstag auf der Tribüne passiert ist – und wer dort was zu wem gesagt hat. Diese Zeugen sollen von den Beamten auf dem Revier in Cannstatt auch gehört werden. Ihre Aussagen sind dann wichtig für den weiteren Verlauf.

Wer verpflichtet einen Spieler, dem ein Prozess drohen könnte?

Unabhängig vom endgültigen Ergebnis ist die Sache jedoch alles andere als imagefördernd für Rüdiger. Sie könnte ihn sogar zumindest vorläufig die Karriere in der Nationalmannschaft kosten. Der Bundestrainer Joachim Löw legt Wert auf anständiges Benehmen und erinnert die Spieler regelmäßig daran, dass sie Vorbildcharakter haben. Dazu passen die aktuellen Nachrichten über Rüdiger nicht. Das spricht sich herum in der Szene – und solange es sich dabei um ein schwebendes Verfahren handelt, dürfte auch ein Transfer kaum zu realisieren sein. Welcher Club verpflichtet schon einen Profi, der nicht nur bis auf Weiteres ausfällt, sondern dem sogar ein Gerichtsprozess drohen könnte?

Dabei hatte der VfB bis vor Kurzem die Möglichkeit, Rüdiger wie im Etat fest eingeplant für gutes Geld (zehn bis zwölf Millionen Euro) zu verkaufen – an den VfL Wolfsburg, den FC Chelsea oder Atlético Madrid. Aber das war Dutt und dem Verein zu wenig. Sie verlangten 18 Millionen, was die Interessenten schon vor der jüngsten Entwicklung bei Rüdiger mit dem Kniefall und dem Justizfall abgeschreckt hat.

Jetzt lautet die Frage für den VfB, wie man mit dem Spieler umgehen soll – wenn es tatsächlich Zeugen geben sollte, die eine verbale Entgleisung bestätigen, und wenn Rüdiger zu einer Geldstrafe verurteilt wird? So lange das nicht geschehen ist, gilt die Unschuldsvermutung. Diese Empfehlung gab wohl auch der VfB-Hausjurist. „Rüdiger hat uns gegenüber den Vorfall völlig anders geschildert und einen Anwalt eingeschaltet“, teilt Dutt mit, „mehr kann ich zu diesem Thema momentan nicht sagen.“ Entspannt klingt das aber nicht.

MeinVfB by StZ
Freitag um 11.00 Uhr
Die besten Geschichten rund um den VfB Stuttgart, spannende Hintergründe und eine ausführliche Spieltagsvorbereitung direkt aus der Sportredaktion. Mit dem MeinVfB-Newsletter immer auf Ballhöhe!