WFV-Pokal
: Orfanidis erlöst den hohen Favoriten

Dank eines späten Tors gewinnt der Verbandsliga-Aufsteiger Calcio Leinfelden-Echterdingen sein Erstrunden-Pokalspiel in Bernstadt mühsam mit 1:0
Von
Franz Stettmer
Stuttgart
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Der Mann der Entscheidung: Theofilios Jan Orfanidis (links) ersparte Calcio mit seinem Treffer die Verlängerung.

Yavuz Dural

Bernstadt - Der Torhüter Denis Grgic schnauzte seine Vorderleute mit steigendem Blutdruck an. „Keinerlei Bock auf Verlängerung“, hatte der Keeper schon in der Halbzeitpause unwirsch kund getan gehabt. An der Seitenlinie schauten sie derweil immer öfter auf ihre Armbanduhren. Den Fußballern von Calcio Leinfelden-Echterdingen lief die Zeit davon. Sollte im Erstrunden-Pokalspiel beim krassen Außenseiter TSV Bernstadt tatsächlich eine halbe Stunde Zusatzspielzeit vonnöten sein? Ja, zeichnete sich etwa sogar eine Blamage ab?

Orfanidis fasst sich ein Herz

Die Antworten gab schließlich einer der Jüngsten auf dem Platz. 86 Minuten lang hatte sich der Favorit von den Fildern bereits vergeblich abgemüht, als sich Theofilios Jan Orfanidis ein Herz fasste. Der 20-Jährige sah die Lücke und hielt aus gut 20 Metern einfach mal drauf – der Ball schlug wie an der Schnur gezogen im rechten oberen Torwinkel ein. Die Erlösung. Die Entscheidung. Das 1:0 für Calcio. Der Verbandsligist steht damit in der zweiten Runde des Wettbewerbs, in der er am Mittwoch (17.45 Uhr) auswärts auf den TSV Weilimdorf trifft. Also doch noch alles gut?

„Hauptsache weiter. Das ist das, was zählt“, sagte der Kapitän Giuseppe Ricciardi, der in Abwesenheit des verhinderten Trainers Cataldo Diletto die Kommandos gab. „Im Pokal“, konstatierte er, „da haben sich schon ganz andere schwer getan“ – wobei der Routinier aus einer noch recht frischen eigenen Erfahrung sprach. In der vergangenen Saison erst hatte Ricciardi mit seinem damaligen Verein SSV Reutlingen die Cup-Sensation geschafft und dem Zweitligisten Karlsruher SC eine lange Nase gedreht.

Elf Calcio-Spieler fehlen

Dass die jetzige Echterdinger Partie im Hinblick auf den Punktspielstart am nächsten Samstag zuhause gegen den VfB Neckarrems keine wirkliche Aussagekraft haben würde, das war von vornherein klar. Erstens, weil ein Gegner aus der Kreisliga A, so tapfer er sich auch schlug, nicht als Maßstab geeignet war. Zweitens, weil Calcio mit einem Aufgebot ins Rennen ging, bei welchem sich selbst kundigere Beobachter erst einmal orientieren mussten. Vom eigentlichen 19-Mann-Kader fehlten sage und schreibe elf Spieler. Die Gründe: krank, noch ohne Freigabe, im Urlaub – Letzteres traf unter anderen auf die Leistungsträger Denis Berger, Gökhan Gümüssu und Volkan Candan zu. Um dennoch ein Team auf die Beine zu bringen, füllten die Gäste ihre verbliebene Rumpfformation mit sechs Kickern aus der zweiten Mannschaft auf.

Die Folge war eine Startelf, die in dieser Konstellation einmalig bleiben dürfte – und die sich zunächst präsentierte wie eine AH-Truppe auf Wochenendausflug. Auf dem Programm stand Calcio-Standfußball. Während über dem Sportplatz nördlich von Ulm eine vom Kuhdung geschwängerte Landluft wehte, mangelte es dem Gästespiel auf dem Grün an Tempo, Bewegung und Kreativität. So hatte es der mit 22 Beinen in der eigenen Hälfte verteidigende Gegner immer wieder leicht, sich zu formieren. Geschätzte 90 Prozent Echterdinger Ballbesitz gerieten zum Muster ohne Wert.

Pausenansprache vom Kapitän

Besser wurde es aus Sicht von Ricciardi und Co. erst in Durchgang zwei, nachdem der 32-Jährige eine energische Pausenansprache gehalten und mehrere Umstellungen vorgenommen hatte. „Plan B“, nannte es Ricciardi, der fortan mit einer Abwehrdreierkette agieren ließ und die Außenverteidiger Orfanidis und Erdal Baskurt in den Angriff beorderte. Man habe gewusst, „dass der Gegner irgendwann müde wird“.

Allerdings ergab sich nun ein neues Problem: der Ball, er wollte an diesem Tag einfach nicht ins Tor. Mal stand das Pech im Weg, wie bei Shkemb Miftaris fulminantem Schuss an die Querlatte. Mal das eigene Unvermögen. Mal der Bernstädter Torhüter Daniel Reichelt, der mit einer Reihe unkonventioneller Paraden aufwartete. „Ihn haben wir warm geschossen“, bemerkte Ricciardi.

Erst bei Orfanidis’ Versuch war dann auch der Mann im gelben Sweater machtlos. Und erst dann fiel die Anspannung von den Echterdingern ab. Auch von Grgic. War etwas gewesen? Rüffel an die Teamkollegen? Ungehaltene Kommentare aus seinem Tor heraus? Mit dem Abpfiff alles vergessen, inklusive der Tatsache, dass zwischendurch urplötzlich gar der Gegner noch die Riesenchance gehabt hatte, die Begegnung auf links zu drehen. Philipp Wohnhaas war bei einem Konter freistehend an Grgic gescheitert (67.).

Unterm Strich galt: Pflicht erfüllt, abhaken, heimfahren. In den nächsten Wochen warten auf eine sicher andere Calcio-Mannschaft ebenso sicher ganz andere Herausforderungen.

TSV Bernstadt:
Reichelt – Kußmaul, Veith, Zeun, Wittlinger – Jost (54. Schurr), Wohnhaas, Scalera, Grauling (62. Ertle) – Garni – Eckle.

Calcio Leinfelden-Echterdingen:
Grgic – Baskurt, Paurevic, Ege, Orfanidis – Malamidis, Ricciardi – Merkimekci, Miftari, Özkan (70. Ari) – Cosic (89. Temür).