Anleger bleiben skeptisch: Warum steigt die Rheinmetall-Aktie nicht?

Warum steigt die Rheinmetall-Aktie nicht? Hohe Erwartungen, Projektverzögerungen und eine schwache Charttechnik bremsen den Kurs trotz voller Auftragsbücher.
Karolis Kavolelis / Shutterstock.comEigentlich spricht vieles für Rheinmetall. Die Auftragsbücher sind voll, die Verteidigungsausgaben steigen und der Konzern investiert kräftig in neue Kapazitäten. Trotzdem kommt die Aktie nicht nachhaltig nach oben. Anfang September fiel der Kurs erneut deutlich zurück und näherte sich der Marke von 1.000 Euro.
Hohe Erwartungen bremsen den Kurs
Ein Grund liegt in der Bewertung. Viele positive Entwicklungen, wie steigende Rüstungsbudgets, volle Auftragsbücher und milliardenschwere Programme, sind längst bekannt und damit zumindest teilweise eingepreist. Für neue Kursimpulse reichen gute Nachrichten deshalb nicht mehr aus. Anleger wollen sehen, dass sich die starke Nachfrage auch schnell in steigenden Umsätzen, Gewinnen und Cashflows niederschlägt.
F126-Verlust belastet
Ein Rückschlag war der Verlust des Fregattenprojekts F126 an TKMS. Danach senkte Rheinmetall seine Umsatzprognose für 2026. Dabei läuft das operative Geschäft grundsätzlich stark. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz laut den vorliegenden Angaben um rund 70 Prozent, das operative Ergebnis sogar um 115 Prozent. Der Auftragsbestand liegt bei mehr als 80 Milliarden Euro. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Wie schnell kann Rheinmetall diese Aufträge tatsächlich abarbeiten?
Großprojekte brauchen Zeit
Rheinmetall arbeitet an komplexen, langfristigen Projekten. Zwischen Auftrag, Produktion und Ergebniswirkung können Jahre liegen. Auch neue Investitionen sorgen deshalb kurzfristig kaum für höhere Gewinne. In Nordhessen will Rheinmetall mehr als 260 Millionen Euro in einen neuen Defence Hub, Logistikflächen und ein Drohnen-Testzentrum investieren. Das geplante Logistikzentrum soll jedoch erst Ende 2027 den Betrieb aufnehmen. Zusätzlich sorgen Verzögerungen bei Projekten wie Skyranger 30 für Unsicherheit.
Milliardenaufträge noch nicht sicher
Weitere Fantasie liefern mögliche Großaufträge. In den USA kämpft Rheinmetall um ein Projekt zur Erneuerung der Bradley-Flotte mit einem Volumen von mehr als 45 Milliarden US-Dollar. Eine Entscheidung wird aber wohl erst Ende 2027 erwartet. In Deutschland steht zudem das Boxer-Programm „Arminius“ mit einem möglichen Auftragswert von bis zu 40 Milliarden Euro im Raum. Solange diese Projekte nicht vergeben sind, bleiben sie Chancen und keine gesicherten Umsätze.
Chart bleibt angeschlagen
Auch technisch sieht die Aktie schwach aus. Am 5. September beendete Rheinmetall den Xetra-Handel bei 1.033 Euro und verlor 3,48 Prozent. Damit lag der Kurs rund 48 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 1.988,13 Euro. Als wichtige Marken gelten derzeit vor allem die Bereiche um 1.000 Euro sowie darunter etwa 900 bis 940 Euro.
