Börse heute: Warum fällt die Siemens-Aktie?

Die Siemens-Aktie erreicht ein neues Rekordhoch. Erfahren Sie, wie die Partnerschaft mit Nvidia und konkrete Erfolge im Bereich Künstliche Intelligenz den Kurs beflügeln.
HJBC / Shutterstock.comDie Siemens-Aktie fällt am Donnerstag auf 269 Euro und liegt damit rund 7 Prozent im Minus. Der Kursrückgang steht auf den ersten Blick im Gegensatz zu den starken Quartalszahlen. Allerdings hatten Anleger und Analysten offenbar noch höhere Erwartungen an den Ausblick und die Entwicklung im Vergleich zu den Wettbewerbern.
Rekordwerte bei Auftragseingang und Gewinn
Siemens erzielte im dritten Geschäftsquartal Rekordwerte bei Auftragseingang, Auftragsbestand und Gewinn. Der Auftragseingang stieg auf rund 27,9 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand erreichte mit 132 Milliarden Euro ebenfalls einen neuen Höchststand.
Der Gewinn nach Steuern lag bei 2,58 Milliarden Euro und damit rund 16 Prozent über dem Vorjahreswert. Auch der Umsatz legte zu und erreichte knapp 21 Milliarden Euro. Besonders stark entwickelten sich die digitalen Kernsparten des Konzerns.
Gewinnprognose wird angehoben
Siemens erhöhte die Prognose für den Gewinn je Aktie. Erwartet werden nun 11,20 bis 11,50 Euro. Zuvor hatte der Konzern eine Spanne von 10,70 bis 11,10 Euro in Aussicht gestellt. Der Umsatzausblick blieb hingegen unverändert. Siemens rechnet weiterhin mit einem vergleichbaren Wachstum am oberen Ende der Spanne von sechs bis acht Prozent.
Die Anhebung fiel aus Sicht einiger Analysten jedoch nicht kräftig genug aus. Die neue Prognose habe bereits weitgehend dem Marktkonsens entsprochen. Damit lieferte der Ausblick trotz der Erhöhung offenbar keinen ausreichenden positiven Überraschungseffekt.
Anleger nehmen Gewinne mit
Ein weiterer Grund für den Kursrückgang sind Gewinnmitnahmen. Die Siemens-Aktie hatte am Vortag ein Rekordhoch erreicht. Nach dem starken Anstieg nutzten Anleger die guten Quartalszahlen deshalb offenbar, um Gewinne zu realisieren.
Das erklärt, warum eine Aktie auch nach überzeugenden Geschäftszahlen unter Druck geraten kann. Entscheidend ist an der Börse nicht nur, ob ein Unternehmen gute Ergebnisse vorlegt. Ebenso wichtig ist, ob es die Erwartungen der Investoren noch deutlicher übertrifft.
Wettbewerber setzen die Messlatte hoch
Zusätzlichen Druck erzeugt der Vergleich mit Wettbewerbern. Andere Unternehmen hatten laut den vorliegenden Einschätzungen bereits stärkere Wachstumsraten im Geschäft mit Rechenzentren gemeldet. Teilweise war von einem dreistelligen prozentualen Wachstum die Rede.
Siemens profitiert zwar ebenfalls stark vom Ausbau der KI-Infrastruktur. Die Nachfrage im Geschäft mit KI-Rechenzentren entwickelte sich dynamisch, und der Konzern erwartet auch im kommenden Geschäftsjahr eine lebhafte Nachfrage. Im Vergleich mit Wettbewerbern konnte die angehobene Prognose den Markt dennoch nicht vollständig überzeugen.
Smart Infrastructure und Digital Industries wachsen
Besonders positiv entwickelte sich die Sparte Smart Infrastructure. Der Auftragseingang stieg im dritten Quartal deutlich und überschritt erstmals acht Milliarden Euro. Der Umsatz erhöhte sich auf 6,4 Milliarden Euro, während das Spartenergebnis um 19 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zulegte.
Auch Digital Industries erholte sich weiter. Der Auftragseingang stieg auf 4,9 Milliarden Euro, das Softwaregeschäft wuchs um 15 Prozent. Der Spartengewinn erhöhte sich sogar um 44 Prozent auf 923 Millionen Euro.
Das starke operative Geschäft konnte den Kursrutsch jedoch nicht verhindern. Die positiven Nachrichten waren offenbar bereits zu einem großen Teil in der Bewertung der Aktie berücksichtigt.
Healthineers-Abspaltung kommt voran
Siemens machte außerdem Fortschritte bei der geplanten Abspaltung von Siemens Healthineers. Steuerliche Fragen mit den Finanzbehörden seien verbindlich geklärt worden. Die Aktionäre beider Unternehmen sollen im Februar 2027 über die Pläne abstimmen.
Siemens will zunächst 30 Prozent an Healthineers an die eigenen Aktionäre übertragen und die Beteiligung mittelfristig auf eine reine Finanzbeteiligung von 20 Prozent reduzieren. Weitere Einzelheiten sollen mit den Jahreszahlen im November bekanntgegeben werden.
