Börse zum Q4-Auftakt
: Warum fällt der Dax heute?

Der DAX rutscht zum Start in den Oktober deutlich ab und fällt unter die Marke von 25.000 Punkten. Was hinter dem Kursrutsch steckt und welche drei Faktoren Anleger jetzt besonders im Blick haben sollten.
Von
Matthias Kemter
Stuttgart
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Wertpapierbörse in Frankfurt am Main: Die Indizes der Deutschen Börse sind auf einer Anzeigetafel im Handelssaal der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet. (zu dpa: «Dax legt zum Handelsauftakt zu»)

Warum fällt der DAX heute? Inflation, hohe Ölpreise und steigende Anleiherenditen setzen den Leitindex unter Druck. Die wichtigsten Gründe im Überblick.

Arne Dedert/dpa

Der DAX startet mit deutlichen Verlusten in den Oktober. Am Vormittag fiel der deutsche Leitindex erstmals seit Ende Juli wieder unter die Marke von 25.000 Punkten. Gegen 10:30 Uhr notierte er bei rund 24.850 Zählern und damit gut 2,5 Prozent unter dem Schlussstand vom Vortag. Belastet wird der Aktienmarkt vor allem von der wieder deutlich gestiegenen Inflation, hohen Energiepreisen und den hohen Renditen am Anleihemarkt. Bereits am Mittwoch hatte der DAX 0,8 Prozent verloren und bei 25.199 Punkten geschlossen. Damit endete auch der September im Minus. Zum Auftakt des vierten Quartals hat sich der Verkaufsdruck nun noch einmal verstärkt.

Inflation steigt auf 3,3 Prozent

Ein zentraler Grund für die aktuelle DAX-Schwäche ist der überraschend starke Anstieg der Inflation in Deutschland. Im September kletterte die Teuerungsrate auf 3,3 Prozent, nachdem sie im August noch bei 2,9 Prozent gelegen hatte. Damit liegt die Inflation erstmals seit knapp drei Jahren wieder oberhalb von drei Prozent. Vor allem die deutlich gestiegenen Energiepreise treiben die Verbraucherpreise nach oben. Rekordhohe Spritpreise und hohe Dieselkosten erhöhen die Belastung für Verbraucher und Unternehmen. Für die Börse ist diese Entwicklung aus zwei Gründen problematisch: Zum einen dürfte die Konsumlaune durch die höheren Preise gedämpft bleiben. Zum anderen sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik kurzfristig wieder lockert.

Hohe Zinsen und Anleiherenditen belasten Aktien

Zusätzlich unter Druck gerät der DAX durch die hohen Renditen am Anleihemarkt. Die Renditen von US-Staatsanleihen sind zuletzt weiter gestiegen. Für US-Anleihen werden rund 5,3 Prozent genannt. Der höchste Wert seit 24 Jahren. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren demnach mit etwa 3,6 Prozent ebenfalls auf einem hohen Niveau. Hohe Anleiherenditen machen Aktien vergleichsweise weniger attraktiv. Gleichzeitig steigen die Finanzierungskosten für Unternehmen und Staaten. Besonders für Firmen mit hohem Kapitalbedarf ist dieses Umfeld belastend.

Hinzu kommt die Unsicherheit über den weiteren Kurs der Notenbanken. Sowohl die Europäische Zentralbank als auch die US-Notenbank Fed hatten zuletzt die Zinsen angehoben. Zwar fiel die US-Inflation im August schwächer aus als erwartet und die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Fed-Zinserhöhung im Oktober ist gesunken. Eine nachhaltige Entlastung an den Märkten blieb bislang jedoch aus.

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Ölpreise verschärfen die Inflationssorgen

Auch die hohen Ölpreise drücken auf die Stimmung. Ein Fass der Nordseesorte Brent hatte zeitweise mehr als 100 Dollar gekostet. Am Donnerstagmorgen lag der Preis bei 97,69 Dollar je Barrel. US-Rohöl der Sorte WTI wurde mit rund 91,50 Dollar gehandelt. Im Hintergrund steht der Konflikt zwischen den USA und dem Iran. US-Präsident Donald Trump lehnt eine Lockerung der Sanktionen gegen den Iran ab. Solange die Spannungen anhalten und die Ölpreise auf hohem Niveau bleiben, dürften auch die Inflationssorgen an den Märkten nicht verschwinden. Steigende Öl- und Dieselpreise schlagen direkt auf Transport-, Produktions- und Verbraucherpreise durch. Damit wächst zugleich der Druck auf die Notenbanken, die Zinsen länger hoch zu halten.

Schwache Vorgaben aus den USA

Auch von der Wall Street kommen keine klaren positiven Impulse. Der Dow Jones verlor 0,9 Prozent auf 50.906 Punkte, der S&P 500 gab 0,3 Prozent auf 7.651 Punkte nach. Lediglich der Nasdaq konnte um 0,2 Prozent auf 26.861 Punkte zulegen. Auf Monatssicht zeigt sich ebenfalls ein gemischtes Bild: Der Dow verlor 4,3 Prozent, der S&P 500 0,4 Prozent. Der Nasdaq legte dagegen um 1,9 Prozent zu. Technologie- und Chipwerte halten sich damit vergleichsweise besser. Für Aufmerksamkeit sorgte insbesondere Micron. Der Speicherchip-Hersteller meldete ein Rekordquartal und verwies auf eine starke Nachfrage nach Speicherchips.

DAX rund 6,5 Prozent unter dem Allzeithoch

Mit dem Rückgang unter 25.000 Punkte hat sich das Börsenbild beim DAX deutlich eingetrübt. Das Allzeithoch von rund 26.600 Punkten liegt allerdings erst knapp fünf Wochen zurück. Seitdem hat der Leitindex etwa 6,5 Prozent verloren. Kurzfristig spricht das Umfeld nicht für eine schnelle Entspannung. Weder bei den Anleiherenditen noch bei Inflation und Notenbankpolitik zeichnet sich derzeit eine klare Trendwende ab. Entsprechend könnte es für den DAX schwierig werden, die Marke von 25.000 Punkten kurzfristig dauerhaft zurückzuerobern. Eine spätere Erholung im Jahresverlauf ist damit jedoch nicht ausgeschlossen. Entscheidend bleibt, wie sich Inflation, Ölpreise und Anleiherenditen entwickeln.

Darauf kommt es jetzt beim DAX an

Für Anleger stehen derzeit drei Faktoren im Mittelpunkt: die weitere Entwicklung der Energiepreise, die Inflationsdaten und die langfristigen Anleiherenditen. Bleiben Öl und Diesel teuer, dürfte der Inflationsdruck hoch bleiben. Gleichzeitig würden hohe Renditen am Anleihemarkt die Finanzierungskosten weiter belasten und Aktien als Anlageklasse weniger attraktiv machen. Auch die nächste Entscheidung der US-Notenbank bleibt wichtig. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Oktober ist zuletzt gesunken. Ob daraus tatsächlich eine nachhaltige Entlastung für die Börsen entsteht, hängt jedoch vor allem davon ab, ob sich die Inflation abschwächt und die langfristigen Renditen wieder zurückgehen. Aktuell trifft zum Start in das vierte Quartal damit eine ungünstige Kombination auf den DAX: hohe Energiepreise, steigende Inflation, hohe Zinsen und hohe Anleiherenditen.