Energiewende: Grüne Mogelpackung

Die Taxonomie sollte Investitionen in den Bau von Solaranlagen oder Windräder erleichtern. Wegen der Aufnahme von Atomenergie und Gas wird das aber nicht passieren.
picture alliance/dpa/Thomas WarnackDie Taxonomie ist im Kern eine exzellente Idee – wurde aber aus nationalem Egoismus ruiniert. Paris und Berlin wollten unbedingt Atomenergie und Gas als nachhaltig deklariert sehen, und die EU-Kommission ist eingeknickt. Ob der Europäische Gerichtshof diesen fatalen Fehler korrigiert, ist fraglich. Das heißt, dass Investitionen in Atom- und Gaskraftwerke bald unter gewissen Umständen als nachhaltig ausgewiesen werden.
Kleine Reparatur an einem großen Problem
Auch die versprochenen Transparenzvorgaben für Ökofonds machen die Sache nicht besser. So soll ein Finanzanbieter seinen Kunden offenlegen, ob sein Portfolio ausschließlich Aktien und Anleihen von tatsächlich „grünen Unternehmen“ beinhaltet oder auch Papiere von Gas- und Atomfirmen. Das ist nur die Reparatur eines grundsätzlichen Problems. Die Folge wird sein, dass Investoren abspringen, weil die Taxonomie im Grunde eine ökologische Mogelpackung ist. Der erhoffte Effekt, dass schnell wesentlich mehr Geld in grüne Finanzprodukte fließt, wird weitgehend ausbleiben. Zudem ist zu befürchten, dass einige Firmen die Taxonomie zum „Greenwashing“ nutzen – sich also umweltfreundlicher verkaufen, als sie in Wirklichkeit sind.