Expansion in Fellbach: Zusätzliche Halle, mehr Angebote: Mercedes-Benz baut Geschäft mit Oldtimern deutlich aus

Das Mercedes-Benz Classic Center in Fellbach erstreckt sich auf eine Fläche von 18.000 Quadratmetern, unter anderem mit einem Showroom und Werkstattbereichen. Der 300 SL Roadster, gebaut von 1957 bis 1963, zählt mit gebauten 1858 Exemplaren zu den begehrtesten Mercedes-Klassikern.
Mercedes-Benz AG- Mercedes erweitert das Classic Center Fellbach, Werkstattfläche wächst auf fast 10.000 qm.
- Ein Neubau ermöglicht Teileverkauf vor Ort – Starttermin laut Mercedes noch offen.
- Ab 2027 ergänzt Lagerware die Originalteile, aktuell sind über 160.000 Teile verfügbar.
- Elf Gewerke unter einem Dach, neue Lackierkabine und Motorenprüfstand sind hinzugekommen.
- Kienle-Übernahme abgeschlossen, 25 Fachkräfte und Teilelager nach Fellbach verlagert.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Stuttgarter Autobauer Mercedes-Benz baut seine Oldtimer-Aktivitäten am Classic Center in Fellbach kräftig aus. Ein Nachbargrundstück wurde erworben, eine dort vorhandene Halle wird ausgebaut und modernisiert, wie ein Mercedes-Sprecher erläutert. Die Werkstattfläche im Classic Center verdoppele sich dadurch auf nahezu 10.000 Quadratmeter; gewartet, repariert und restauriert werden Kundenfahrzeuge sowie Klassiker aus der konzerneigenen Sammlung. Ein Bruchteil davon ist im Mercedes-Museum zu sehen. Die Gesamtfläche des Classic Centers, die unter anderem einen Showroom beinhaltet, beträgt 18.000 Quadratmeter.
Kunden sollen in der neuen Halle auch einzelne Ersatzteile für ihren Mercedes-Klassiker kaufen können. Ab wann dies möglich ist, steht laut Mercedes noch nicht fest. Aber bereits heute können Kunden im Mercedes-Benz Classic Center Ersatzteile aus dem weltweit verfügbaren Mercedes-Benz Originalteile-Sortiment erwerben. „Ab 2027 soll das Angebot um ausgewählte Teile aus dem Lagerbestand des Classic Centers erweitert werden, die nicht mehr Teil der regulären Ersatzteilversorgung sind“, sagt der Sprecher.
160.000 Original-Ersatzteile im Angebot
„Nach Umbau und Erweiterung ist das Classic Center in Fellbach der weltweit größte Restaurierungs- und Werkstattbetrieb für Fahrzeuge der Marke Mercedes-Benz“, sagt Marcus Breitschwerdt, Chef der Mercedes-Benz Heritage GmbH, in der die Oldtimer-Aktivitäten des Mercedes-Konzerns gebündelt sind. Die Klassik-Abteilung habe dadurch „elf Gewerke, die eine Werksrestaurierung erfordert, unter einem Dach vereint“: Karosseriebau, Lackiererei, Motorenbau und -instandsetzung, Hydraulik, Elektrik und Elektronik, Service, Restaurierung, Rennsport, Metallbau, Sattlerei und Schreinerei. Neu sind unter anderem eine Lackierkabine und ein Motorenprüfstand.
„Im Teileportfolio führen wir mehr als 160.000 Original-Ersatzteile für 57 Baureihen“, sagt Thomas Euchner, Leiter Ersatzteilgeschäft bei der Mercedes-Benz Heritage. Weltweit verantworte das Unternehmen die Versorgung von Fahrzeugen, deren Produktionsende mindestens 15 Jahre zurückliege. Nicht mehr verfügbare Teile könnten als Original-Ersatzteile neu produziert und in den regulären Vertriebsweg aufgenommen werden. „Sie entsprechen den ursprünglichen Originalteilen, können jedoch technisch weiterentwickelt sein“, erläutert Euchner.
Klassik-Chef Breitschwerdt will mit dem umfassenden Angebot auch die Latte für die Wettbewerber weltweit höher legen und den Führungsanspruch im lukrativen Markt für Mercedes-Oldtimer untermauern. „Mit unserem Classic Center wollen wir Maßstäbe setzen, hinter die andere Anbieter nicht zurückfallen können“, sagt er. Dazu gehört unter anderem, Kundenfahrzeuge zu begutachten; dabei wird „mit forensischen Methoden“ ein detailliertes Originalitäts-, aber kein Wertgutachten erstellt. Dokumentiert wird „Zustand und Grad der Originalität“ des Fahrzeugs – für 25.000 Euro.
„Heritage“ ist in Bezug auf die Oldtimeraktivitäten ein Begriff, den Breitschwerdt immer wieder betont. Heritage bedeutet „kulturelles Erbe“, steht aber nach Überzeugung des Managers auch für den Einfluss der (automobilen) Vergangenheit auf die Pläne und Strategien des gesamten Mercedes-Konzerns. „„Beim Blick in den Rückspiegel filtern wir das heraus, was für die Marke Mercedes-Benz auch in Zukunft wichtig ist. Die relevanten Ideen, Werte und Erfahrungen übertragen wir in die strategischen Entscheidungen von morgen“, sagt der Manager, der in den vergangenen Jahrzehnten unterschiedliche Führungspositionen bei Daimler und Mercedes bekleidet hat, darunter die Leitung von Mercedes-Benz Vans. „Pioniergeist, Qualitätsanspruch, zeitloses Design und bei Sicherheit und Performance vorne dran sein“ – das sind laut Breitschwerdt Tugenden, die damals galten und für den Konzern heute gelten.

Die Mercedes-Benz Heritage GmbH mit Marcus Breitschwerdt an der Spitze erzielt jährlich einen Umsatz im dreistelligen Millionenbereich. Im Hintergrund der legendäre Prototyp Mercedes-Benz C111
Mercedes-Benz AGDas Geschäft mit klassischen Fahrzeugen – Verkauf, Restaurierung, Reparatur und Service – müsse sich finanziell selbst tragen, betont der Manager. „Die Mercedes-Benz Heritage GmbH bewahrt und vermittelt das Markenerbe von Mercedes-Benz und verfolgt zugleich klar definierte Umsatz- und Ertragsziele.“ Das Unternehmen „erzielt einen Umsatz im dreistelligen Millionenbereich und arbeitet profitabel“, sagt Breitschwerdt, Jahrgang 1961. Er leitet das Unternehmen seit der Gründung.
Die GmbH mit insgesamt etwa 250 Mitarbeitern ging 2022 an den Start, zuvor waren die Oldtimeraktivitäten keine eigene Sparte wie beispielsweise die Sportwagenschmiede AMG. „Die historischen Aktivitäten von Mercedes-Benz waren lange auf verschiedene Organisationskreise innerhalb des Konzerns verteilt. Heute sind sie in der Mercedes-Benz Heritage GmbH zusammengeführt“, sagt Breitschwerdt. Dazu gehörten das Mercedes-Benz Museum, das Konzernarchiv und die Fahrzeugsammlung mit etwa 1200 Fahrzeugen, die an geheimen Orten in der Region aufbewahrt werden, das Classic Center, das Ersatzteilgeschäft, Veranstaltungen in aller Welt sowie die weltweite Betreuung der anerkannten Markenclubs.
Strategische Zukäufe sollen zum Wachstum beitragen. Mit dem Kienle-Deal hat das Classic Center nach eigenen Angaben seine Kapazitäten deutlich erweitert: Mercedes hatte zum 1. Februar 2024 das Unternehmen des im April 2025 verstorbenen Oldtimer-Händlers Klaus Kienle gekauft. Der Betrieb mit Sitz in Ditzingen-Heimerdingen war insolvent; Mercedes hat Werkstatt-Mitarbeiter, das komplette Material- und Ersatzteillager, Spezialwerkzeuge und den Kundenstamm des über Jahrzehnte in der Oldtimer-Szene bekannten und vernetzten Händlers übernommen. Dieser war ins Zwielicht geraten: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart und das Landeskriminalamt hatten seit Frühjahr 2023 gegen Klaus Kienle ermittelt wegen des Verdachts auf gewerbsmäßigen Betrug beim Handel mit gefälschten Oldtimern. Kienle bestritt die Vorwürfe stets. Ermittelt wird auch gegen andere Inhaber der Firma.
Die von Kienle übernommenen 25 Fachkräfte stammen „aus produktiven Bereichen – also aus Gewerken, die für Restaurierung, Reparatur und Service klassischer Mercedes‑Benz Fahrzeuge erforderlich sind“, wie der Mercedes-Sprecher sagt. Mehr als 60 Beschäftigte arbeiteten nun insgesamt in Fellbach in den Bereichen Werkstatt, Fahrzeughandel sowie Ersatzteilberatung und -verkauf. Auch alle Ersatzteile, die bei Kienle in Heimerdingen in Regalen auf mehreren 100 Quadratmetern Fläche gelagert worden seien, wurden erfasst, durchsortiert und zusammen mit Werkzeugen nach Fellbach gebracht. Mercedes-Benz Heritage hat damit die Aktivitäten aus Ditzingen-Heimerdingen komplett abgezogen und nach Fellbach überführt. „Der Kienle-Zukauf ist abgeschlossen“, sagt Breitschwerdt.







