Extreme Wetterereignisse
: Klima-Anpassung kostet – Nichtstun kostet noch viel mehr

Hitzewellen, Dürren und Überschwemmungen haben im Sommer 2025 rund ein Viertel der EU-Regionen betroffen. Die wirtschaftlichen Folgen sind gigantisch, wie eine nuee Studie der Universität Mannheim zeigt.
Von
Markus Brauer
Stuttgart
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Entnadelte und braun gewordene Bäume stehen in der Nähe von Löhma in Thüringen.

IMAGO/photo2000

Extreme Wetterereignisse beeinflussen nicht nur das tägliche Leben, sie hinterlassen auch tiefe wirtschaftliche Spuren. Eine neue Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift „European Economic Review“, zeigt erstmals anhand von aktuellen Wetterdaten und historischen Vergleichswerten, wie stark einzelne Regionen in der Europäischen Union bereits heute von den Folgen des Klimawandels betroffen sind.

Schäden möglichst zeitnah beziffern

Ziel der Studie war es, die gesamtwirtschaftlichen Verluste durch Hitze, Trockenheit und Überschwemmungen möglichst zeitnah zu beziffern. Die Autoren um Sehrish Usman von der Universität Mannheim zeigen, wie stark Wetterextreme nicht nur direkt, sondern auch über längere Zeiträume hinweg Volkswirtschaften beeinträchtigen können.

„Die tatsächlichen Kosten extremer Wetterereignisse werden erst nach und nach sichtbar, da diese Ereignisse das Leben und den Lebensunterhalt der Menschen über eine Vielzahl von Kanälen beeinflussen, die über die unmittelbaren Auswirkungen hinausgehen“, betont Usman.

Überschwemmungen während der Sommermonate gehjören in weiten Teilen Europas inzwischen zum Alltag (Archivbild).

Foto: Imago/Agencia EFE

Offizielle Schätzungen der Auswirkungen erfolgten oft mit Verzögerung. Das neue Konzept nutzt demgegenüber aktuelle Wetterdaten und neu veröffentlichte Erkenntnisse zu regionalen Auswirkungen, „um zeitnahe Schätzungen darüber zu liefern, wie sich die Extremereignisse im Sommer 2025 auf die Wirtschaftstätigkeit ausgewirkt haben“, so Usman.

Südeuropa besonders betroffen

Die Studie basiert auf Wetterdaten für den Zeitraum Juni bis August 2025. Anhand dieser Daten wurden 1160 europäische Regionen („NUTS3“, vergleichbar mit Landkreisen in Deutschland) untersucht:

  • Besonders stark betroffen waren Regionen in Südeuropa, etwa in Spanien, Italien, Portugal, Griechenland und Südfrankreich.
  • Nördliche Länder, wie Dänemark, Schweden und Deutschland weisen relativ geringere Schäden auf, aber die Häufigkeit und das Ausmaß extremer Wetterereignisse, insbesondere Überschwemmungen, nehmen in diesen Regionen zu.
  • Kleinere Volkswirtschaften wie Bulgarien, Malta und Zypern sind besonders anfällig und erleiden im Verhältnis zur Bruttowertschöpfung große Verluste.
  • Insgesamt waren 96 Regionen von Hitzewellen, 195 von Dürre und 53 von Überschwemmungen betroffen.
  • Kosten des Klimawandels

    Foto: dpa-Infografik

    Folgen von Hitze , Dürre und Überschwemmungen

    Alle drei Ereignisarten beeinträchtigen die wirtschaftliche Aktivität auf unterschiedliche Weise:

  • Hitze führt zu Produktivitätsverlusten, etwa im Bau- und Gastgewerbe.
  • Dürren treffen vor allem die Landwirtschaft.
  • Überschwemmungen verursachen direkte Schäden an Infrastruktur und Gebäuden, aber auch mittelbare Verluste, etwa durch unterbrochene Lieferketten.
  • Diese wirtschaftlichen Verluste sind deutlich messbar:

  • In Italien lagen beispielsweise die geschätzten Einbußen bei 11,9 Milliarden Euro für 2025 und werden bis 2029 bei 34,2 Milliarden Euro liegen. Das entspricht 0,6 bzw. 1,75 Prozent der italienischen Wirtschaftsleistung des Jahres 2024.
  • In Frankreich beliefen sich die Schäden auf 10,1 Milliarden Euro (2025) und werden auf 33,9 Milliarden Euro im Jahr 2029 geschätzt.
  • Sonnenaufgang am Braunkohle-Kraftwerk Niederauem in Bergheim, Nordrhein-Westfalen.

    Foto: Imago/Wienold

    Warum die tatsächlichen Schäden noch höher liegen könnten

    Die Forscher betonen, dass ihre Berechnungen eher konservativ sind: Waldbrände, Hagel oder Sturmereignisse wurden in der Analyse nicht berücksichtigt. Auch sogenannte Verbundereignisse – also das gleichzeitige Auftreten von Hitzewellen und Dürren – wurden einzeln bewertet. obwohl sie gemeinsam oft schwerere Schäden verursachen.

    Trockener Ackerboden in Niedersachsen.

    Foto: Imago/Martin Wagner

    Klima-Anpassung kostet – Nichtstun kostet mehr

    Die Studie macht deutlich: Extreme Wetterereignisse sind keine weit entfernte Bedrohung mehr. Sie beeinflussen bereits heute die wirtschaftliche Entwicklung in Europa.

    „Durch zeitnahe Abschätzungen der Auswirkungen können politische Entscheidungsträger ihre Unterstützung gezielt einsetzen und Strategien anpassen, während sich die Folgen extremer Ereignisse noch entfalten“, betont Usman. Die Forscher plädieren daher für eine verstärkte Investition in Klimaanpassungen, wie etwa Hitzeschutz in Städten oder verbesserte Wasserbewirtschaftung.

    Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass Anpassungsmaßnahmen selbst hohe Kosten verursachen und nicht immer die produktivste Verwendung öffentlicher Mittel darstellen. Es brauche daher genauere wirtschaftliche Analysen, um politische Maßnahmen effektiv und sozial gerecht zu gestalten.

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