EZB-Chefin
: Warum tritt Christine Lagarde zurück? – Das steckt dahinter

Christine Lagarde verlässt die Europäische Zentralbank früher als geplant. Ihr Rücktritt hängt offenbar mit der bevorstehenden Präsidentschaftswahl in Frankreich zusammen. Auch über einen möglichen neuen Job wird spekuliert.
Von
Matthias Kemter
Stuttgart
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EZB-Ratssitzung mit Zinsentscheidung: ARCHIV - 24.07.2025, Hessen, Frankfurt/Main: Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), spricht während der Pressekonferenz in der EZB-Zentrale. (zu dpa: «Krise in Paris: Wird Frankreich zum Risiko für die Eurozone?») Foto: Arne Dedert/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

EZB-Chefin Christine Lagarde tritt im Februar 2027 zurück. Warum sie ihr Amt vorzeitig aufgibt, was dahintersteckt und wer ihr Nachfolger werden könnte.

Arne Dedert/dpa

Christine Lagarde tritt als Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) zurück. Die 70-Jährige wird ihr Amt am 7. Februar 2027 niederlegen, wie die EZB am Donnerstag (29. Oktober) mitteilte. Eigentlich wäre ihre achtjährige Amtszeit erst Ende Oktober 2027 ausgelaufen. Seit November 2019 steht die Französin an der Spitze der Notenbank. Über einen vorzeitigen Rückzug wurde bereits seit Monaten spekuliert. Doch warum gibt Lagarde ihren einflussreichen Posten rund acht Monate früher auf?

Warum tritt Christine Lagarde als EZB-Chefin zurück?

Als wesentlicher Hintergrund gilt die bevorstehende Präsidentschaftswahl in Frankreich im Frühjahr 2027. Präsident Emmanuel Macron darf nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten. Befürchtet wird, dass eurokritische Kräfte um die Rechtspopulistin Marine Le Pen die Wahl gewinnen und die Neubesetzung der EZB-Spitze erschweren könnten. Durch Lagardes vorzeitigen Rücktritt können die europäischen Staats- und Regierungschefs bereits vor der Wahl über ihre Nachfolge entscheiden. Damit könnten Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) noch an der Entscheidung mitwirken. Ein weiterer möglicher Grund ist Lagardes Wunsch nach mehr politischer Freiheit. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eine vertraute Quelle berichtete, wolle sich die Französin künftig freier zu politischen Themen äußern können.

Was macht Christine Lagarde nach ihrem Rücktritt?

Über Lagardes berufliche Zukunft wird bereits spekuliert. So könnte die 70-Jährige möglicherweise zum Weltwirtschaftsforum in Davos wechseln. Bestätigt ist das allerdings nicht. Vor ihrer Zeit bei der EZB leitete Lagarde den Internationalen Währungsfonds (IWF). Ihre Amtszeit als EZB-Präsidentin war unter anderem von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie und der hohen Inflation geprägt. Auf die Preissteigerungen reagierte die Notenbank mit kräftigen Zinserhöhungen.

Wer wird Nachfolger von Christine Lagarde?

Als aussichtsreiche Kandidaten gelten der frühere niederländische Zentralbankchef Klaas Knot und der Spanier Pablo Hernández de Cos, der derzeit die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich leitet. Auch Bundesbankpräsident Joachim Nagel hat Interesse angemeldet. Seine Chancen gelten allerdings als begrenzt, da mit Ursula von der Leyen bereits eine Deutsche an der Spitze der EU-Kommission steht. EU-Ratspräsident António Costa kündigte an, das Nachfolgeverfahren noch am Donnerstag einzuleiten. Auch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) sprach sich für eine schnelle Entscheidung aus. Wer die EZB ab Februar 2027 führen wird, ist damit noch offen. Gleiches gilt für Lagardes persönliche Zukunft nach ihrem vorzeitigen Abschied.