Gold auf Talfahrt: Warum fällt der Goldpreis? – Das steckt dahinter

Hohe Inflation, Zinssorgen und der KI-Ausverkauf belasten Gold. Erfahren Sie, wie es mit dem Goldpreis weitergehen könnte.
Uli Deck/dpaEin wesentlicher Grund für den Preisverfall ist die Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Die Inflation in den USA bleibt hoch. Der von der Fed besonders beachtete PCE-Preisindex stieg im September um 0,5 Prozent gegenüber dem Vormonat. Im Jahresvergleich lag die Teuerungsrate bei 3,6 Prozent und damit deutlich über dem Inflationsziel von zwei Prozent. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen. Zwar ließ die Fed ihren Leitzins zuletzt unverändert, laut CME FedWatch Tool rechnen die Märkte aber mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 75 Prozent mit einer Zinserhöhung im Dezember. Für Gold ist das eine schlechte Nachricht. Da das Edelmetall keine laufenden Zinsen abwirft, werden verzinste Anlagen bei steigenden Zinsen attraktiver. Das kann die Nachfrage nach Gold schwächen.
KI-Ausverkauf und hohe Ölpreise belasten Gold
Zusätzlichen Druck verursacht der Ausverkauf bei Technologieaktien. Enttäuschende Quartalszahlen großer Tech-Konzerne und Zweifel an der Rentabilität milliardenschwerer KI-Investitionen haben eine Verkaufswelle ausgelöst. Um Verluste bei Aktien auszugleichen oder Liquidität zu beschaffen, verkaufen Anleger teilweise auch Gold. Sollte sich der Ausverkauf an der Wall Street fortsetzen, drohen weitere liquiditätsgetriebenen Verkäufe. Auch die hohen Ölpreise belasten den Goldpreis indirekt. Die angespannte Lage zwischen den USA und dem Iran hatte den Preis für Brent-Rohöl am Freitag auf 112,70 Dollar je Barrel steigen lassen. Teure Energie verstärkt den Inflationsdruck und könnte die Fed zu weiteren Zinserhöhungen bewegen. Am Montag sorgten neue diplomatische Bemühungen im Iran-Konflikt allerdings für Entspannung. Die Ölpreise fielen um mehr als drei Prozent, was auch dem Goldpreis etwas Unterstützung verschaffte.
Wie tief kann der Goldpreis noch fallen?
Der jüngste Kursrutsch hat das charttechnische Bild deutlich verschlechtert. Am Freitag fiel Gold zeitweise auf 3.870 Dollar und erreichte damit ein neues 52-Wochen-Tief. Allein im Oktober verlor das Edelmetall rund fünf Prozent. Die zuvor wichtige Unterstützungszone zwischen 3.960 und 3.942 Dollar wurde damit unterschritten. Auch Experten sehen weitere Abwärtsrisiken. Yuxuan Tang von JPMorgan Private Bank geht laut Bloomberg von zusätzlichen Zinserhöhungen im Dezember und im ersten Quartal 2027 aus. Ein stabiler Boden beim Goldpreis könnte sich seiner Einschätzung nach erst bilden, wenn die Zinsen ihren Höhepunkt erreicht haben. Ein positives Signal wäre dagegen die Rückeroberung der 50-Tage-Linie bei rund 4.240 Dollar. Davon ist Gold derzeit noch deutlich entfernt.
Goldpreis startet mit leichter Erholung in die Woche
Nach den kräftigen Verlusten vom Freitag konnte sich der Goldpreis am Montagmorgen etwas erholen. Gegen 7:30 Uhr MEZ notierte der Dezember-Future bei rund 3.917 Dollar je Feinunze und damit 18,10 Dollar höher. Unterstützung lieferten die sinkenden Ölpreise und Käufe langfristig orientierter Anleger. Nach dem starken Ausverkauf erscheint zudem eine technische Gegenbewegung zunehmend wahrscheinlich.
