Historischer Kurssturz
: Warum ist die Google-Aktie abgestürzt? - Darum werden Anleger jetzt nervös

Die Google-Aktie ist um 12,6 Prozent eingebrochen und hat fast 500 Milliarden US-Dollar an Börsenwert verloren. Was dahinter steckt.
Von
Matthias Kemter
Stuttgart
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ARCHIV - 16.08.2022, Nordrhein-Westfalen, Köln: Ein Schriftzug mit dem Logo von Google klebt im Pressezentrum der Koelnmesse auf einer Glasscheibe. Die Aktie der Google-Mutter Alphabet verlor im nachbörslichen Handel am Dienstag zeitweise mehr als vier Prozent. (zu dpa «Google-Konzern Alphabet enttäuscht Börse mit Cloud-Umsatz») Foto: Rolf Vennenbernd/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Warum ist die Google-Aktie abgestürzt? Alphabet verliert fast 500 Milliarden Dollar an Börsenwert. Die Gründe für den historischen Kurssturz im Überblick.

Rolf Vennenbernd

Für Alphabet-Aktionäre war die letzte Woche eine Belastungsprobe. Die Google-Aktie brach um 12,6 Prozent ein und verzeichnete damit den größten Tagesverlust ihrer Geschichte. Rund 500 Milliarden US-Dollar an Börsenwert wurden vernichtet. Der Donnerstag war der zweitgrößte Tagesverlust eines Unternehmens an der Wall Street, übertroffen nur vom Einbruch des Chipkonzerns Nvidia im Januar 2025. Auslöser waren die Quartalszahlen für das dritte Quartal 2026. Zwar steigerte Alphabet seinen Umsatz um 25 Prozent auf 127,6 Milliarden Dollar, blieb damit aber unter den Erwartungen von 128,2 Milliarden Dollar. Gleichzeitig sank der Nettogewinn um rund ein Viertel auf 26,2 Milliarden Dollar.

Warum ist die Google-Aktie abgestürzt? Werbegeschäft schwächelt

Besonders kritisch sehen Anleger die Entwicklung der Google-Suche. Das Geschäft mit Suchmaschinenwerbung zählt weiterhin zu den wichtigsten Einnahmequellen des Konzerns, verliert allerdings zunehmend an Wachstumstempo. Während die Werbeerlöse im ersten Quartal noch um 19 Prozent und im zweiten um 17 Prozent zulegten, betrug das Wachstum zuletzt nur noch zwölf Prozent. Mit 63,35 Milliarden Dollar blieb der Umsatz zudem hinter den Analystenerwartungen zurück. Ein wesentlicher Grund dafür könnte Künstliche Intelligenz sein. Immer mehr Nutzer greifen auf KI-generierte Antworten zurück, statt klassische Suchergebnisse anzuklicken. Für Google entsteht dadurch ein Problem. Werbung innerhalb von KI-Übersichten bringt bislang weniger Geld ein als herkömmliche Suchanzeigen. Obwohl die Zahl der Google-Suchanfragen laut Konzern so schnell wächst wie seit fünf Jahren nicht mehr, entwickelt sich der Umsatz deutlich langsamer. Zusätzlich erhöhen Konkurrenten wie ChatGPT und Claude den Druck.

Milliardeninvestitionen in KI belasten Alphabet

Neben dem schwächeren Werbewachstum sorgen die enormen KI-Ausgaben für Unsicherheit. Allein im dritten Quartal investierte Alphabet 51,4 Milliarden Dollar in Infrastruktur wie Rechenzentren und Chips. Für das Gesamtjahr 2026 sind Investitionen zwischen 195 und 205 Milliarden Dollar geplant. Diese Ausgaben belasten die Finanzlage. Der freie Cashflow rutschte im dritten Quartal auf minus 9,1 Milliarden Dollar ab. Im Vorjahresquartal hatte der Konzern noch deutlich mehr finanzielle Mittel zur Verfügung. Zwar erwirtschaftete Alphabet weiterhin einen operativen Cashflow von 42,3 Milliarden Dollar. Anleger befürchten jedoch, dass die Investitionen längerfristig hohe Kosten verursachen, ohne schnell genug entsprechende Gewinne einzubringen.

Google Cloud wächst trotz Aktiencrash rasant

Dabei gibt es durchaus positive Entwicklungen. Besonders das Cloud-Geschäft konnte überzeugen. Google Cloud steigerte seinen Umsatz im dritten Quartal um 103 Prozent auf 30,7 Milliarden Dollar und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Der operative Gewinn verdreifachte sich auf 11,1 Milliarden Dollar. Gleichzeitig verbesserte sich die operative Marge von rund 24 auf 36,2 Prozent. Auch der Auftragsbestand ist beachtlich. Ende September verfügte Google Cloud über vertraglich zugesicherte, aber noch nicht realisierte Umsätze von rund 560,8 Milliarden Dollar. Ein erheblicher Teil soll innerhalb der kommenden zwei Jahre umgesetzt werden. Allerdings bleibt abzuwarten, wie profitabel diese Aufträge tatsächlich sind. Der Ausbau der benötigten Rechenzentren verursacht schließlich erhebliche Kosten.

Ist die Google-Aktie nach dem Absturz ein Schnäppchen?

Der massive Kursverlust hat die Bewertung von Alphabet deutlich reduziert. Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) wird die Aktie laut Yahoo Finance AlphaSpace inzwischen so günstig gehandelt wie zuletzt 2012. Auf Basis der erwarteten Gewinne für 2027 liegt das KGV bei rund 18,5. Angesichts des starken Wachstums im Cloud-Geschäft könnte dies für langfristig orientierte Anleger eine interessante Einstiegsmöglichkeit darstellen. Allerdings ist eine niedrige Bewertung allein kein Kaufargument. Entscheidend wird sein, ob Alphabet seine KI-Investitionen künftig in steigende Gewinne und einen positiven freien Cashflow umwandeln kann.

Wie geht es für die Google-Aktie weiter?

Der historische Absturz zeigt, dass Anleger die hohen Ausgaben für Künstliche Intelligenz zunehmend kritisch betrachten. Starkes Umsatzwachstum reicht nicht mehr aus, wenn gleichzeitig Gewinne sinken und Milliardeninvestitionen die freien Mittel aufzehren. Für Alphabet hängt nun viel davon ab, ob Google mit KI-gestützter Suche langfristig ähnlich hohe Werbeeinnahmen erzielen kann wie bisher. Gleichzeitig muss sich zeigen, ob das boomende Cloud-Geschäft die gewaltigen Investitionen rechtfertigt. Der Kurssturz könnte sich rückblickend als Kaufgelegenheit erweisen. Solange jedoch unklar bleibt, wann sich die KI-Ausgaben nachhaltig auszahlen, dürfte die Google-Aktie weiterhin unter Druck stehen.