Hohe Preise bei Benzin und Diesel
: Warum ist der Sprit in Deutschland so teuer?

Im europäischen Vergleich gehört die Bundesrepublik zu den teuersten Ländern für Autofahrer. Doch warum kostet der Kraftstoff hier so viel?
Von
Lukas Böhl
Berlin
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Spritpreise

Deutschland ist im EU-Vergleich das drittteuerste Land, wenn es um Benzin und Diesel geht.

Bodo Marks/dpa

Die Erklärung liegt nicht allein beim Ölpreis. Steuern und Abgaben spielen eine wichtige Rolle – daneben beeinflussen aber auch Weltmarktpreise, Raffinerien, Logistik und Wettbewerb den Preis an der Zapfsäule.

Ein Blick auf die europäischen Zahlen macht die Dimension deutlich. Nach den von fuel-prices.eu aufbereiteten Daten des „Weekly Oil Bulletin“ der EU-Kommission kostete ein Liter Euro 95 in Deutschland in der Woche vom 7. September 2026 im Durchschnitt 2,331 Euro, Diesel 2,328 Euro. Im Durchschnitt der 27 EU-Staaten waren es dagegen 1,910 Euro für Benzin und 2,030 Euro für Diesel. Deutschland lag damit bei Benzin rund 42 Cent beziehungsweise 22 Prozent und bei Diesel knapp 30 Cent beziehungsweise 15 Prozent über dem EU-Mittel.

Beim Benzin war Deutschland zu diesem Zeitpunkt sogar das drittteuerste Land der EU. Nur in den Niederlanden mit 2,466 Euro und in Dänemark mit 2,632 Euro war Euro 95 noch teurer. Beim Diesel belegte Deutschland den vierten Platz unter den teuersten Staaten; höhere Preise gab es in Dänemark, den Niederlanden und Finnland.

Mehr als jeder zweite Euro kann auf Steuern und Abgaben entfallen

Wer in Deutschland tankt, bezahlt nicht nur für Rohöl, Raffinerie, Transport und den Betrieb der Tankstelle. Ein erheblicher Teil des Preises besteht aus Steuern und staatlich veranlassten Abgaben. Beim Benzin lag dieser Anteil nach Berechnungen des ADAC im Juli 2026 bei durchschnittlich rund 57 Prozent, beim Diesel bei rund 47 Prozent. Vereinfacht gesagt: Von 100 Euro, die ein Autofahrer für Benzin bezahlt, entfielen zu diesem Zeitpunkt rund 57 Euro auf Steuern und Abgaben.

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Drei Bestandteile sind dabei besonders wichtig: Energiesteuer, CO₂-Abgabe und Mehrwertsteuer.

Allein die Energiesteuer beträgt seit dem 1. Juli 2026 wieder 65,45 Cent je Liter Benzin und 47,04 Cent je Liter Diesel. Bei einer Tankfüllung von 50 Litern sind das bereits 32,73 Euro Energiesteuer bei Benzin beziehungsweise 23,52 Euro bei Diesel – noch bevor die übrigen Preisbestandteile betrachtet werden.

Hinzu kommt der nationale CO₂-Preis. Für 2026 werden die Emissionszertifikate innerhalb eines gesetzlich festgelegten Korridors von 55 bis 65 Euro je Tonne CO₂ versteigert. Nach Berechnungen des ADAC verteuert die CO₂-Bepreisung einen Liter Benzin dadurch gegenüber einem Preis ohne diese Abgabe um etwa 15,7 bis 18,6 Cent, einen Liter Diesel um rund 17,3 bis 20,5 Cent.

Und damit ist es noch nicht getan: Auf den Verkaufspreis kommen zusätzlich 19 Prozent Mehrwertsteuer. Wichtig dabei ist: Die Mehrwertsteuer wird auf den gesamten steuerpflichtigen Preis erhoben. Deshalb sinkt beispielsweise auch die Mehrwertsteuerbelastung, wenn die Energiesteuer reduziert wird – genau dieser Effekt war bei der zeitweisen Energiesteuersenkung im Mai und Juni 2026 zu beobachten.

Wie groß dieser Posten ist, zeigt der aktuelle Preis von rund 2,33 Euro je Liter: Darin stecken allein ungefähr 37 Cent Mehrwertsteuer pro Liter. Bei 50 Litern sind das etwa 18,60 Euro Mehrwertsteuer.

Damit wird deutlich, warum der reine Rohölpreis nur einen Teil der deutschen Zapfsäulenpreise erklärt. Beim Benzin ist die Energiesteuer mit 65,45 Cent pro Liter ein fester Sockel. Dazu kommen die CO₂-Kosten und schließlich die Mehrwertsteuer. Selbst wenn Rohöl und Raffinerieprodukte günstiger werden, verschwinden diese staatlich bestimmten Preisbestandteile nicht.

Was bei einer Tankfüllung zusammenkommt

Bei 50 Litern Benzin fallen allein 32,73 Euro Energiesteuer an. Die CO₂-Bepreisung verteuert diese Menge 2026 gegenüber einem Preis ohne CO₂-Abgabe um grob 7,85 bis 9,30 Euro brutto. Bei einem Literpreis von rund 2,33 Euro enthält die 50-Liter-Rechnung außerdem etwa 18,60 Euro Mehrwertsteuer. Die Beträge lassen sich allerdings nicht einfach vollständig addieren, da in den vom ADAC genannten Bruttokosten des CO₂-Preises bereits Umsatzsteuer enthalten ist.

Der hohe staatliche Anteil ist deshalb einer der wesentlichen Gründe dafür, dass Deutschland im europäischen Vergleich zu den Ländern mit besonders hohen Kraftstoffpreisen gehört. Die Unterschiede zwischen den EU-Staaten entstehen nicht nur durch verschiedene Einkaufs- und Transportkosten, sondern vor allem auch dadurch, wie stark die einzelnen Staaten Benzin und Diesel besteuern und mit zusätzlichen Abgaben belasten. Der ADAC nennt die niedrigeren Steuern und Abgaben ausdrücklich als einen wichtigen Grund dafür, dass Kraftstoffe in zahlreichen europäischen Ländern günstiger sind als in Deutschland.

Der Ölpreis allein erklärt den Spritpreis nicht

Trotzdem wäre es zu einfach, die hohen Preise nur dem Staat zuzuschreiben. Der zweite große Block besteht aus dem eigentlichen Produktpreis. Dazu gehören der Einkauf von Rohöl beziehungsweise bereits verarbeiteten Mineralölprodukten, Raffineriekosten, Transport, Lagerung, Vertrieb und die Margen der beteiligten Unternehmen.

Dabei ist für Autofahrer nicht allein entscheidend, wie viel ein Barrel Rohöl kostet. Rohöl wird international überwiegend in US-Dollar gehandelt. Auch der Wechselkurs des Euro spielt deshalb eine Rolle. Hinzu kommen Angebot und Nachfrage nach fertigem Benzin und Diesel, verfügbare Raffineriekapazitäten, Transportkosten und geopolitische Krisen.

Gerade 2026 war dieser Effekt deutlich zu beobachten. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums stiegen die Kraftstoffpreise seit Ende Februar infolge der internationalen Krise sprunghaft. Die Bundesregierung senkte deshalb vom 1. Mai bis 30. Juni 2026 die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um jeweils 14,04 Cent pro Liter. Zusammen mit dem Effekt auf die Mehrwertsteuer sollte die Entlastung rund 17 Cent je Liter erreichen. Seit dem 1. Juli gelten wieder die regulären Energiesteuersätze.

Auch die EU-Daten zeigen den kräftigen Anstieg: Gegenüber der entsprechenden Woche des Vorjahres lag der deutsche Durchschnittspreis für Euro 95 Anfang September 2026 rund 36 Prozent höher, bei Diesel sogar knapp 48 Prozent.

Auch Wettbewerb und Raffinerien spielen eine Rolle

Ein weiterer Punkt ist die Struktur des deutschen Kraftstoffmarktes. Das Bundeskartellamt kam in seiner 2025 abgeschlossenen Untersuchung von Raffinerien und Kraftstoffgroßhandel zu dem Ergebnis, dass die Wettbewerbsbedingungen in Teilen des Marktes schwierig sind. Wegen hoher Transportkosten und begrenzter Kapazitäten sei es für Händler häufig unwirtschaftlich, Kraftstoff über größere Entfernungen zu beziehen. Regional gebe es deshalb teilweise nur wenige relevante Anbieter.

Das bedeutet nicht automatisch, dass hohe Tankstellenpreise auf unzulässige Absprachen zurückzuführen sind. Das Bundeskartellamt weist ausdrücklich darauf hin, dass ähnliche Preise verschiedener Tankstellen für sich genommen kein Beleg dafür sind. Allerdings können begrenzte Beschaffungsalternativen und regionale Marktstrukturen beeinflussen, wie schnell Veränderungen auf den Weltmärkten bei den Verbrauchern ankommen.

Warum ist Deutschland also so teuer?

Die Antwort besteht aus mehreren Teilen. Deutschland belastet Benzin und Diesel vergleichsweise stark mit Energiesteuer, CO₂-Kosten und Mehrwertsteuer. Gleichzeitig treffen diese festen beziehungsweise politisch bestimmten Preisbestandteile auf einen aktuell hohen Weltmarktpreis für Kraftstoffe. Dazu kommen Raffinerie-, Logistik- und Vertriebskosten sowie Unterschiede im regionalen Wettbewerb.

Der Vergleich mit den anderen EU-Staaten zeigt deshalb zweierlei: Hohe Spritpreise sind derzeit ein europäisches Phänomen – der EU-Durchschnitt lag Anfang September selbst bei 1,91 Euro für Benzin und 2,03 Euro für Diesel. Deutschland liegt allerdings noch einmal deutlich darüber. Während Autofahrer in Malta, Tschechien, Polen oder Luxemburg erheblich günstiger tankten, gehörte Deutschland gemeinsam mit Dänemark, den Niederlanden und Finnland zur teuersten Gruppe innerhalb der Europäischen Union.

Dass Sprit in Deutschland teuer ist, hat somit nicht den einen Grund. Hohe Steuern und Abgaben erklären einen erheblichen Teil des Preisabstands. Wie teuer der Liter am Ende tatsächlich wird, bestimmen aber ebenso Weltmarkt, Wechselkurse, Raffinerien, Logistik und die Wettbewerbssituation.