Hohe Spritpreise
: Werden Benzin und Diesel noch teurer?

Die hohen Spritpreise belasten Autofahrer nach wie vor. Wird das Tanken bald noch teurer?
Von
Lukas Böhl
Berlin
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Tanken - Diesel

Wie hoch klettern die Preise noch?

Jan Woitas/dpa

Am 12. September kostete ein Liter Super in Deutschland im Durchschnitt rund 2,31 Euro, Diesel etwa 2,37 Euro. Vor Beginn des Iran-Kriegs waren es noch ungefähr 1,83 Euro für Super und 1,75 Euro für Diesel. Doch ein Ende der Preisanstiege scheint nicht in Sicht zu sein.

Warum könnten die Preise noch weiter steigen?

Der wichtigste Grund liegt momentan nicht in Deutschland, sondern im Nahen Osten.

Aus der Region kommt ein großer Teil des weltweit gehandelten Öls. Durch den Krieg und Probleme auf wichtigen Transportwegen gelangt derzeit deutlich weniger davon auf den Weltmarkt. Gleichzeitig sind die weltweiten Vorräte bereits stark geschrumpft.

Nach Angaben der Internationalen Energieagentur IEA sind die Ölreserven seit Februar um insgesamt 507 Millionen Barrel gesunken. Allein im August gingen weitere 95 Millionen Barrel verloren. Gleichzeitig lag die weltweite Ölförderung im August 1,6 Millionen Barrel pro Tag niedriger als noch im Vormonat.

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Vereinfacht gesagt: Es ist weniger Öl verfügbar und gleichzeitig gibt es weniger Reserven, auf die im Notfall zurückgegriffen werden kann.

Bleibt diese Situation bestehen oder verschärft sie sich sogar, kann Öl noch teurer werden. Und steigende Ölpreise kommen früher oder später auch an deutschen Tankstellen an.

Vor allem bei Diesel besteht noch Preisrisiko

Besonders angespannt ist die Situation bei Diesel.

Das liegt daran, dass nicht nur Rohöl knapp ist. Auch die Menge an bereits verarbeitetem Diesel, die international gehandelt wird, ist deutlich zurückgegangen.

Die Golfstaaten exportierten im August nur noch rund ein Viertel so viel Diesel und ähnliche Kraftstoffe wie vor dem Krieg. Gleichzeitig wurde auch die russische Produktion durch Angriffe beeinträchtigt. Andere Länder versuchen zwar, mehr Diesel herzustellen, ihre Möglichkeiten sind aber begrenzt.

Deshalb kann Diesel teuer bleiben, selbst wenn der Ölpreis zwischendurch wieder etwas fällt.

Auch die US-Energiebehörde EIA warnt vor einer angespannten Dieselversorgung. Sie erwartet, dass die Vorräte niedrig bleiben und die Dieselpreise deshalb weiterhin hoch sein können.

Für Dieselfahrer bedeutet das: Das Risiko weiterer Preissteigerungen ist derzeit größer als bei Benzin.

Wie teuer könnte Öl noch werden?

Eine genaue Vorhersage für den Benzin- oder Dieselpreis in Deutschland wäre unseriös. Die Entwicklung hängt momentan stark davon ab, was im Nahen Osten passiert.

Die Europäische Zentralbank hat deshalb mehrere Möglichkeiten durchgerechnet.

In ihrem normalen Szenario geht sie davon aus, dass ein Barrel Öl – das sind knapp 159 Liter – 2026 im Durchschnitt knapp 90 Dollar kostet. Für 2027 rechnet sie dagegen nur noch mit 78 Dollar und für 2028 mit knapp 74 Dollar.

Das würde grundsätzlich für wieder sinkende Spritpreise sprechen.

Die EZB hat aber auch berechnet, was bei einer stärkeren Eskalation passieren könnte. In ihrem schweren Krisenszenario könnte der Ölpreis zeitweise auf rund 132 Dollar je Barrel steigen.

Das wäre auch für Autofahrer in Deutschland ein deutliches Aufwärtsrisiko.

Die meisten Prognosen erwarten 2027 wieder niedrigere Ölpreise

Auch die US-Energiebehörde EIA geht derzeit nicht davon aus, dass Öl dauerhaft immer teurer wird.

Für die zweite Hälfte des Jahres 2026 erwartet sie einen durchschnittlichen Ölpreis von ungefähr 90 Dollar je Barrel. 2027 sollen es im Durchschnitt nur noch rund 74 Dollar sein.

Der Grund für den erwarteten Preisrückgang ist einfach: Die Behörde rechnet damit, dass im kommenden Jahr wieder mehr Öl aus dem Nahen Osten exportiert werden kann. Dann würden sich auch die weltweiten Vorräte wieder füllen.

Auch die IEA erwartet für 2027 eine deutliche Erholung der weltweiten Ölproduktion.

Damit zeigen die großen Prognosen grundsätzlich in dieselbe Richtung:

2026 bleibt die Lage angespannt. 2027 könnten die Preise deutlich sinken.

Warum diese Prognosen trotzdem mit Vorsicht zu genießen sind

Das Problem: Niemand weiß, wann und wie stark sich die Lage im Nahen Osten tatsächlich beruhigt.

Die Prognose der EIA wurde beispielsweise bereits am 3. September fertiggestellt. Die Annahmen der EZB zu den Energiepreisen stammen sogar noch aus dem August.

Seitdem hat sich der Ölmarkt weiter bewegt. Der IEA-Bericht vom September meldete für den 9. September bereits einen Ölpreis von mehr als 113 Dollar je Barrel.

Das ist ein wichtiger Unterschied: Viele Prognosen gehen davon aus, dass sich die Versorgung schrittweise verbessert. Sollte genau das nicht passieren, könnten die Preise länger hoch bleiben oder erneut deutlich steigen.

Müssen Autofahrer also bald mit 2,50 Euro oder mehr rechnen?

Möglich ist das – vor allem bei Diesel. Vorhersagen lässt sich ein solcher Preis derzeit aber nicht seriös.

Der Spritpreis hängt nicht nur vom Ölpreis ab. Eine Rolle spielen beispielsweise auch die Kosten der Raffinerien, der Euro-Dollar-Kurs, Steuern und die Frage, wie viel Benzin und Diesel gerade verfügbar ist.

Der ADAC weist darauf hin, dass allein der Ölpreis und der Wechselkurs die hohen Tankstellenpreise derzeit nicht vollständig erklären. Der Verband sieht insbesondere bei den Preisen zwischen Raffinerien, Großhandel und Tankstellen weiteren Erklärungsbedarf.

Deshalb kann es passieren, dass der Ölpreis fällt, Benzin und Diesel an der Tankstelle aber zunächst trotzdem teuer bleiben.

Werden Benzin und Diesel nun also noch teurer?

Kurzfristig ist ein weiterer Anstieg durchaus möglich. Die weltweiten Ölvorräte sinken, ein Teil der Lieferungen aus dem Nahen Osten fällt aus und vor allem Diesel ist knapp. Eine weitere Verschärfung des Konflikts könnte deshalb schnell für den nächsten Preissprung sorgen.

Ebenso möglich ist aber, dass sich die Preise auf dem derzeit hohen Niveau stabilisieren, wenn die Ölversorgung nicht noch stärker eingeschränkt wird.

Für die kommenden Monate spricht deshalb mehr für hohe und stark schwankende Preise als für einen sicheren und kontinuierlichen Anstieg.

Auf längere Sicht ist das Bild etwas günstiger. Sowohl die EIA als auch die EZB rechnen für 2027 mit deutlich niedrigeren Ölpreisen als 2026. Auch die IEA erwartet, dass das weltweite Ölangebot wieder steigt.

Für Autofahrer lässt sich die Lage deshalb so zusammenfassen:

In den nächsten Wochen gibt es keine Garantie auf Entlastung. Gerade Diesel kann noch teurer werden. Sollten sich die Öl-Lieferungen aus dem Nahen Osten aber im Laufe der kommenden Monate normalisieren, spricht einiges dafür, dass der große Preisdruck 2027 nachlässt.

Wer darauf hofft, dass Benzin und Diesel schon in den nächsten Tagen wieder deutlich billiger werden, sollte also nicht fest damit rechnen. Genauso wenig spricht derzeit aber alles dafür, dass die Preise von nun an immer weiter steigen.