Erwerbsunfähigkeit: Berufsunfähigkeitsversicherung – was gilt es zu beachten?

Wer sich gut beraten lässt, muss im Fall einer Berufsunfähigkeit keine Geldsorgen fürchten.
Shutterstock/Drazen ZigicEine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) schützt davor, in finanzielle Not zu geraten, wenn man seinen Job krankheitsbedingt nicht mehr ausüben kann. Worauf man vor dem Abschluss einer BU achten sollte und für wen sie keinen Sinn macht.
Inhalt
Das Wichtigste gleich vorneweg in aller Kürze:
Für wen ist eine BU nicht sinnvoll?
Wer nicht für sein Einkommen arbeiten muss, braucht auch nicht unbedingt eine BU-Versicherung. Doch auch für Geringverdiener, Minijobber, Hartz IV-, Bürgergeld- oder Grundsicherungs-Empfänger kann eine Berufsunfähigkeitsversicherung Sinn machen. Es können schließlich auch wieder bessere Zeiten kommen. Allerdings können sich zuvor viele von ihnen diese Beiträge für solche Versicherungen nicht leisten.
Sinnvoll ist eine BU auch nur dann, wenn mindestens 1000 Euro BU-Rente im Monat versichert sind. Der Grund dafür: Geringe BU-Renten in Höhe weniger hundert Euro werden auf die Sozialleistungen angerechnet. Folglich führen geringe BU-Renten nicht zu einem besseren Leben, sie entlasten den Sozialstaat.
Rentner benötigen ebenfalls keine BU-Versicherung mehr. Eine Altersrente wird auch bei Krankheit ausgezahlt. Wer als Rentner eine BU- Versicherung hat und berufsunfähig ist, bekommt die BU-Rente dennoch, sofern die Leistungsdauer noch nicht abgelaufen ist.
Für wen ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll?
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist für die meisten Erwerbstätigen sinnvoll. Sie zahlt einen vereinbarten monatlichen Betrag, wenn man seinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann. Auf die staatliche Absicherung durch eine Erwerbsminderungsrente sollte man sich nicht allein verlassen: Die Rente liegt in der Regel weit unter dem letzten Einkommen und viele Anträge werden abgelehnt.
Warum ist eine Versicherung gegen Berufsunfähigkeit so wichtig?
Wer durch Krankheit oder Unfall auf Dauer nicht mehr in der Lage ist zu arbeiten, steht oft vor einem Berg finanzieller Probleme:
Für alle, die nach dem 1. Januar 1961 geboren sind, gibt es nur noch eine Erwerbsminderungsrente der gesetzlichen Rentenversicherung. Und diese zahlt heute durchschnittlich immer noch unter dem Grundsicherungsniveau.
Auch wer etwa durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung vermeintlich vorgesorgt hat, wiegt sich oft in trügerischer Sicherheit: Mit im Schnitt rund 40 Euro monatlicher BU-Rente ist die finanzielle Absicherung meist unzureichend – und es bleibt eine große finanzielle Lücke.
Neben dem rechtzeitigen Abschluss in gesunden Jahren entscheidet das berühmte Kleingedruckte, ob und was die Versicherung am Ende zahlt. Doch der Markt ist unübersichtlich und gute Beratung wichtig.
Was kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung?
Die Kosten für eine BU-Versicherung sind je nach Berufstätigkeit und Gesundheitszustand sehr unterschiedlich. Riskante Berufe und gefährliche Hobbys können die BU-Versicherung teurer machen. Aber auch Vorerkrankungen lassen die Prämie in die Höhe schießen. Doch bei den Beiträgen lässt sich Geld sparen, beispielsweise durch einen Vergleich der Angebote.

Angebote verschiedener Versicherer zu vergleichen, lohnt sich.
Shutterstock/M. SchuppichWo gibt es einen verlässlichen Preis-Leistungs-Vergleich?
Die Beitrags- und Leistungsunterschiede bei den Versicherungen sind enorm. Diese können bei gleichen Leistungen auch schon einmal 200 Prozent ausmachen. Je nach Vertragsumfang kann man bei der Wahl des falschen Versicherers leicht einige Tausend Euro in den Sand setzen. Hier können Laien sich unabhängig zur BU beraten lassen:
Ab welchem Alter kann man eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen?
Ein Kind kann etwa ab einem Alter von zehn Jahren in die Berufsunfähigkeitsversicherung aufgenommen werden, bei manchen Versicherern sogar schon ab dem achten Lebensjahr.
Was sollte eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung mindestens enthalten?
Damit ein Vertrag wirklich verlässlichen Schutz bietet, muss dieser mindestens Folgendes enthalten:
Die Rente wird gezahlt, wenn der Versicherte infolge von Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall in seinem in gesunden Tagen zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr zu mindestens 50 Prozent tätig sein kann. Das gilt auch bei einem Berufswechsel. Beispiel: Wer Bauschlosser gelernt hatte, aber jetzt als IT-Experte arbeitet, bei dem wird nur die Tätigkeit als IT-Experte geprüft.
Tipp: Einige Gesellschaften zahlen für Reha-Maßnahmen und einmalige Übergangshilfen. Diese besonderen Leistungen sind zwar im Einzelfall hilfreich, sollten aber kein Auswahlkriterium sein.
Welche Regelungen für die Beiträge sind sinnvoll?
Am sinnvollsten und günstigen ist eine so genannte „selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung“. Im Fall der Fälle zahlt sie die vereinbarte Rente und übernimmt dann auch die Beitragszahlung. Ergo: Man bekommt die vereinbarte Versicherungsleistung, muss aber nicht mehr weiter monatlich Beiträge zahlen.
Wichtig ist es außerdem eine Dynamik zu vereinbaren. Damit sichert man beispielsweise Einkommenssteigerungen oder die Inflation ab. Falls man heute 1000 Euro monatlich versichert, entsprechen diese 1000 Euro in zwanzig Jahren vermutlich deutlich weniger Kaufkraft. Bei einer Inflation von zwei Prozent im Jahr beträgt die Kaufkraft nach 20 Jahren nur noch 672,97 Euro. Eine dynamische Versicherung sollte zumindest eine solche Steigerung berücksichtigen.
Mit einer Nachversicherungsgarantie kann man obendrein besonderen Ereignissen wie beruflicher Karriere, Heirat, Geburt eines Kindes, Hausbau etc. ohne weitere Gesundheitsprüfung die Rente erhöhen. Das ist oft sinnvoll, weil zu solchen Ereignissen neue Prioritäten im Leben gesetzt werden.
Achtung: Es werden auch Kopplungen mit kapitalbildenden Lebensversicherungen angeboten. Das ist meist zu teuer und ergibt keinen Sinn: Kapitallebensversicherungen sind nur ganz selten als private Altersvorsorge sinnvoll.
In welcher Höhe sollte die Rente gewählt werden?
In der Regel sollte eine BU-Versicherung zwischen 70 und 80 Prozent des Nettoeinkommens mit der passenden Berufsunfähigkeitsrente absichern, mindestens aber 1000 Euro, damit man im Leistungsfall die Lebenshaltungskosten, also Miete, Lebensmittel, Strom, Versicherungen etc., weiterbezahlen kann.
Wird die BU ein Leben lang gezahlt?
Es wird höchstens bis zum Ende der Vertragslaufzeit gezahlt bzw. maximal bis zur Erreichung des gesetzlichen Renteneintrittsalters. Denn als Rentner kann man keine Berufsunfähigkeitsversicherung mehr haben und auch keine Leistungen daraus beziehen. Die BU ist keine Renten-Versicherung bis ans Lebensende.
Was gilt es bei der Laufzeit zu beachten?
Der Vertrag sollte idealerweise bis zum Eintritt in den Altersruhestand, also zum 67. Lebensjahr, laufen. Wer später zum Beispiel durch Ersparnisse den Vertrag nicht mehr oder nur noch teilweise benötigt, kann ihn jederzeit kürzen oder ganz kündigen.
Achtung: Die Wahrscheinlichkeit für eine Berufsunfähigkeit steigt im Alter an. Daher ist Vorsicht geboten, wenn Versicherer ein Vertragsende vor dem Rentenalter anbieten. Man droht den Versicherungsschutz dann genau in dem Zeitraum zu verlieren, in dem es noch einmal besonders darauf ankommt.
Wie können sich Berufsstarter besonders günstig versichern?
Die normale Berufsunfähigkeitsversicherung mit guten Bedingungen ist während der Ausbildung, des Studiums oder am Beginn des Berufslebens oft zu teuer. Deshalb bieten einige Versicherer so genannte „Starterpolicen" an, die während einer Startphase in den ersten Jahren der Laufzeit bei gleichen Bedingungen einen günstigeren Preis haben. Erst nach Ablauf der Startphase steigt der Beitrag über den normalen Beitrag an. Das ist unterm Strich zwar etwas teurer. Aber so kann man sich schon früh einen umfassenden Schutz leisten.
Versicherungsantrag, Vorerkrankungen und Risikovoranfrage
Bevor man seine Unterschrift unter den Vertrag einer Berufsunfähigkeitsversicherung setzen kann, müssen Gesundheitsfragen beantwortet werden. Und zwar vollständig und richtig! Sonst kann der Versicherer später wegen „Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht“ vom Vertrag zurücktreten. Dann hat man im schlimmsten Fall lange Zeit für eine solche Versicherung gezahlt, geht aber leer aus, sobald die Berufsunfähigkeit eintritt.
Die Antworten auf Gesundheitsfragen beurteilen die Versicherer nicht einheitlich. Tests haben gezeigt, dass ein- und dieselbe Person mit identischen Angaben bei manchen Anbietern einen Vertrag bekommen, bei anderen Gesellschaften einen Risikozuschlag gezahlt hätte und bei wieder anderen Versicherern ganz abgelehnt worden wäre.
Wer fürchtet, wegen Vorerkrankungen Probleme zu bekommen, sollte eine anonyme Risikovoranfrage starten. Dabei fragt ein Dienstleister Versicherungen ab, ob und zu welchen Bedingungen man versichert werden würde. Der eigene Name und auch die Anschrift werden nicht angegeben, sodass man mit seinen Vorerkrankungen nicht auf Listen landet und dadurch bei anderen Verträgen Probleme bekommt, einen Versicherer zu finden.
Wie lange dauert eine BU-Prüfung?
Seriös sind durchschnittlich drei bis sechs Monate. Darüberhinausgehende Bearbeitungszeiten sind mindestens verdächtig und sollten von einem anwaltlichen Spezialisten für die Berufsunfähigkeitsversicherung geprüft werden.
Bei welchen Krankheiten ist man berufsunfähig?
Die wichtigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit sind:
In welchen Fällen zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht?
In den meisten Versicherungsverträgen ist vorgesehen, dass der Versicherte in seinem zuletzt ausgeübten Beruf (als er noch gesund war) zu mindestens 50 Prozent arbeitsunfähig sein muss. Wer diesen BU-Grad nicht erreicht, hat keinen Anspruch auf eine BU-Rente.
Was ist der Unterschied zwischen arbeitsunfähig und berufsunfähig?
Ob man arbeitsunfähig oder berufsunfähig ist, macht einen gravierenden Unterschied. Denn während eine Arbeitsunfähigkeit nur ein vorübergehender Zustand ist, besteht eine Berufsunfähigkeit voraussichtlich dauerhaft.
Ab welchem Zeitpunkt gilt man als berufsunfähig?
Als berufsunfähig gilt, wer seinen Beruf ab einer voraussichtlichen Zeit von mindestens sechs Monaten nicht mehr ausüben kann. Eine Berufsunfähigkeit wird diagnostiziert, sobald 50 Prozent der beruflichen Aufgaben nicht erledigt werden können.
Berufsunfähigkeit beantragen
Wer diagnostiziert die Berufsunfähigkeit?
Eine „Diagnose Berufsunfähigkeit“ gibt es nicht. Denn die Diagnose bezieht sich auf eine Erkrankung, beispielsweise einen Bandscheibenvorfall. Den kann der Hausarzt oder ein entsprechender Facharzt diagnostizieren. Ein solcher ärztlicher Nachweis ist Grundvoraussetzung dafür, um überhaupt als berufsunfähig anerkannt zu werden. Der Arzt kann auch entscheiden, ob man damit akut arbeitsunfähig ist. Um aber als berufsunfähig zu gelten, ist zusätzlich zur Diagnose zu klären, ob eine voraussichtlich dauerhafte gesundheitliche Beeinträchtigung vorliegt. Diese Beeinträchtigung muss einen im zuletzt ausgeübten Beruf – in der Regel zu mehr als 50 Prozent – einschränken.

Niemand mag daran denken, doch für den Fall eines Unfalls vorzusorgen, der berufsunfähig macht, ist empfehlenswert.
Shutterstock/Ground PictureWie wahrscheinlich ist es, dass man berufsunfähig wird?
Die Wahrscheinlichkeit, berufsunfähig zu werden, ist sehr hoch. Für privat abgesicherte Personen liegt sie im Schnitt bei 25 Prozent. Statistisch gesehen wird damit jeder Vierte im Laufe des Arbeitslebens mindestens einmal berufsunfähig.
Ist eine BU monatlich kündbar?
Wie bei jeder anderen Versicherung hat man auch bei einer BU das Recht, diese zu kündigen – mit Einhaltung einer Frist von einem Monat zum Ablauf des Versicherungsjahres. Was zählt, ist das genaue Datum, zu dem die Versicherung abgeschlossen wurde.
Was passiert mit einer BU, wenn man diese nicht nutzt?
Wer seine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) auflöst, bekommt in der Regel kein Geld zurück, auch wenn man nicht berufsunfähig geworden ist. Die eingezahlten Beiträge zur BU werden für die Finanzierung von Berufsunfähigkeitsrenten anderer Versicherter genutzt. Damit leistet man sozusagen einen Beitrag zur Solidargemeinschaft.
Weiterlesen