Kurs sinkt, Zweifel wächst: SpaceX-Aktie kurz vor IPO-Preis - Warum fällt der Kurs?

Die SpaceX-Aktie fällt weiter und steht wieder kurz vor ihrem IPO-Preis. Was steckt dahinter? - Die Hintergründe erklärt.
Juan Alejandro Bernal / Shutterstock.comAm Montag schloss das Papier bei knapp 139 US-Dollar. Im nachbörslichen Handel sank der Kurs weiter auf etwa 137 US-Dollar und liegt aktuell bei rund 138 Dollar. Damit fehlen nur noch rund 2 Prozent bis zum IPO-Preis. Noch vor etwa einem Monat wurde das Papier kurz nach seinem IPO noch bei über 200 Dollar in der Spitze gehandelt. Was ist da los?
Für den Kursrückgang gibt es nicht nur einen einzelnen Auslöser. Vielmehr treffen eine extrem hohe Unternehmensbewertung, Zweifel an den Fundamentaldaten, Kritik am Börsengang und die Sorge vor künftigem Verkaufsdruck aufeinander.
Zentrale Kritikpunkt bleibt die Bewertung
SpaceX ging am 12. Juni 2026 zu einem Festpreis von 135 US-Dollar je Aktie an die Börse. Das Unternehmen wurde dabei mit rund 1,7 bis 1,75 Billionen US-Dollar bewertet. Bereits zum Handelsstart stieg die Bewertung auf etwa 2 Billionen US-Dollar. Wenige Tage später erreichte die Marktkapitalisierung sogar rund 2,67 Billionen US-Dollar.
Seit dem Aktienhoch vom 16. Juni bei 225,64 US-Dollar hat SpaceX nach Berechnungen von Dow Jones Market Data allerdings rund 831 Milliarden US-Dollar an Börsenwert verloren. Der wichtigste Grund für die zunehmende Skepsis ist das Verhältnis zwischen der Bewertung und dem bisherigen Geschäft. Im Geschäftsjahr 2025 erwirtschaftete SpaceX einen Umsatz von rund 18,6 bis 18,7 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig entstand ein Nettoverlust von etwa 4,9 Milliarden US-Dollar.
Zeitweise wurde das Unternehmen damit zum 90-, 110- oder sogar 140-Fachen seines Jahresumsatzes bewertet. Solche Kurs-Umsatz-Verhältnisse liegen auf einem Niveau, das selbst während der Hochphase der Dotcom-Blase nur selten erreicht wurde. Wie ambitioniert die Bewertung ist, zeigt der Vergleich mit Broadcom. Der Halbleiterkonzern erzielte zuletzt einen Umsatz von 63,9 Milliarden US-Dollar und einen Nettogewinn von 23,1 Milliarden US-Dollar. Trotzdem lag seine Börsenbewertung mit etwa 1,83 Billionen US-Dollar auf einem ähnlichen Niveau wie die von SpaceX. Anleger stellen sich daher zunehmend die Frage, ob die langfristigen Wachstumsfantasien rund um Starlink, Starship und eine globale Weltrauminfrastruktur bereits zu weit im Aktienkurs vorweggenommen wurden.
Neue Schulden sorgten für Verunsicherung
Ein weiterer Belastungsfaktor war die überraschende Ankündigung einer Anleihe im Volumen von mindestens 20 Milliarden US-Dollar. Mit dem Geld sollte ein Brückenkredit refinanziert werden.
Die Nachricht sorgte für Irritationen, weil SpaceX gleichzeitig über liquide Mittel von rund 100,8 Milliarden US-Dollar verfügen soll. Über drei Handelstage verlor die Aktie daraufhin etwa 23 Prozent. Das entsprach einem Rückgang des Börsenwertes um rund 600 Milliarden US-Dollar. Die geplante Anleihe verstärkte die Zweifel daran, wie hoch der tatsächliche Finanzierungsbedarf des Unternehmens ist und wie schnell SpaceX seine kapitalintensiven Projekte in verlässliche Gewinne umwandeln kann.
Die Indexaufnahme konnte den Kurs nicht stabilisieren
Grundsätzlich hätte die schnelle Aufnahme in wichtige Aktienindizes für deutliche Unterstützung sorgen müssen. SpaceX wurde im Rahmen eines beschleunigten Verfahrens in den Russell 1000 und den Nasdaq 100 aufgenommen. Die Aufnahme in den Russell 1000 wurde vor Handelsbeginn am 6. Juli 2026 wirksam, die Aufnahme in den Nasdaq 100 folgte einen Tag später. ETFs und Indexfonds, die diese Indizes nachbilden, mussten daraufhin SpaceX-Aktien kaufen. Kurzfristig sorgten diese verpflichtenden Käufe für zusätzliche Nachfrage. Den grundsätzlichen Abwärtstrend konnten sie jedoch nicht stoppen.
Kritiker sehen darin sogar einen Teil des Problems. Zum Börsenstart waren lediglich etwa fünf Prozent aller SpaceX-Anteile frei handelbar. Gleichzeitig mussten Indexfonds Aktien kaufen. Das knappe Angebot und die verpflichtende Nachfrage verstärkten den anfänglichen Kurs künstlich. Kritiker bezeichnen die erste Kursrally als künstlich herbeigeführten Short-Squeeze. Nachdem die indexbedingten Käufe nun weitgehend abgearbeitet sind, fehlt ein wichtiger Kurstreiber.
Kritik am Börsengang belastet das Vertrauen
Auch das Verfahren rund um den Börsengang wird zunehmend kritisch betrachtet. Ungewöhnlich war insbesondere, dass die Aktie nicht innerhalb einer Preisspanne, sondern zu einem festen Preis von 135 US-Dollar angeboten wurde. Hinzu kamen die speziell für SpaceX geschaffenen Schnellverfahren zur Aufnahme in wichtige Indizes. Führende Vertreter der am Börsengang beteiligten Banken, darunter David Solomon von Goldman Sachs und Jamie Dimon von JPMorgan, hatten zudem öffentlich für die Aktie und die Zukunftsaussichten des Unternehmens geworben.
Bei einigen Anlegern entstand dadurch der Eindruck, dass der Börsengang vor allem dazu dienen könnte, frühen Anteilseignern möglichst hohe Verkaufspreise zu ermöglichen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Starlink bisher der einzige profitable Geschäftsbereich des Konzerns ist.
Angst vor dem Ende der Lock-up-Perioden
Zusätzliche Sorgen bereitet das Ende der sogenannten Lock-up-Perioden. Während diesen Fristen dürfen Insider, frühe Investoren und institutionelle Anteilseigner ihre Aktien nicht verkaufen. Nach Ablauf der Sperrfrist könnten deutlich mehr SpaceX-Aktien auf den Markt kommen. Steigt das Angebot, ohne dass gleichzeitig eine entsprechend hohe Nachfrage vorhanden ist, könnte sich der Verkaufsdruck weiter erhöhen. Diese Sorge wiegt besonders schwer, weil bislang nur ein kleiner Anteil der gesamten Aktien frei handelbar war. Der niedrige Streubesitz hatte den Kurs nach dem Börsengang gestützt. Derselbe Mechanismus könnte sich nach Ablauf der Haltefristen umkehren.
Analysten sind sich uneinig
Trotz der deutlichen Kursverluste bleiben die Einschätzungen der Analysten gespalten. Nach Angaben von TipRanks liegen neun Bewertungen vor: vier Kaufempfehlungen, vier Halteempfehlungen und eine Verkaufsempfehlung. Das durchschnittliche Kursziel beträgt 246,43 US-Dollar. Andere Kursziele erscheinen deutlich aggressiver. Raymond James sieht beispielsweise Potenzial bis 800 US-Dollar. Nach den vorliegenden Berechnungen wäre die Aktie auf diesem Niveau selbst bei einer starken Gewinnentwicklung mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 920 für 2027 bewertet.
Auch die Umsatzprognosen gehen weit auseinander. Goldman Sachs rechnet bis 2030 mit einem SpaceX-Umsatz von 474 Milliarden US-Dollar. Ein großer Teil davon soll aus einem bislang noch kleinen KI-Geschäft stammen. Morningstar erwartet dagegen lediglich 67 Milliarden US-Dollar Umsatz im Jahr 2030 und rund 500 Milliarden US-Dollar bis 2045.
Die große Differenz zwischen den Prognosen zeigt, wie unsicher die zukünftige Entwicklung derzeit eingeschätzt wird. Selbst bei starkem Wachstum müsste SpaceX über viele Jahre nahezu fehlerfrei liefern, um seine Bewertung zu rechtfertigen.
Große Ausgangsbewertung begrenzt das Renditepotenzial
Für Privatanleger ist außerdem die enorme Ausgangsgröße des Unternehmens problematisch. Wer aus einer kleinen Investition ein großes Vermögen machen möchte, benötigt eine Vervielfachung des Aktienkurses. Bei einer Ausgangsbewertung von rund 2 Billionen US-Dollar würde bereits eine Verdreifachung SpaceX an die Spitze der wertvollsten Unternehmen der Welt bringen. Für eine Verzehnfachung müsste die Marktkapitalisierung auf mehr als 20 Billionen US-Dollar steigen.
Damit unterscheidet sich SpaceX deutlich von Tesla. Der Elektroautobauer erzielte seit seinem Börsengang im Jahr 2010 zwar eine Rendite von rund 23.000 Prozent. Tesla startete damals jedoch mit einer wesentlich kleineren Unternehmensbewertung. SpaceX hat bereits vor dem Börsengang zahlreiche Mitarbeiter und frühe Investoren zu Millionären gemacht. Anleger, die erst beim IPO eingestiegen sind, investieren dagegen in ein Unternehmen, dessen Wert bereits einen großen Teil der erwarteten zukünftigen Entwicklung berücksichtigt.
Auch der gesamte Raumfahrtsektor steht unter Druck
Die Schwäche betrifft nicht nur SpaceX. Auch andere Raumfahrtunternehmen wie Rocket Lab und AST SpaceMobile haben in den vergangenen Wochen deutlich an Wert verloren. Rocket Lab hat gegenüber seinem bisherigen Allzeithoch beispielsweise fast die Hälfte seines Börsenwertes eingebüßt. Damit scheint die Risikobereitschaft der Anleger im gesamten Raumfahrtsektor nachzulassen. Ähnlich wie bei hoch bewerteten KI-Aktien werden Unternehmen inzwischen stärker an ihren tatsächlichen Umsätzen, Gewinnen und Finanzierungsmöglichkeiten gemessen.
