Lagarde-Rücktritt
: Wer wird neuer EZB-Chef? - Diese Kandidaten gelten nun als Favoriten

Christine Lagarde verlässt die EZB vorzeitig und die Nachfolge muss rasch geklärt werden. Im europäischen Personalpoker stehen mehrere Namen im Fokus.
Von
Matthias Kemter
Stuttgart
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EZB-Präsidentin Christine Lagarde: ARCHIV - 24.07.2025, Hessen, Frankfurt/Main: Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), spricht während einer Pressekonferenz in der EZB-Zentrale in Frankfurt. (zu dpa: «Hoffnung und Skepsis: Bulgarien ist das 21. Euro-Land») Foto: Arne Dedert/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Lagardes Rücktritt setzt die EZB unter Zeitdruck: Klaas Knot, Pablo Hernández de Cos und Joachim Nagel stehen im europäischen Personalpoker im Fokus.

Arne Dedert/dpa

Christine Lagarde tritt am 7. Februar 2027 als Präsidentin der Europäischen Zentralbank zurück. Ihre reguläre, achtjährige Amtszeit wäre erst Ende Oktober 2027 abgelaufen. Nun müssen die Staats- und Regierungschefs der 21 Eurostaaten über einen der wichtigsten Posten der europäischen Geldpolitik entscheiden.

Klaas Knot und Pablo Hernández de Cos im Fokus

Als Favoriten werden der frühere niederländische Zentralbankchef Klaas Knot und der Spanier Pablo Hernández de Cos gehandelt. Knot wird als Verfechter einer harten Währungspolitik beschrieben, während de Cos eher einem fiskalpolitisch nachsichtigeren Lager zugeordnet wird. Die Nachfolgeentscheidung könnte damit auch die künftige Ausrichtung der Geldpolitik in der Eurozone prägen.

Joachim Nagel bringt Deutschland ins Rennen

Auch Bundesbankpräsident Joachim Nagel hat Interesse am Spitzenamt angemeldet. Deutschland stellte in der mehr als 25-jährigen Geschichte der EZB bislang keinen Präsidenten. Seine Chancen gelten jedoch als begrenzt, weil mit Ursula von der Leyen bereits eine Deutsche an der Spitze der EU-Kommission steht. Zwei Deutsche in solch bedeutenden europäischen Spitzenpositionen dürften im Personalpoker schwer zu vermitteln sein.

Entscheidung vor Frankreichs Präsidentschaftswahl

Der vorzeitige Rückzug ermöglicht es, die Nachfolge noch vor der französischen Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2027 zu klären. Damit können der scheidende französische Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz noch an der Entscheidung mitwirken. Hintergrund der zeitlichen Planung sind auch Sorgen vor möglichen veränderten politischen Mehrheiten in Frankreich.

Mehrere Spitzenposten stehen zur Debatte

Die Personalentscheidung könnte Teil eines größeren Pakets werden. EZB-Direktorin Isabel Schnabel wechselt Anfang Januar 2027 zum IWF; ab Juni 2027 endet zudem die Amtszeit von Chefökonom Philip R. Lane. Die europäischen Regierungen müssen daher nicht nur Lagardes Nachfolge, sondern möglicherweise mehrere zentrale Funktionen im EZB-Direktorium miteinander abstimmen.

Warum tritt Christine Lagarde zurück?

Lagarde begründete ihren Rücktritt öffentlich nicht näher. Der Zeitpunkt erlaubt es jedoch, die EZB-Nachfolge noch vor der französischen Präsidentschaftswahl 2027 zu klären. Medienberichten zufolge wollte sie zudem mehr Freiheit gewinnen, sich zur französischen Politik zu äußern, ohne die politische Neutralität ihres EZB-Amts zu gefährden. Zudem wurde seit Längerem über einen möglichen Wechsel an die Spitze des Weltwirtschaftsforums spekuliert.