Mercedes verlagert Jobs
: Die Autoindustrie wächst, aber nicht in Deutschland

Die Mercedes-Entscheidung für Ungarn zeigt, wie stark das Land an Wettbewerbsfähigkeit verliert, meint unser Kommentator.
Kommentar von
Klaus Köster
Stuttgart
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CLA-Fertigung im ungarischen Kecskemét.

/Daimler AG - Global Communications

Kann das wirklich sein? Manche Mercedes-Beschäftigte reagierten ungläubig auf die Aussage von Finanzchef Harald Wilhelm, wonach die sogenannten Faktorkosten in Ungarn um 70 Prozent niedriger liegen als in Deutschland. Denn das würde ja bedeuten, dass Deutschland die gleichen Autos dreimal so teuer herstellt wie ein Land, das gerade einmal 90 Flugminuten von Stuttgart entfernt ist. Doch die Fakten sprechen für sich – die Monatslöhne sind niedriger, die Krankheitstage weniger, und von einer 35-Stunden-Woche ist dort auch keine Rede.

Die Zeiten, da sich die hohen deutschen Löhne durch höhere Qualität und eine bessere Produktivität von selbst finanzierten, sind vorbei. Deutschland ist nicht schlechter geworden, aber andere haben massiv dazugelernt. Qualität und Produktivität in modernen Fabriken sind kaum noch zu unterscheiden, Differenzen bei den Lohnkosten immer schwerer zu kompensieren.

Unangenehme Wahrheiten

Wenn Mercedes nun in ungewohnter Schnörkellosigkeit Lohnkosten und Fehlzeiten in Deutschland und Ungarn vergleicht und damit Verlagerungen begründet, mag sich das für deutsche Ohren unangenehm anhören – es ist aber auch richtig, wenn die Gründe benannt werden. Für den Standort ist der Trend alarmierend.

Deutschland verliert seit Jahren massiv Investitionen und musste innerhalb weniger Jahre bereits einen Nettoabfluss in dreistelliger Milliardenhöhe hinnehmen. Deshalb muss das Land um seine Wettbewerbsfähigkeit kämpfen. Das kann nicht nur heißen, die heutigen Jobs abzusichern. Es muss auch darum gehen, die Perspektiven der nächsten Generation zu sichern, die einmal die Renten bezahlen soll. Ansonsten wird die Wirtschaft zunehmend aus Deutschland hinauswachsen.

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