NATO-Aufrüstung: Rheinmetall verliert Schweden-Auftrag an Lockheed Martin

Rheinmetall geht bei einem schwedischen Rüstungsauftrag leer aus. Lockheed Martin liefert zehn HIMARS-Systeme und stärkt damit seine Position in Europa.
Sebastian Christoph Gollnow/dpaSchweden treibt nach seinem NATO-Beitritt die Aufrüstung seiner Streitkräfte voran. Bei einem neuen Großauftrag für Raketenartillerie kommt jedoch nicht Rheinmetall zum Zug, sondern der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin.
Schweden bestellt zehn HIMARS-Systeme
Stockholm will zehn HIMARS-Raketenartilleriesysteme beschaffen. Das Volumen des Auftrags liegt bei rund sieben Milliarden schwedischen Kronen beziehungsweise mehr als 700 Millionen US-Dollar. Neben den Werfersystemen umfasst die Vereinbarung auch Munition. Das hochmobile HIMARS-System hat vor allem durch seinen Einsatz in der Ukraine an Bedeutung gewonnen und ist inzwischen bei mehreren NATO-Staaten gefragt.
Lokale Produktion geplant
Schweden will mit der Beschaffung nicht nur seine militärischen Fähigkeiten ausbauen, sondern auch die heimische Industrie stärken. Teile der Produktion sollen vor Ort erfolgen. Davon könnte unter anderem der schwedische Rüstungskonzern Saab profitieren. Ziel ist es, Lieferketten zu sichern und eigene Fertigungskapazitäten weiter auszubauen.
Rheinmetall verpasst Großauftrag aus Schweden
Für Rheinmetall bedeutet die Entscheidung eine Niederlage im Wettbewerb um einen weiteren europäischen Großauftrag. Der deutsche Konzern profitiert zwar stark von den steigenden Verteidigungsausgaben in Europa, steht bei internationalen Ausschreibungen aber zunehmend im Wettbewerb mit US-Herstellern. Lockheed Martin kann mit dem Schweden-Auftrag dagegen seine starke Position auf dem europäischen Rüstungsmarkt weiter ausbauen.
Rückenwind für Lockheed Martin
Auch an der Börse sorgte die Nachricht für Unterstützung. Die Lockheed-Martin-Aktie legte zuletzt deutlich zu. Zusätzlichen Rückenwind brachte eine Kaufempfehlung der Schweizer Großbank UBS mit einem Kursziel von 674 US-Dollar. Der Auftrag zeigt damit erneut, dass US-Rüstungskonzerne trotz des politischen Ziels einer stärkeren europäischen Verteidigungsindustrie bei großen Beschaffungsprojekten weiterhin eine wichtige Rolle spielen.
