Plus 4 %: Warum steigt der Goldpreis plötzlich wieder?

Der Goldpreis steigt am Donnerstag auf 4.470 US-Dollar und liegt rund 4 Prozent über dem Vortag. Was Anleger beim Edelmetall jetzt beobachten.
Sven HoppeDer Goldpreis liegt gegenüber dem Vortag rund 4 Prozent höher. Zuvor war das Edelmetall bis auf 4.282 US-Dollar je Feinunze gefallen, ehe eine kräftige Gegenbewegung einsetzte.
Schwache US-Arbeitsmarktdaten
Auslöser für die neue Dynamik waren schwache Daten vom US-Arbeitsmarkt. Die private Beschäftigungsstatistik ADP meldete für August lediglich 38.000 neue Stellen im Privatsektor. Erwartet worden waren rund 47.000 bis 48.000 Stellen. Die Daten beeinflussten die Erwartungen an die nächste Sitzung der US-Notenbank. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September ging nach den Zahlen zurück und lag zuletzt nur noch bei rund 60 bis 62 Prozent. Zuvor war sie zeitweise auf mehr als 70 Prozent gestiegen.
Renditen und Dollar geben nach
Für Gold war zudem die Entwicklung am Anleihe- und Devisenmarkt wichtig. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen hatte am Mittwoch zeitweise bei rund 4,82 Prozent gelegen und fiel anschließend wieder zurück. Am Donnerstagmorgen lag sie bei rund 4,77 Prozent. Sinkende Renditen verringern die Opportunitätskosten einer Anlage in Gold, das selbst keine laufenden Zinsen abwirft. Gleichzeitig zeigte sich der US-Dollar schwächer. Weil Gold in Dollar gehandelt wird, kann das Edelmetall dadurch für Käufer außerhalb des Dollarraums günstiger werden.
Technische Gegenbewegung
Auch die Charttechnik spielte eine Rolle. Nach dem starken Rücksetzer war Gold kurzfristig überverkauft und erreichte eine wichtige Unterstützungszone zwischen rund 4.318 und 4.229 US-Dollar. In diesem Bereich verläuft auch die 50-Tage-Linie bei rund 4.303 US-Dollar. Das Korrekturtief bei 4.282 US-Dollar lag mitten in dieser Zone. Von dort aus setzte die Erholung ein. Das kurzfristige Chartbild hat sich damit zunächst stabilisiert. Für eine nachhaltige Trendwende bleibt die 200-Tage-Linie bei rund 4.530 US-Dollar jedoch eine wichtige Marke.
Geopolitik und Zentralbanken im Blick
Die Lage im Nahen Osten bleibt ein weiterer Faktor für die Nachfrage nach Gold. Aussagen von US-Präsident Donald Trump, wonach die jüngsten US-Militäraktionen wohl nur von kurzer Dauer sein dürften, nahmen Sorgen vor einem länger anhaltenden Konflikt und einem möglichen Ölpreisschock etwas die Spitze. Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt die Verlagerung von rund 86 Tonnen Gold durch die niederländische Zentralbank DNB aus den USA und Kanada nach London. Die Notenbank verwies auf zunehmende geopolitische Unsicherheit und eine bessere Krisenvorsorge. Zugleich verbessert der Standort London die Handelbarkeit der Bestände.
