Rentenniveau: Zählen die 48 % vom Netto oder Brutto?

Was sagt das Rentenniveau aus?
Pla2na / shutterstock.comDas Rentenniveau sorgt seit Jahren für Missverständnisse. Oft entsteht der Eindruck, die Angabe von aktuell 48 Prozent bedeute, dass künftige Rentner gut die Hälfte ihres letzten Brutto- oder Nettogehalts erhalten. Tatsächlich beschreibt dieser Wert jedoch etwas anderes. Er ist ein technischer Vergleichswert, der misst, wie eine standardisierte Durchschnittsrente im Verhältnis zum durchschnittlichen Arbeitnehmerentgelt steht. Er wird als Netto-Wert vor Steuern angegeben.
Wie wird das Rentenniveau bestimmt?
Um das Rentenniveau zu bestimmen, werden zwei Werte herangezogen. Auf der einen Seite steht die sogenannte Standardrente. Diese entspricht der Rente einer Person, die 45 Jahre lang Beiträge gezahlt und in jedem dieser Jahre exakt den Durchschnittsverdienst erzielt hat. Auf der anderen Seite steht das durchschnittliche Einkommen aller Arbeitnehmer. Beide Werte werden um Sozialabgaben bereinigt, bevor sie miteinander verglichen werden. Bei der Rente werden Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung abgezogen, beim Durchschnittslohn zusätzlich Renten- und Arbeitslosenversicherung. Steuern bleiben außen vor, da Renten seit 2005 nachgelagert und damit individuell unterschiedlich besteuert werden. Ein einheitlicher Steuerabzug würde das Rentenniveau daher verfälschen.
Was die 48 % wirklich bedeuten
Ein Wert von 48 Prozent bedeutet somit nicht, dass alle Versicherten später 48 Prozent ihres letzten Gehalts erhalten. Er gilt nur für Personen, die exakt der Definition der Standardrentnerin oder des Standardrentners entsprechen. Ein Modellfall, der in der Realität vergleichsweise selten vorkommt. Individuelle Renten hängen davon ab, wie viele Entgeltpunkte während des Arbeitslebens gesammelt wurden. Teilzeit, Kindererziehungszeiten, Arbeitslosigkeit oder überdurchschnittliche Löhne können die tatsächliche Rentenhöhe nach oben oder unten verschieben.
Trotz der begrenzten Aussagekraft für Einzelne bleibt das Rentenniveau ein zentraler Indikator für die Entwicklung der gesetzlichen Altersrente. Es zeigt, ob Renten im Vergleich zu den Löhnen mithalten können oder an relativer Kaufkraft verlieren. Ein sinkendes Rentenniveau bedeutet nicht, dass Renten tatsächlich fallen – sie steigen weiterhin durch jährliche Anpassungen –, aber sie wachsen langsamer als die Einkommen der Erwerbstätigen. Damit beschreibt das Niveau letztlich die Teilhabe älterer Menschen am allgemeinen Wohlstand.
Die Bundesregierung hält das Rentenniveau derzeit mit zusätzlichen Bundesmitteln stabil. Mit dem „Rentenpaket 2025“ soll diese Sicherungslinie bis 2031 verlängert werden. Hintergrund ist der demografische Wandel.
