Streichpläne bei VW: Kann das Land Niedersachsen den Neckarsulmer Audi-Standort retten?

Der niedersächsiche Ministerpräsident Olaf Lies (SPD, links) hat eine Schlüsselrolle bei den Kürzungsplänen im VW-Konzern. Kann und will er Oliver Blume stoppen?
Carsten Koall/dpa- Streit um Werksschließungen bei VW: Niedersachsen hat wegen VW-Gesetz starke Mitsprache.
- Audi ist 100-prozentige VW-Tochter, doch ohne Landesanteil – direkte Politikmacht fehlt.
- Einfluss nur indirekt: Druck über VW-Aufsichtsrat, Budgetfreigaben und Investitionspläne möglich.
- Bericht: Blume erwägt Verselbstständigung der Marke VW – Schutz des VW-Gesetzes würde schrumpfen.
- Neckarsulm besonders gefährdet, da Niedersachsen vorrangig heimische VW-Werke schützt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Werkschließungen bei Volkswagen sind immer auch ein besonderes Politikum. Denn bei VW spricht die Politik ganz unmittelbar mit. Das liegt am VW-Gesetz, das dem Land Niedersachsen mit einem Anteil von 20 Prozent der Stimmrechte eine Sperrminorität einräumt. Der Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) und seine Stellvertreterin Julia Willie Hamburg (Grüne) hatten sich zuletzt ausdrücklich gegen Werkschließungen ausgesprochen. Doch können auch die Mitarbeiter von Audi in Neckarsulm auf die Mithilfe aus dem Norden hoffen?
Tatsächlich liegt der Fall bei Audi ein wenig anders. Das Unternehmen ist eine 100-prozentige Tochter des VW-Konzerns. Das Land Niedersachsen hält keine eigenen Anteile. Insofern ist Audi dem direkten Einfluss der niedersächsischen Landesregierung entzogen. Audi besitzt einen eigenen Vorstand und einen eigenen Aufsichtsrat. In diesen Gremien sitzen Vertreter des Audi-Managements, der Audi-Belegschaft sowie Abgesandte der VW-Konzernmutter wie etwa Konzernchef Oliver Blume, aber keine Politiker aus Hannover. Beschlüsse über ein Audi-Werk fallen primär dort.
Wie groß ist der indirekte Einfluss?
Indirekt könnte Niedersachsen aber durchaus Einfluss ausüben. Da der VW-Konzernvorstand die Richtlinien für alle Tochtermarken vorgibt, könnten Lies und Hamburg über den VW-Aufsichtsrat Druck auf Konzernchef Blume ausüben. So könnte der VW-Mutteraufsichtsrat dem Konzernvorstand mit Konsequenzen drohen oder Budgetfreigaben blockieren. Auch über die langfristige Investitions- und Produktionsplanung kann das Land Einfluss ausüben. Inwiefern sich Niedersachsens Landesregierung für Standorte in anderen Bundesländern einsetzen will, ist offen.
Der Automobilexperte Stefan Reindl von der Hochschule Geislingen glaubt nicht, dass Niedersachsen seine starke Stellung auf Kosten anderer Bundesländer ausnutzt. Er geht allerdings nicht davon aus, dass ein Verzicht auf Werksschließungen auf Dauer durchzuhalten ist. Ohnehin scheint Blume entschlossen zu sein. Und er scheint auch einen Plan zu haben, wie er selbst bei VW zum Ziel kommt.
Oliver Blumes VW-Trick
Demnach soll er planen, die Marke VW gesellschaftsrechtlich zu verselbstständigen – ähnlich wie Audi oder Porsche. In einem solchen Szenario würde die operative Marke VW als Tochtergesellschaft unter einer Konzernholding fungieren. Damit würde das VW-Gesetz für operative Standortentscheidungen der einzelnen Marken de facto ins Leere laufen, da sich dessen Schutzwirkung primär auf die Ebene der Holding bezieht.
Für den Standort Neckarsulm bedeutet dies: Da das Land Niedersachsen kein direktes Mitspracherecht bei Audi-Standorten in Baden-Württemberg hat und zudem seine schützende Hand vorrangig über die heimischen VW-Werke hält, ist das Werk in Baden-Württemberg mit seinen 15.500 Beschäftigten innerhalb des Konzerngefüges besonders gefährdet.

