Südtirol
: „Wir sind kein Disneyland“ – Südtiroler wettern gegen Porsche-Tour über 12 Pässe

Mit dem Sportwagen durch die Kurven der Südtiroler Alpen – die Porsche Zentren in Berlin werben auf Facebook mit einer 12-Pässe-Tour. Doch in den Sozialen Netzwerken hagelt es reichlich Kritik.
Von
Annika Mayer
Südtirol
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Auch das Grödner Joch ist Teil der 12-Pässe-Tour.

IMAGO/Peter Widmann
  • Porsche-Zentren in Berlin bewerben eine 12-Pässe-Tour durch Südtiroler Alpen.
  • In sozialen Netzwerken hagelt es Kritik: Lärm, Abgase und Verkehrsbelastung.
  • Anbieter verlangt bis zu 3200 Euro, inklusive ist ein Helikopter-Flug über die Dolomiten.
  • Porsche verweist auf privaten Organisator und behördliche Auflagen – Kritik wird geprüft.
  • Südtiroler Landesregierung beschloss Einschränkungen für Motorsport-Events über 1600 Meter.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Jede Kurve ein Highlight, jeder Moment pure Faszination“ – so werben die Porsche Zentren in Berlin auf Facebook für eine 12-Pässe-Tour durch die Alpen. Die Teilnehmer überqueren dabei im Sportwagen zwölf Pässe in den Südtiroler Bergen. Porsche Fahrspaß in langgezogenen Kurven und mit atemberaubendem Ausblick, so heißt es auf der Webseite des Anbieters Wiegand Drive Events. Bis zu 3200 Euro zahlen die Teilnehmer für die Luxus-Reise, inklusive ist außerdem ein Helikopter-Flug über die Dolomiten.

Ein Konzept, das offenbar vielen sauer aufstößt. Denn Südtirol ächzt unter der Menge an Urlaubern und dem Verkehr, der jährlich über die engen Pässe der Alpen rollt. Lärm, Abgase und überfüllte Parkplätze werden für die Anwohner zur Belastung. Dieser Frust entlädt sich nun unter dem Facebook-Post zur 12-Pässe-Tour: Fast 500 Kommentare haben sich unter dem Beitrag angesammelt.

Südtiroler kritisieren Veranstaltung scharf

In den meisten Kommentaren machen Nutzer ihrem Ärger Luft. So schreibt etwa eine Person: „Das, was Sie hier veranstalten, ist völlig respektlos sowohl der Natur als auch der Südtiroler Bevölkerung gegenüber. Der Besitz eines schnellen Autos gibt Ihnen nicht das Recht, unsere Luft zu verschmutzen, uns mit Lärm zu belästigen und unsere Lebensqualität zu beeinträchtigen.“ Ein anderer Nutzer kommentiert: „Bleibt in eurem Land und lasst unsere Pässe und Natur in Ruhe“.

Der Ton in vielen Kommentaren ist scharf: „Verschont uns mit Eurem peinlichen Gepose. Ihr betreibt einen arroganten Konsum von sensibler Natur und Landschaft und sucht „Spaß“ auf Kosten von Natur, Menschen und Umwelt“, beschwert sich eine Person. „Wir sind kein Disneyland“, heißt es in anderen Kommentaren, oder: „Unser Land ist kein Konsumgut für Störer!“ Und auch die Helikopter-Flüge kommen nicht gut an: „Porsche und Helikopter in den Dolomiten braucht kein Mensch!“, schreibt eine Person. Ein Kommentator bringt die Problematik vor Ort auf den Punkt: „‚Jede Kurve ein Highlight‘ – für Anwohnerinnen und Anwohner leider oft eher jede Kurve mehr Lärm, Verkehr und Belastung. Südtirols Berge sind kein Motorsportpark und die Dolomiten keine Kulisse für Helikopter-Rundflüge.“

So äußert sich Porsche

Ein Sprecher von Porsche äußerte sich auf Nachfrage unserer Redaktion zu der Veranstaltung und der Kritik: Die Ausfahrten würden von einem privaten Anbieter organisiert, der für die Porsche Handelsorganisation tätig ist. „Die Touren berücksichtigen sämtliche behördlichen Auflagen. Ungeachtet dessen nehmen wir unsere Verantwortung ernst und setzen uns mit den Reaktionen auseinander“, so der Sprecher.

Kritik an Motorsport-Angeboten in den Dolomiten kommt auch vom Alpenverein Südtirol (AVS). Seit mehr als zwei Jahrzehnten setzt sich der Verein nach eigenen Angaben für eine wirksame Verkehrsberuhigung auf den Dolomitenpässen ein. „Die Vermarktung der Dolomiten als Kulisse für PS-starke ‚Abenteuerfahrten' ist schlicht nicht akzeptabel“, wird der AVS-Präsident Georg Simeoni in einer Pressemitteilung zitiert, in der der Verein Passsperren fordert. Angebote, bei denen leistungsstarke Autos und Motorräder für Fahrten auf den Alpenstraßen vermietet werden, würden nicht nur zusätzlichen Verkehr erzeugen, sondern auch riskantes Fahrverhalten fördern.

„Die Dolomiten sind kein Erlebnispark für motorisierte Grenzerfahrungen“, so Simeoni in der Pressemitteilung. „Wer hier kurzfristige Profite über den Schutz dieses einzigartigen Naturraums stellt, handelt unverantwortlich gegenüber kommenden Generationen.“

Motorsportveranstaltungen sollen eingeschränkt werden

Der Motorsport-Verkehr in den Südtiroler Alpen soll nun auch eingeschränkt werden: Die Südtiroler Landesregierung beschloss Ende Juni, organisierte Motorsportveranstaltungen in bestimmten Gebieten der Südtiroler Alpen zu verbieten. Das betrifft Straßen in geschützten Bereichen und Gebiete über 1600 Meter Meereshöhe. Das Verbot soll dabei nicht nur Wettbewerbe umfassen, sondern sämtliche Veranstaltungen mit Unterhaltungscharakter, darunter auch organisierte Ausfahrten von Vereinen, Clubs und Unternehmen. Darunter würden wohl auch Events wie die 12-Pässe-Tour von Porsche fallen. Bereits genehmigte Veranstaltungen sollen von der Regelung unberührt bleiben.

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