Umfrage unter Immobilienbesitzern
: Eigenheim in Gefahr? Immer mehr Eigentümer machen sich Sorgen

Eine neue Forsa-Umfrage zeigt: Immer mehr Eigentümer zweifeln daran, ob sie ihr Zuhause langfristig halten können.
Von
Lukas Böhl
Berlin
Jetzt in der App anhören
Ein Einfamilienhaus steht an einer Straße: ARCHIV - Ob es der Wunsch nach einem Eigenheim oder einem Kind ist: Es ist immer eine gute Idee, zu hinterfragen, welche Bedürfnisse dahinterstecken.  (zu dpa: «Haus, Hochzeit, Kind: Einer will, eine nicht - und nun?») Foto: Benedikt Spether/dpa/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++

Kann man sich das eigene Haus im Unterhalt noch leisten?

Benedikt Spether/dpa-tmn/dpa

Jeder fünfte Besitzer von selbstgenutztem Wohneigentum macht sich inzwischen Sorgen, ob er sein Eigenheim in Zukunft noch behalten kann. Das zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbands Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN). Im vergangenen Jahr lag der Anteil noch bei 17 Prozent. Die Sorge ist damit gestiegen – und zwar laut der Untersuchung in allen Einkommensklassen.

Besonders deutlich zeigt sich der Unterschied beim Einkommen. Unter Eigentümern mit einem Haushaltsnettoeinkommen von weniger als 2.500 Euro sorgen sich 28 Prozent darum, ihr Haus oder ihre Wohnung langfristig halten zu können. Bei einem Einkommen zwischen 2.500 und 4.000 Euro sind es 25 Prozent. Unter Haushalten mit mindestens 4.000 Euro netto liegt der Anteil bei 18 Prozent.

Die Umfrage nennt allerdings keine spezifischen Gründe, die diese wachsende Sorge erklärt. Andere Ergebnisse der Befragung zeigen jedoch, mit welchen Belastungen Eigentümer und Kaufinteressenten derzeit konfrontiert sind.

So halten 87 Prozent der Befragten den Bau oder Erwerb eines Eigenheims heute für schwieriger als noch vor fünf Jahren. Als größte Hürden nennen diejenigen, die eine Verschlechterung wahrnehmen, gestiegene Baukosten. 91 Prozent geben sie als Grund an. 80 Prozent verweisen auf hohe Lebenshaltungskosten, die das Sparen erschweren. Gestiegene Hausnebenkosten folgen mit 68 Prozent, hohe Zinsen sowie fehlendes Eigenkapital oder eine unzureichende Kreditwürdigkeit mit jeweils 62 Prozent.

StZ Kompakt - Der Abend
Montag - Samstag um 17.00 Uhr
Die wichtigsten Themen aus Stuttgarter Sicht - mit unserem Newsletter gewinnen Sie abends schnell den Überblick über das Tagesgeschehen.

Viele Eigentümer schieben Sanierungen auf

Hinzu kommen die Kosten für die eigene Immobilie. Nur 16 Prozent der befragten Eigentümer planen derzeit eine energetische Sanierung. 83 Prozent haben keine entsprechenden Vorhaben. Bei Haushalten mit weniger als 2.500 Euro Nettoeinkommen liegt der Anteil derjenigen, die sanieren wollen, sogar nur bei neun Prozent. Bei Haushalten mit mindestens 4.000 Euro sind es 19 Prozent.

Wer aktuell keine energetische Sanierung plant, nennt vor allem finanzielle Gründe. 40 Prozent sagen, die Kosten seien ihnen zu hoch. Ein Viertel verfügt nach eigenen Angaben derzeit nicht über das nötige Kapital für Modernisierungen. Bei Eigentümern mit weniger als 2.500 Euro Haushaltsnettoeinkommen fällt die finanzielle Belastung noch deutlicher aus: 56 Prozent nennen zu hohe Sanierungskosten, 44 Prozent fehlendes Kapital.

Daneben spielt Unsicherheit eine Rolle. 36 Prozent der Eigentümer, die keine energetische Sanierung planen, verweisen auf Unsicherheit über die Energiepolitik der Bundesregierung, 31 Prozent auf Unsicherheit bei aktuellen Förderprogrammen. 30 Prozent wollen Investitionen zurückhalten, bis die Politik aus ihrer Sicht einen klareren Rahmen vorgibt.

Informationslücken bei Förderprogrammen

Auch die vorhandenen Fördermöglichkeiten erreichen viele Eigentümer offenbar nicht ausreichend. 46 Prozent der befragten Besitzer und Kaufinteressenten fühlen sich über Förderprogramme nicht genügend informiert. Beim Thema energetische Sanierung sind es 35 Prozent. Unter denjenigen, die erst den Kauf einer Immobilie planen, steigt der Anteil bei den Fördermöglichkeiten sogar auf 55 Prozent.

Dabei ist der Wunsch nach den eigenen vier Wänden weiterhin groß. 59 Prozent der Deutschen würden bei freier Wahl am liebsten in einem eigenen Einfamilienhaus wohnen, weitere 17 Prozent in einer Eigentumswohnung und sechs Prozent in einem eigenen Zweifamilienhaus. Nur zehn Prozent würden eine Mietwohnung bevorzugen.

Der Traum vom Eigenheim ist also keineswegs verschwunden. Doch die Zahlen zeigen, dass sich die Debatte verändert. Es geht längst nicht mehr nur darum, wer sich den Kauf eines Hauses noch leisten kann. Für einen wachsenden Teil derjenigen, die bereits Eigentum besitzen, stellt sich inzwischen eine andere Frage: Wie sicher ist das eigene Zuhause auf Dauer noch?

Für die Forsa-Umfrage wurden 2.248 Menschen ab 18 Jahren in Deutschland befragt. Die Erhebung fand zwischen dem 8. Juni und dem 27. Juli 2026 statt. Die statistische Fehlertoleranz der Gesamtstichprobe beträgt laut Forsa plus/minus zwei Prozentpunkte.