Abkommen zwischen USA und Iran
: Sinken bald die Spritpreise?

Besteht nach dem Friedensabkommen die Hoffnung auf schnell fallende Spritpreise an den Tankstellen?
Von
Lukas Böhl
Stuttgart
Jetzt in der App anhören

Wird Tanken bald wieder günstiger?

Sven Hoppe/dpa

Die Hoffnung auf ein Ende der Spannungen im Nahen Osten sorgt an den Ölmärkten für Erleichterung. Nachdem die USA und der Iran ein vorläufiges Friedensabkommen angekündigt haben, sind die Ölpreise deutlich gefallen. Für Autofahrer könnte das gute Nachrichten bedeuten: Experten halten sinkende Spritpreise in den kommenden Wochen für möglich.

Ölpreis fällt nach Ankündigung des Abkommens

Der Preis für die Nordseesorte Brent ist zum Wochenbeginn um mehr als vier Prozent gefallen und notierte zeitweise nur noch bei rund 84 US-Dollar je Barrel. Noch wenige Tage zuvor hatte der Ölpreis bei mehr als 93 Dollar gelegen.

Auslöser für den Preisrückgang ist die Ankündigung eines Abkommens zwischen den USA und dem Iran. Beide Seiten wollen die militärischen Auseinandersetzungen beenden. Gleichzeitig gibt es Hoffnungen, dass die wichtige Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus wieder geöffnet wird.

Warum die Straße von Hormus so wichtig ist

Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Arabischen Meer und gilt als einer der wichtigsten Engpässe für den weltweiten Ölhandel. Schätzungen zufolge wird etwa ein Fünftel der globalen Ölversorgung über diese Meerenge transportiert.

Seit Beginn des Konflikts im Frühjahr war der Schiffsverkehr stark eingeschränkt. Millionen Barrel Öl pro Tag gelangten nicht mehr auf den Weltmarkt. Das führte zu steigenden Preisen für Rohöl und letztlich auch für Kraftstoffe.

Sollte die Route wieder vollständig geöffnet werden, könnte deutlich mehr Öl auf den Markt gelangen. Das würde den Preisdruck verringern.

Wann könnten Autofahrer die Auswirkungen merken?

Zwischen sinkenden Ölpreisen und niedrigeren Preisen an den Tankstellen vergeht in der Regel etwas Zeit. Mineralölkonzerne kaufen Kraftstoffe oft Wochen im Voraus ein, zudem spielen Wechselkurse, Steuern und Raffineriekosten eine Rolle.

Experten gehen dennoch davon aus, dass sich die aktuelle Entwicklung bereits in den kommenden Wochen bemerkbar machen könnte, sofern die Ölpreise auf dem niedrigeren Niveau bleiben.

Der neuseeländische Westpac-Chefökonom Kelly Eckhold erwartet beispielsweise, dass die Kraftstoffpreise dort innerhalb von ein bis zwei Wochen spürbar sinken könnten. Auch in Europa wären niedrigere Spritpreise grundsätzlich möglich, wenn sich die Entspannung an den Märkten fortsetzt.

Warum ein deutlicher Preissturz nicht sicher ist

Trotz des Optimismus warnen Analysten vor zu großen Erwartungen. Das angekündigte Abkommen ist zunächst nur eine Absichtserklärung. Viele Details sind noch ungeklärt.

Unter anderem geht es um die konkrete Wiederöffnung der Straße von Hormus, Sicherheitsgarantien für Tanker, das iranische Atomprogramm und mögliche Lockerungen von Sanktionen.

Zudem müssten viele Ölfelder und Lieferketten erst wieder hochgefahren werden. Die Beratungsgesellschaft Rystad Energy rechnet damit, dass ein Großteil der ausgefallenen Fördermengen erst bis Oktober zurückkehren könnte.

Analyst Tony Sycamore von IG sieht deshalb nur begrenztes Potenzial für weitere starke Preisrückgänge beim Öl. Gleichzeitig könnte die hohe Nachfrage während des Sommers auf der Nordhalbkugel die Preise wieder stützen.

Was das für Deutschland bedeutet

Für Autofahrer in Deutschland ist die Entwicklung grundsätzlich positiv. Sinkende Rohölpreise führen häufig auch zu niedrigeren Preisen für Benzin und Diesel. Wie stark die Entlastung ausfällt, hängt jedoch von mehreren Faktoren ab.

Neben dem Ölpreis spielen unter anderem der Euro-Dollar-Kurs, die Raffineriekapazitäten und die Entwicklung der Nachfrage eine Rolle. Daher lässt sich derzeit noch nicht sagen, um wie viele Cent die Preise an deutschen Tankstellen tatsächlich fallen könnten.

StZ Kompakt - Der Abend
Montag - Samstag um 17.00 Uhr
Die wichtigsten Themen aus Stuttgarter Sicht - mit unserem Newsletter gewinnen Sie abends schnell den Überblick über das Tagesgeschehen.