Verbraucherzentrale kritisiert Deutsche Bahn
: Preise oft teurer als beworben

Eine Untersuchung der Verbraucherzentrale zeigt deutliche Unterschiede zwischen beworbenen Sparangeboten und tatsächlich verfügbaren Ticketpreisen der Bahn.
Von
Lukas Böhl
Berlin
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Was sich im August ändert: ARCHIV - 24.06.2026, Bayern, München: Ein Passagier läuft am Morgen, nach dem bundesweiten Ausfall bei der Deutschen Bahn, am Hauptbahnhof München an einem ICE-Zug vorbei. (zu dpa: «Bahn, Ganztag, Solarstrom – was sich im August ändert») Foto: Peter Kneffel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Verbraucherzentrale hat die Ticketpreise der Bahn untersucht.

Peter Kneffel/dpa

Wer ein günstiges Bahnticket sucht, braucht mitunter Zeit, Geduld und Flexibilität. Nach einer Untersuchung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) waren die von der Deutschen Bahn beworbenen günstigsten Super-Sparpreise für Fahrten tagsüber häufig nicht verfügbar.

An 76 Prozent der untersuchten Tage lag das günstigste tatsächlich gefundene Super-Sparpreis-Ticket für eine Abfahrt zwischen 7 und 19 Uhr über dem beworbenen Angebot. Die Abweichungen betrugen nach Angaben des vzbv zwischen 15 und 157 Prozent. Nur an knapp jedem vierten Erhebungstag entsprach der günstigste gefundene Preis dem beworbenen Angebot oder lag darunter.

„Wer sich mit dem Fahrpreissystem der Deutschen Bahn nicht auskennt, ist im Zweifel im Nachteil“, sagt vzbv-Vorständin Ramona Pop. Besonders günstige Preise sollten ihrer Ansicht nach häufiger auch zu üblichen Reisezeiten verfügbar sein.

Sparpreise teilweise deutlich gestiegen

Für die Untersuchung wurden zwischen Juni 2024 und April 2026 täglich Ticketpreise auf Direktverbindungen zwischen Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt am Main erfasst. Insgesamt wertete der Verband rund 289.000 Verbindungsabfragen aus.

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Untersucht wurden Fahrkarten der zweiten Klasse für Reisen am Tag. Die Buchungen erfolgten kurzfristig für die kommenden sieben Tage, mittelfristig für einen Zeitraum von drei Wochen und langfristig rund zwölf Wochen im Voraus.

Beim Fahrplanwechsel 2025/2026 hatte die Deutsche Bahn angekündigt, die Fahrpreise nicht zu erhöhen. Grundsätzlich bestätigt die Untersuchung laut vzbv diese Aussage. Bei einzelnen Strecken und Buchungszeiträumen zeigten sich allerdings deutliche Unterschiede.

So verteuerten sich mittelfristig gebuchte Super-Sparpreis-Tickets vom ersten Quartal 2025 bis zum ersten Quartal 2026 im Median um 36 Prozent. Auf einzelnen Strecken stellte der Verband Preissteigerungen von bis zu 111 Prozent fest.

Bei den untersuchten Flexpreis-Tickets fiel die Entwicklung moderater aus: Langfristig gebuchte Fahrkarten wurden im Median drei Prozent teurer, kurzfristig gebuchte Tickets dagegen zwei Prozent günstiger.

Günstige Tickets vor allem zu Randzeiten

Die besten Chancen auf einen niedrigen Preis haben Reisende der Untersuchung zufolge zu Wochenbeginn, an Samstagen sowie am frühen Morgen oder am Abend. Auch der Buchungszeitpunkt spielt eine große Rolle.

Wer etwa zwölf Wochen im Voraus buchte, zahlte für Super-Sparpreis-Tickets im Median deutlich weniger als bei einer kurzfristigen Buchung. Kurz vor der Fahrt waren die untersuchten Tickets im Mittel 180 Prozent teurer – sie kosteten damit fast das Dreifache.

Die Ergebnisse zeigen damit auch, dass die günstigsten Angebote häufig mit Einschränkungen verbunden sind. Wer zu einer bestimmten Uhrzeit fahren muss oder erst kurzfristig planen kann, hat wesentlich geringere Chancen auf die beworbenen Einstiegspreise.

Flexpreis schwankt um bis zu 170 Prozent

Deutliche Unterschiede stellte der vzbv auch beim Flexpreis fest. Obwohl diese Ticketart mehr Freiheit bei der Wahl der Verbindung bietet, kann sich ihr Preis je nach Reisetag erheblich verändern.

Auf den 20 untersuchten Direktverbindungen betrug der Abstand zwischen dem niedrigsten und dem höchsten erfassten Flexpreis mindestens 85 Prozent. Auf einzelnen Strecken lag die Differenz bei bis zu 170 Prozent.

Für die Strecke Berlin–Köln wurden beispielsweise Preise zwischen 99,90 Euro und 185,10 Euro erfasst. Zwischen Frankfurt und Köln kostete das Ticket je nach Reisetag zwischen 42,30 Euro und 114,20 Euro. Den größten absoluten Unterschied beobachtete der Verband auf der Strecke Frankfurt–Hamburg: Dort lagen 154,20 Euro zwischen dem günstigsten und dem teuersten erfassten Flexpreis.

Forderung nach einem einfacheren Tarifsystem

Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert die Deutsche Bahn auf, ihr Tarifsystem einfacher und transparenter zu gestalten. Große Preisunterschiede und schwer nachvollziehbare Bedingungen könnten Reisende davon abhalten, sich für die Bahn zu entscheiden, argumentiert der Verband.

„Wer die Preise als unfair empfindet, wird sich im Zweifel gegen die Bahnfahrt entscheiden“, sagt Pop. Das könne weder im Interesse der Politik noch des Bahnvorstands sein.

Was sagt die Bahn zu der Kritik?

Die Deutsche Bahn kritisiert die Untersuchung. Eine Sprecherin des Konzerns sprach laut einem Bericht, der sich auf die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ bezieht, von „erheblichen methodischen Mängeln“.

Insbesondere das untersuchte Zeitfenster zwischen 7 und 19 Uhr sei aus Sicht der Bahn problematisch. Dadurch würden wichtige Verbindungen für Pendlerinnen und Pendler nicht berücksichtigt, darunter Sprinterzüge kurz nach 6 Uhr. Zudem konzentriere sich die Untersuchung auf Direktverbindungen zwischen den fünf größten deutschen Städten und bilde damit andere Verbindungen im Bahnnetz nicht ab.

Die Bahn verweist außerdem darauf, dass besonders günstige Tickets gezielt zur Steuerung der Auslastung eingesetzt werden. Die Preise unterscheiden sich deshalb abhängig von Nachfrage, Reisezeit und Buchungszeitpunkt. Nach Angaben der Sprecherin seien derzeit so viele günstige Tickets auf dem Markt wie noch nie.