Werksschließungen bei Volkswagen: Wann die VW-Werke zumachen sollen

VW-Werk in Emden
Lars Penning/dpaBetroffen sind die Volkswagen-Werke in Emden und Zwickau, das Nutzfahrzeugwerk in Hannover sowie das Audi-Werk in Neckarsulm. Nach Informationen der „WirtschaftsWoche“, auf die sich inzwischen mehrere Medien berufen, soll der VW-Vorstand die entsprechenden Pläne einstimmig beschlossen haben. Volkswagen selbst bestätigt die konkreten Schließungspläne bislang allerdings nicht. Der Konzern erklärt, interne Unterlagen grundsätzlich nicht zu kommentieren und den Beratungen in den zuständigen Gremien nicht vorgreifen zu wollen.
Diese vier VW-Werke stehen auf der Liste
Dem Bericht zufolge gibt es für die betroffenen Standorte bereits konkrete Jahre, in denen die heutige Fahrzeugproduktion enden soll:
- Emden: 2031
- Zwickau: 2031
- Hannover: 2032
- Neckarsulm: 2034
Damit würde Volkswagen die Werke nicht kurzfristig schließen. Vielmehr soll die derzeitige Produktion über mehrere Jahre hinweg auslaufen. Entscheidend ist, ob die Standorte anschließend neue Fahrzeugmodelle oder eine andere industrielle Nutzung erhalten. Genau dafür sieht Volkswagen derzeit offenbar keine ausreichend wirtschaftliche Lösung.
VW-Finanzvorstand Arno Antlitz hatte diese grundsätzliche Lage bereits Ende August öffentlich bestätigt. Aufgrund erheblicher Kostenunterschiede zu anderen europäischen Werken gebe es aus heutiger Sicht für vier deutsche Standorte keine wirtschaftlich tragfähige Nachfolgeproduktion, wenn die aktuellen Produkte Anfang der 2030er-Jahre auslaufen.
VW-Werk Emden: Produktion soll 2031 enden
Besonders brisant sind die Pläne für Emden. Volkswagen hat den Standort in den vergangenen Jahren umfangreich für die Produktion von Elektroautos umgebaut. Seit Ende 2024 werden dort ausschließlich Elektrofahrzeuge produziert.
Trotz dieser Investitionen gehört Emden nun zu den Standorten, für die offenbar noch keine wirtschaftlich tragfähige Perspektive für die Zeit nach 2030 gefunden wurde. Nach dem aktuellen Bericht soll die Fahrzeugproduktion dort 2031 auslaufen. Konzernchef Oliver Blume hatte bei einem Besuch in Emden allerdings noch Ende August betont, dass Werksschließungen lediglich die letzte Option seien. Volkswagen wolle nach Lösungen für die betroffenen Standorte suchen.
VW-Werk Zwickau: ebenfalls bis 2031
Auch das Werk in Zwickau soll dem internen Konzept zufolge 2031 seine derzeitige Fahrzeugproduktion beenden.
Der Standort wurde bereits vor Jahren vollständig auf Elektroautos umgestellt und galt lange als Vorzeigeprojekt für die Transformation des Konzerns. Inzwischen steht jedoch auch Zwickau unter erheblichem Kostendruck. Die entscheidende Frage ist, ob Volkswagen dem Werk für die Zeit nach dem Auslaufen der heutigen Modellgeneration neue Produkte zuteilt.
Nach den aktuellen Planungen scheint eine solche Nachfolgebelegung bislang nicht vorgesehen zu sein.
VW Nutzfahrzeuge Hannover: Aus für 2032 vorgesehen
Für das Werk von Volkswagen Nutzfahrzeuge in Hannover nennt der Bericht das Jahr 2032.
Gerade in Hannover hatte Finanzvorstand Antlitz die wirtschaftlichen Probleme zuletzt deutlich beschrieben. Trotz bereits erreichter Verbesserungen seien die Fabrikkosten weiterhin erheblich höher als an anderen europäischen Standorten.
Volkswagen will europaweit Produktionskapazitäten für rund 500.000 Fahrzeuge abbauen. Bleiben diese Kapazitäten bestehen, entstehe dem Unternehmen nach Angaben von Antlitz ein dauerhafter Kostennachteil von rund 1,5 Milliarden Euro pro Jahr.
Der Betriebsrat hält dagegen und verweist auf bestehende Vereinbarungen zur Zukunft des Standorts. Unter anderem fordert die Arbeitnehmervertretung, dass die Transporter-Produktion wie vereinbart nach 2031 wieder nach Hannover zurückkehrt.
Audi Neckarsulm: Produktion soll bis 2034 laufen
Am längsten Zeit hätte nach den aktuellen Planungen das Audi-Werk in Neckarsulm. Dort soll die Fahrzeugproduktion dem Bericht zufolge 2034 enden. Auch Neckarsulm gehört zum Volkswagen-Konzern und ist deshalb Teil der konzernweiten Sanierungsüberlegungen.
Das bedeutet allerdings auch hier nicht zwangsläufig, dass das Werk im Jahr 2034 vollständig geschlossen wird. Möglich wären grundsätzlich neue Produkte, andere industrielle Nutzungen oder Partnerschaften. Entscheidend ist, ob Volkswagen in den kommenden Jahren eine wirtschaftliche Perspektive für den Standort findet.
Warum Volkswagen seine deutschen Werke verkleinern will
Hinter den Plänen steht ein deutlich größerer Umbau des gesamten Volkswagen-Konzerns. Volkswagen argumentiert, dass Produktionskapazitäten, Personalkosten und Konzernstrukturen nicht mehr zur veränderten Lage des europäischen Automarktes passen.
Der Konzern hat bereits angekündigt, Überkapazitäten abzubauen und sein Produktionsnetzwerk stärker an der tatsächlichen Nachfrage auszurichten. Bis 2030 sollen bei Volkswagen, Audi, Porsche und der Softwaretochter Cariad insgesamt rund 50.000 Stellen in Deutschland sozialverträglich wegfallen. Nach Angaben von VW liegen dafür inzwischen rund 37.000 unterschriebene Vereinbarungen vor.
Allein für die Volkswagen AG war bereits Ende 2024 ein Abbau von mehr als 35.000 Stellen bis 2030 vereinbart worden. Gleichzeitig sollte die technische Produktionskapazität der deutschen VW-Werke dauerhaft um 734.000 Fahrzeuge reduziert werden.
Die nun diskutierten vier Standorte gehen allerdings über diese Vereinbarungen hinaus, weil es dabei um die Zeit nach 2030 geht.
Betriebsrat und IG Metall kündigen Widerstand an
Genau daran entzündet sich der Konflikt mit der Arbeitnehmerseite. Betriebsrat und IG Metall verlangen, dass Volkswagen den deutschen Standorten auch über das Jahr 2030 hinaus eine Perspektive gibt.
Besonders umstritten ist offenbar die Frage, ob der Vorstand einen Standort faktisch auslaufen lassen kann, indem er ihm keine neuen Fahrzeugprojekte mehr zuteilt. Laut „WirtschaftsWoche“ könnte ein solches „Leerlaufen“ im operativen Geschäft möglich sein, ohne dass der Aufsichtsrat einen klassischen Beschluss zur Werksschließung fassen muss.
Für die Arbeitnehmervertreter wäre das eine erhebliche Verschärfung des Konflikts. Die IG Metall hat bereits massiven Widerstand angekündigt.
Entscheidung über VW-Werke ist noch nicht endgültig
Trotz der konkreten Jahreszahlen steht deshalb keineswegs fest, dass Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm tatsächlich geschlossen werden.
Nach aktuellem Stand handelt es sich um die vom Vorstand verfolgte Planung für die heutige Fahrzeugproduktion. Volkswagen selbst spricht öffentlich davon, für Standorte ohne wirtschaftliche Nachfolgeproduktion neue Lösungen finden zu wollen – etwa mit Partnern, Investoren oder anderen industriellen Konzepten. Konzernchef Blume nennt dabei ausdrücklich die Möglichkeit, Standorte außerhalb der klassischen Fahrzeugproduktion weiterzuentwickeln.
In den kommenden Tagen dürfte der Streit die nächste entscheidende Phase erreichen. Ein internes Papier mit dem Titel „Bericht zum Konzeptbeschluss Aufsichtsrat 3./4. September 2026“ soll dem Aufsichtsrat vorgelegt werden.
