Autark campen
: Die besten Tipps für unabhängiges Camping in der Natur

AnzeigeImmer mehr Menschen streben Unabhängigkeit an – so auch beim Camping. Allerdings bedarf es dabei einiger Vorkehrungen, damit einem erfolgreichen Camping-Abenteuer nichts mehr im Wege steht.
Von
rap
Stuttgart

Einer der vielen Gründe für die Leidenschaft zum Campen: die Naturverbundenheit.

Shutterstock/Virojt Changyencham

Unter autarkem Camping versteht man die größtmögliche Selbstversorgung, ohne auf eine zentrale Stromquelle, öffentliche Toiletten oder Lebensmittel angewiesen zu sein. Jedoch lässt sich das autarke Camping nicht mit Wildcamping gleichsetzen. Das ist in den meisten europäischen Ländern, darunter Deutschland, nicht erlaubt. Trotzdem ist es gar nicht so schwer, wie man eventuell denken könnte. Mit ein bisschen Recherche im Vorfeld findet man viele Naturlagerplätze oder Wildcamping-Spots, bei denen die Übernachtung legal ist.

Ist diese kleine Hürde überschritten, sollte man sich über das Equipment Gedanken machen. Was man unbedingt braucht und worauf man beim autarken Camping achten muss gibt es hier.

Campen ohne Strom

Beim Campen ohne feste Stromversorgung stehen Reisende vor der Herausforderung, elektronische Geräte wie Smartphones, Kühlboxen oder Beleuchtung mit Energie zu versorgen. Glücklicherweise gibt es verschiedene Strategien und Technologien, mit denen sich auch fernab von Steckdosen eine zuverlässige Stromversorgung aufbauen lässt.

Egal ob festmontiert oder mobil – Solarpanels sind die perfekte Stromquelle bei Reisen in den Süden.

Shutterstock/Voyagerix

Strom erzeugen mit Solarpanels

Hier hat man die Wahl zwischen einer festmonierten Photovoltaik-Einrichtung, zum Beispiel auf dem Dach des Wohnmobils, und mobilen Solaranlagen. Ersteres ist vor allem geeignet, um die Küchen- und Elektrogeräte im Campingfahrzeug mit Strom zu versorgen. Dabei sorgt der Laderegler dafür, dass sowohl Starter- als auch Bordbatterie des Fahrzeugs geladen werden. Mobile Solaranlagen sind leicht, faltbar und lassen sich simpel am Wohnmobil oder Zelt befestigen. Vor allem eignen sie sich für das Aufladen kleinerer Elektrogeräte wie Smartphones.

Zu den Vorteilen von Solarpanels gehören:

  • einfache Handhabung und Installation
  • sie sind leise und umweltfreundlich
  • Unabhängigkeit vom Stromnetz 
  • flexible Einsetzbarkeit
  • Auf der anderen Seite ist man wetterabhängig – der Winterurlaub in Skandinavien sollte also nicht damit bestritten werden.

    Weitere Informationen und Fakten zum Thema Sonnenenergie fürs Wohnmobil gibt es hier.

    Powerstationen sinnvoll nutzen

    Powerstationen können da helfen, wo Strom Mangelware ist. Durch einen integrierten Akku lassen sich Heizung, Kühlbox und Co. optimal betreiben. Sie können per Steckdose, über Solarpanels oder im Auto geladen werden. Je nach Modell und Energiequelle unterscheiden sich die Ladezeiten. Mit der Steckdose geht es am schnellsten, meist zwischen fünf und zehn Stunden. Mit der Autobatterie liegt die Ladezeit bei etwa acht bis 15 Stunden.

    Je nach Gerät sollte die passende Modellgröße ausgewählt werden. Für Handy oder Kamera reicht eine Kapazität von 150 bis 300 Wattstunden. Für Laptops, Ventilatoren oder kleine Kühlboxen eigenen sich mittelgroße Powerstationen mit 500 bis 700 Wattstunden. Größere Geräte wie die Kaffeemaschine oder das E-Bike-Laden benötigen mindestens 1000 Wattstunden.

    Beim Kauf einer Powerstation solle man unbedingt darauf achten, dass sie ein Display hat – das erleichtert die Planung deutlich. Zudem können manche Modelle erheblich Lärm machen. Es lohnt sich also, einen Blick auf Rezensionen zu werfen. Zuletzt ist es wichtig, dass die Powerstation alle wichtigen Anschlüsse besitzt: USB, zwölf Volt und Schuko-Steckdosen.

    Fahrzeugbatterie zum Laden nutzen

    Es wird wohl kaum etwas so sehr zweckentfremdet, wie der Zigarettenanzünder in Fahrzeugen. Mittlerweile lassen sich alle Geräte damit aufladen, die über einen USB-Anschluss verfügen. Darunter: Smartphones, Tablets, Navigationssysteme, thermoelektrische Kühlboxen und Laptops. Da hier allerdings der Energiebedarf recht hoch ist, benötigt man zusätzlich einen Spannungswandler, um die Zwölf-Volt-Spannung der Autobatterie in die 220 Volt umzuwandeln. Auch eigens für diesen Anschluss konzipierte Haushaltsgeräte, wie zum Beispiel kleine Kaffeemaschinen, können hier Strom tanken.

    Um böse Überraschungen zu vermeiden, sollte die Autobatterie vorher gecheckt werden. Häufig haben Wohnmobile und Campingbusse separate Bordbatterien. Dabei ist es entscheidend, dass die Batterie regelmäßiges Auf- und Entladen verträgt. Besonders geeignet sind AGM- oder Lithium-Batterien. Sollte man auf seiner Route nur kurze Strecken eingeplant haben, und die Batterie damit nicht genügend Zeit zum Aufladen haben, ist ein Booster ratsam. Diese sind im Stromkreislauf zwischen Starter- und Bordbatterie geschalten und stellen sicher, dass die Bordbatterie bei laufendem Motor vollständig geladen wird.

    Gas

    Kochen, kühlen, heizen – zuhause meist mit Strom, beim Campen allerdings eine Sache für gasbetriebene Geräte. Hier ist es wichtig zu wissen, dass maximal zwei 16-Kilogramm-Gasflaschen mitgenommen werden dürfen. Einige Sicherheitsaspekte, die man beachten muss, sind:

  • Dichtheit regelmäßig prüfen: zum Beispiel den Anschluss mit Seifenwasser überprüfen (Bläschenbildung deutet auf ein Leck hin)
  • Lagerung: sicherstellen, dass sich die Gasflaschen während der Fahrt nicht selbständig machen und gut befestigt sind
  • Lüftung: der Ort der Lagerung sollte gut belüftet sein
  • Zertifizierte Geräte verwenden: auf CE- oder DVGW-Siegel achten.
  • Für einen zweiwöchigen Urlaub einer vierköpfigen Familie kommt man mit einer standardmäßigen elf Kilogramm Gasflasche gut zurecht. Für längere Reisen sollte man daher eine Ersatzflasche einpacken.

    Tipps, um Energie beim Camping zu sparen

    Hat man alle Vorkehrungen getroffen, damit das autarke Camping ohne feste Stromversorgung einwandfrei klappt, sollte man dennoch nicht verschwenderisch mit seinen Ressourcen umgehen. Grundlegend gilt es, Geräte wie die Kaffeemaschine, Haartrockner, Klimaanlage oder den Wasserkocher durch energieeffiziente Alternativen auszutauschen oder gar nicht zu benutzen. Was sollte man außerdem beachten?

  • Geräte, die eine Standby-Funktion besitzen, lieber ausschalten.
  • Das Ladekabel nach Gebrauch entfernen.
  • Das Licht so spät wie möglich einschalten.
  • Die Haare lieber an der Luft trocknen lassen.
  • Statt der Kaffeemaschine auf den Gaskocher umsteigen.
  • Den Kühlschrank nur kurz öffnen.
  • Den Verbrauch mit modernen Powerstationen tracken.
  • Tipps für autarkes Wasser-Management

    Neben der Stromversorgung ist die Wasserversorgung die größte Herausforderung beim autarken Camping. Egal ob beim Zähneputzen, Kochen, Duschen oder Geschirr spülen – Frischwasser wird immer benötigt. Während in der Zivilisation der Wasserhahn stets griffbereit ist, müssen Camper fernab von Campingplätzen clever planen und die richtige Ausrüstung mitführen. Glücklicherweise gibt es bewährte Methoden und praktische Lösungen, mit denen sich auch abseits der Infrastruktur eine zuverlässige Wasserversorgung aufbauen lässt.

    Trinkwasser durch Wasserfilter

    Am wichtigsten dürfte sein, immer genug Trinkwasser zur Verfügung zu haben. Pro Person und Tag sollte man mit etwa zwei Litern rechnen. Geht das Trinkwasser auf dem Weg zur Neige, besteht die Möglichkeit, mithilfe von Wasserfiltern Schwebstoffe, Bakterien oder sogar Viren und Protozoen zu entfernen. Durch einen Hohlfaserfilter werden nahezu alle Wasserbakterien entfernt, sodass man getrost aus Flüssen und Seen trinken kann.

    Duschen

    Für Duschen unter freiem Himmel kommen Solarduschen, Kanisterduschen, Duschsäcke oder DIY-Duschen infrage. Insbesondere Solarduschen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Im Grunde handelt es sich um einen schwarzen Plastiksack, der den gesamten Tag in der Sonne hängt und am Abend eine angenehme Wassertemperatur bereitstellt.

    Für alle Camper, die ihre Erholung an einem See oder Fluss mit Bademöglichkeit holen, bietet sich auch der Sprung ins kühle Nass als Alternative zur Dusche an, um Wasser zu sparen. Unabhängig davon, wo man sich wäscht, sollte man allerdings so wenig Seife wie möglich verwenden, da das Duschwasser in der Regel nicht vollständig aufgefangen werden kann. Eine weitere Möglichkeit, um Wasser zu sparen, ist die Katzenwäsche mit einem Waschlappen.

    Solarduschen aus Kunststoff sind die preiswerteste Alternative.

    Shutterstock/DejaVuDesigns

    Weitere Tipps, um Wasser zu sparen

  • Beim Kochen das gleiche Wasser für Kartoffeln und Gemüse verwenden.
  • Das Geschirr des kompletten Tages auf einmal spülen und nicht mehrmals auf den Tag verteilt.
  • Eine Spülschüssel verwenden, damit das Wasser nicht durchgehend laufen muss.
  • Kochgeschirr mit Keramik verwenden, da die Reinigung deutlich leichter ist.
  • Feuchttücher für die Körperpflege benutzen.
  • Haare nur zwei bis drei Mal pro Woche waschen.
  • Dusch- und Regenwasser aufsammeln und zum Beispiel für die Toilette wiederverwenden.
  • Wer noch mehr über Campingduschen erfahren möchte, findet hier eine detaillierte Übersicht.

    Toilettenlösungen für autarkes Camping

    Die meisten Wohnmobile sind bereits mit einer Kassettentoilette ausgestattet, weshalb man sich nur um die Entsorgung kümmern muss. Ist das Wohnmobil allerdings mit keiner ausgestattet oder das Camping-Abenteuer findet im Zelt statt, gibt es zahlreiche Alternativen, die aushelfen.

    Chemietoiletten – der perfekte Kompromiss aus Hygiene, Komfort und Flexibilität.

    Shutterstock/Ocskay Mark

    Beuteltoilette

    Eine Beuteltoilette funktioniert ohne Wasserverbrauch und gehört daher zu den Trockentoiletten. Das System besteht aus einem zusammenklappbaren Gestell oder einem einfachen Eimer, in den ein spezieller Beutel eingehängt wird. Dieser sammelt sowohl feste als auch flüssige Ausscheidungen auf, die anschließend durch saugfähige Pads oder Streumaterial gebunden werden. Dadurch entstehen kaum unangenehme Gerüche. Nach der Benutzung lässt sich der gefüllte Beutel problemlos mit dem Hausmüll entsorgen.

    Trockentrenntoilette

    Eine Trockentrenntoilette verfügt im Inneren über zwei getrennte Auffangbehälter für Urin und Feststoff. Ohne Wasser oder Strom, sondern mit einem Granulat, werden die Hinterlassenschaften aufgesaugt. Auch hier kann der Beutel des Feststoffbehälters im Restmüll entsorgt werden.

    Chemietoilette

    Chemietoiletten zersetzen die Ausscheidungen mit chemisch oder biologisch abbaubaren Sanitärflüssigkeiten. Sie verfügt über einen Abwassertank, den man selbst entleeren kann. Durch einen Spülwassertank muss sie nicht an eine Wasserleitung angeschlossen sein. Mit einer Pumpe wird der Kloinhalt im Anschluss schnellstmöglich und mit wenig Frischwasser entfernt.

    Zerhackertoilette

    Mithilfe von scharfen Messern werden die Ausscheidungen zerkleinert und anschließend durch Flüssigkeit aus dem Grauwassertank in einen Fäkalientank gespült. Der Motor, der die Messer antreibt, wird an das Zwölf-Volt-Bordnetz angeschlossen. Um das ganze wieder loszuwerden, kann man an den Fäkalientank an einer Entsorgungsstation einfach einen Schlauch anschließen, der sich dann um den Rest kümmert.

    Verbrennungstoilette

    Eine Verbrennungstoilette sieht aus wie eine normale Toilette, besitzt jedoch ein Innenleben aus Edelstahl. Statt Wasser oder Chemie nutzt sie Strom oder Gas, um die Hinterlassenschaften rückstandslos zu verbrennen. Zurück bleibt lediglich etwas Asche, die einfach im Restmüll entsorgt werden kann. Damit ist sie eine saubere, wartungsarme Lösung für autarkes Camping.

    Weitere wissenswerte Informationen über Campingtoileten finden Interessierte hier.

    Autarkes Camping bedeutet Unabhängigkeit – vorausgesetzt, man ist gut vorbereitet. Wer auf Solarpanels, Powerstationen und effizientes Wasser-Management setzt, kann auch fernab der Zivilisation komfortabel und nachhaltig unterwegs sein. Die Wahl der richtigen Toilette, ein sparsamer Umgang mit Ressourcen und ein durchdachtes Energiemanagement sind dabei essenziell. Und falls doch etwas nicht nach Plan verlaufen sollte, ist man dennoch um eine Erfahrung und Erinnerung reicher.