Camping
: Backpacking mit Zelt - was ist wichtig?

AnzeigeEin Rucksack, ein Zelt und ein paar Tage Freiheit: Backpacking mit Zelt ist Abenteuer pur - aber die richtige Ausstattung entscheidet, ob das Abenteuer gut oder schlecht verläuft.
Von
Kendra
Stuttgart
Backpacking: ein Stückchen Freiheit.

Backpacking: ein Stückchen Freiheit.

Shutterstock/everst

Morgens das Zelt öffnen und statt Hotelflur direkt Wald, Berge oder See sehen – das Backpacking mit Zelt hat seinen ganz eigenen Reiz. Kein fester Reiseplan, kein lästiger Koffer und oft auch kein WLAN. Dafür gibt es jede Menge Natur, neue Wege und ganz viel Freiheit.

Ganz ohne Planung funktioniert das allerdings nicht. Denn spätestens nach den ersten Kilometern zeigt sich: Jedes zusätzliche Kilo im Rucksack zählt. Gleichzeitig gibt es ein paar Dinge, bei denen Sparsamkeit keine gute Idee ist. Ein zuverlässiges Zelt, ausreichend warme Schlafausrüstung, Wasser und eine funktionierende Navigation müssen unbedingt zur Grundausstattung dazu gehören.

Die wichtigste Regel: Nicht zu viel einpacken

Beim ersten Backpacking-Abenteuer ist die Versuchung groß, für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Noch ein Pullover, ein zweites Paar Schuhe, ein großes Handtuch, ein Buch und vielleicht doch noch eine zusätzliche Hose. Aus einem überschaubaren Rucksack wird so schnell ein Schwergewicht.

Beim Packen hilft deshalb eine einfache Frage: Was wird wirklich gebraucht? Multifunktionale Ausrüstung ist beim Backpacking besonders praktisch. Eine leichte Trekkinghose kann beispielsweise auch als lange Hose für den Abend dienen, ein Buff ersetzt je nach Wetter Schal, Mütze oder Stirnband und ein kleines Mikrofaserhandtuch nimmt deutlich weniger Platz ein als ein normales Duschtuch.

Backpacking-Packliste: Das gehört in den Rucksack

Eine gute Packliste ist die halbe Miete. Was genau benötigt wird, hängt natürlich von Route, Jahreszeit und Region ab. Die folgende Grundausstattung ist für viele Touren ein guter Ausgangspunkt.

Schlafen

  • Zelt inklusive Heringen und Abspannleinen
  • Schlafsack passend zur erwarteten Temperatur
  • Isomatte
  • kleines Campingkissen oder aufblasbares Kissen

Kleidung

Beim Backpacking kann das Wetter schnell umschlagen. Statt einen dicken Pullover für jede Temperatur mitzuschleppen, funktioniert das Zwiebelprinzip meist besser.

In den Rucksack gehören je nach Tour:

  • Unterwäsche
  • Funktionsshirts
  • Wandersocken
  • Trekkinghose
  • leichte Shorts
  • Fleece
  • leichte Isolationsjacke
  • Regenjacke
  • eventuell Regenhose
  • Schlafkleidung
  • Sonnenhut oder Kappe
  • Mütze und leichte Handschuhe bei kühleren Temperaturen

Bei mehrtägigen Touren muss nicht für jeden Tag ein komplett neues Outfit eingepackt werden. Funktionskleidung lässt sich unterwegs waschen und trocknet meist schnell.

Essen und Trinken

Auf einer längeren Tour wird schnell deutlich, wie viel Energie der Körper tatsächlich benötigt. Gleichzeitig soll das Essen möglichst wenig wiegen.

Gut geeignet sind deshalb leichte Lebensmittel mit hoher Energiedichte, etwa:

  • Haferflocken
  • Nudeln
  • Reis
  • Brot
  • Nüsse
  • Trockenfrüchte
  • Müsliriegel
  • haltbare Aufstriche
  • Fertiggerichte

Für die Zubereitung reichen meist ein kleiner Kocher, ein Topf und Besteck. Luxusartikel wie eine komplette Campingküche dürfen zu Hause bleiben.

Noch wichtiger als das Abendessen ist die Wasserversorgung. Vor der Tour sollte geklärt werden, wo Wasser verfügbar ist und ob es gefiltert oder anderweitig aufbereitet werden muss. Ein Wasserfilter kann auf längeren und abgelegenen Strecken sehr praktisch sein.

Orientierung

Das Smartphone ist beim Backpacking praktisch – als Karte, Kamera, Wetter-App und für den Notfallkontakt. Auch den Standort mit einer Vertrauensperson zu teilen kann sinnvoll sein. Trotzdem sollte die gesamte Navigation nicht davon abhängen.

Denn wenn der Akku leer geht, es keinen Empfang gibt oder das Handy kaputt geht kann aus einer entspannten Wanderung schnell eine blöde Situation werden.

Sinnvoll sind deshalb:

  • Offline-Karten
  • Powerbank
  • Ladekabel
  • Papierkarte
  • Kompass
  • GPS-Gerät
  • Stirnlampe

Erste Hilfe und kleine Notfälle

Beim Backpacking darf die Reiseapotheke klein bleiben – ganz fehlen sollte sie aber nicht.

Eine kompakte Auswahl:

  • Pflaster
  • Blasenpflaster
  • kleines Erste-Hilfe-Set
  • Desinfektionsmittel
  • persönliche Medikamente
  • Schmerzmittel
  • Rettungsdecke
  • Pinzette oder Zeckenzange
  • Sonnencreme
  • Insektenschutz

Gerade Blasen können eine Tour ziemlich schnell ausbremsen. Ein paar Blasenpflaster nehmen kaum Platz weg und können unterwegs Gold wert sein.

Hygiene

Das Badezimmer passt beim Backpacking in eine kleine Tasche. Zahnbürste und Zahnpasta gehören natürlich dazu. Dazu kommen je nach Bedarf:

  • kleines Mikrofaserhandtuch
  • Toilettenpapier
  • biologisch abbaubare Seife
  • Desinfektionsmittel
  • persönliche Hygieneartikel
  • eventuell Feuchttücher

Bei längeren Touren sollte außerdem immer eine Möglichkeit für die Entsorgung von Müll eingeplant werden. Was mit in die Natur genommen wird, kommt auch wieder mit zurück.

Wo darf das Zelt stehen?

Ein wichtiger Punkt, der bei der Planung gerne unterschätzt wird: Wildcampen ist nicht überall erlaubt. Die Regelungen unterscheiden sich je nach Land und teilweise sogar von Region zu Region. In Naturschutzgebieten und Nationalparks gelten häufig besondere Vorschriften. Auch zwischen Übernachten im Zelt, Biwakieren und einer einmaligen Notübernachtung können rechtlich Unterschiede bestehen.

Wettercheck

Sonne auf dem Parkplatz bedeutet noch lange nicht, dass es am Abend auf dem Berg genauso aussieht. Wetter, Temperaturen und mögliche Gewitter sollten deshalb vor und während der Tour im Blick bleiben.

Besonders relevant sind:

  • Temperatur in der Nacht
  • Regenwahrscheinlichkeit
  • Gewitterrisiko
  • Wind
  • Schneelage in höheren Regionen
  • Wasserstände bei Flussquerungen

Ein gutes Zelt schützt zwar vor Regen, ersetzt aber keine Wetterplanung. Bei extremen Bedingungen sollte die Route entsprechend angepasst oder die Tour verschoben werden.

Der Rucksack: Gewicht clever verteilen

Nicht nur das Gesamtgewicht, sondern auch die Verteilung macht einen Unterschied. Schwere Ausrüstung wie Kocher, Lebensmittel oder Wasser sollte möglichst körpernah und ungefähr mittig im Rucksack verstaut werden. Leichte Dinge können weiter unten oder außen Platz finden.

Alles, was regelmäßig gebraucht wird, sollte schnell erreichbar sein. Regenjacke, Snacks, Wasser oder Stirnlampe gehören deshalb besser nicht ganz nach unten unter das Zelt und den Schlafsack.

Vor der großen Tour: einmal Probe packen

Ein kompletter Testlauf kann einige Überraschungen verhindern. Rucksack packen, Zelt aufbauen, Kocher ausprobieren und anschließend eine längere Runde mit voller Ausrüstung laufen. Dabei zeigt sich schnell: Ist der Rucksack bequem? Ist das Zelt wirklich schnell aufgebaut? Reicht die Isomatte für eine angenehme Nacht? Wie viel Wasser wird tatsächlich benötigt? Und vor allem: Muss wirklich alles mit? Gerade beim ersten Trip lässt sich auf diese Weise einiges an Gewicht einsparen.