Kompass und Karte
: Wie kann man sich in der Natur orientieren?

AnzeigeKarte, Kompass, GPS oder Smartphone – welche Navigationsmethode in der Natur wirklich zuverlässig ist und warum analoges Orientierungswissen unverzichtbar bleibt.
Von
leane
Stuttgart

Unterwegs mit Karte und Kompass.

Shutterstock/Rawpixel.com

Mitten im Wald und plötzlich ist die Orientierung weg. Der Handyakku ist leer, das Netz längst weg. Was nun?

Genau in solchen Momenten entscheidet Orientierungswissen über Sicherheit oder Gefahr. Immer mehr Menschen verbringen ihre Freizeit in der Natur – doch kaum jemand weiß noch, wie man eine Karte liest oder einen Kompass benutzt. Dabei können diese Fähigkeiten im Ernstfall lebensrettend sein.

Wieso ist es wichtig, sich in der Natur orientieren zu können?

Tief in uns ist ein Sicherheitsbedürfnis verankert. Wir möchten die eigenen Grundbedürfnisse, wie Gesundheit, Nahrungsaufnahme, Wasserversorgung und ausreichend Schlaf erfüllen. Doch in unvorhersehbaren Notsituationen können wir auf die Probe gestellt werden. Camper oder Wanderer kommen immer häufiger vom Weg ab, verlaufen sich und finden nicht mehr zurück. Eine geschulte Orientierungsfähigkeit verhindert ein solches Risiko. Mit modernen Apps schaffen es die meisten Menschen, sich zu orientieren. Aber mit Karte und Kompass kann heute nicht jeder umgehen. Dabei werden gerade diese Tools in manchen Situationen zu Lebensrettern.

Wer mit Karte und Kompass unterwegs ist, kann sich erlauben, auch abseits der ausgeschilderten Wanderwege unterwegs zu sein, ohne sich sorgen zu müssen, den Weg zurück nicht zu finden. Gerade der Kompass steht häufig für Abenteuerlust und Naturverbundenheit.

Die Navigation in der Natur ist mit verschiedenen Hilfsmitteln möglich: Navigation mittels Satelliten also beispielsweise über GPS, Navigation mit einer Karte, einem Kompass oder mit dem Smartphone. Welche Vorteile jedes Tool mitbringt und wie man Karte oder Kompass richtig nutzt, wird im Folgenden erklärt.

Navigation mit einer Karte

Eine der sichersten Methoden, sich zu orientieren, ist die Nutzung einer Karte. Denn Technik kann versagen. Kommt Wasser ans Gerät, ist der Akku leer oder geht es kaputt, ist man auf sich gestellt ohne technische Unterstützung. Für diesen Fall ist es hilfreich, mit einer Karte navigieren zu können. Bei der Wahl der Karte sollten Camper auf den passenden Maßstab achten, denn je größer der Kartenausschnitt ist, desto weniger Details sind in der Regel verzeichnet. Kleine Maßstäbe bieten eine größere Übersicht, sind aber ungenauer. Es gibt verschiedene Arten von Karten, zugeschnitten auf die individuellen Bedürfnisse und Fortbewegung:


  • Auto-Karten
  • Fahrradkarten
  • Wanderkarten
  • Gewässerkarten
  • Stadtpläne
  • In ihnen sind je nach Verwendungszweck auch Routen wie Fahrrad- und Wanderwege, Aussichtspunkte oder verschiedene Straßenarten verzeichnet.

    Die Vorteile einer Karte sind die gute Übersicht, das geringe Gewicht und dass sie keine Energie benötigt. Zum Nachteil wird im Gegensatz zum Smartphone oder GPS-Gerät, dass man seine Position selbst bestimmen muss, dass eine Karte nicht einfach selbst konfiguriert werden kann und der Ausschnitt statisch ist. Eventuell benötigt man für eine Tour auch mehrere Karten. Ist es dunkel und es steht keine Lichtquelle zur Verfügung, ist eine Karte leider unbrauchbar.

    Wie liest man eine Karte?

    Wer eine Karte richtig verstehen möchte, sollte sich im ersten Schritt mit der Legende vertraut machen. Auch der Maßstab der Karte spielt eine entscheidene Rolle. Bei einem Maßstab von 1:50.000 entspricht beispielsweise ein Zentimeter auf der Karte 500 Metern in Wirklichkeit. Auch das Gitternetz auf der Karte hilft, um Entfernungen besser einschätzen zu können. Bei einem Maßstab von 1:25.000 mit Quadraten einer Größe von vier auf vier Zentimeter entspricht die Länge eines Quadrates einem Kilometer. So spart man sich detailliertes Abmessen. Für gewundene Wege empfiehlt es sich, eine Schnur parat zu haben, die man an der Route entlanglegen kann.

    Die hellbraune Farbe zeigt in topografischen Karten häufig das Höhenprofil an. Wenige Linien zeigen flaches Gelände an, während viele Linien auf steileres Terrain hindeuten. Je näher die Linien beieinander liegen, desto steiler ist das Gelände. Rundliche Linien, die enger werden, zeigen einen Berg oder Hügel an. Linien, die wie ein Trichter zusammenlaufen, weisen auf ein Tal oder eine Senke hin. Knicke in Höhenlinien zeigen an, dass sich hier Felsen befinden können oder Geländewechsel vorliegt.

    Dicke Linien zeigen Straßen und Hauptwege, während gestrichelte Linien Wanderwege oder Trampelpfade verzeichnen. Blaue Linien und Flächen zeigen Bäche, Flüsse und Seen. Gebäude, Hütten oder Aussichtspunkte sind häufig in Form von schwarzen Rechtecken dargestellt, während Wegweiser oder Gipfelpunkte als Kreuze oder Punkte eingezeichnet sind.

    Karten sind immer nach Norden ausgerichtet. Um sich Orientierung zu verschaffen, hält man die Karte in Leserichtung vor sich und sucht dann nach einem markanten und sichtbaren Orientierungspunkt in der Umgebung, der auf der Karte eingezeichnet ist. Anschließend stellt man sich eine Linie zwischen dem Orientierungspunkt vor einem und dem eingezeichneten auf der Karte vor. Dann kann man die Karte drehen, sodass die imaginäre Linie exakt im 90-Grad-Winkel auf das Ziel zeigt, das man erreichen möchte.

    Orientierung mit einem Kompass

    Ein Kompass hilft, die eigene Position zu bestimmen und herauszufinden, in welche Richtung man gehen muss. Von der Kompassrose mit der magnetischen Nadel liest man die Himmelsrichtungen ab. Die Kompassnadel richtet sich nach dem Magnetfeld der Erde aus und zeigt deshalb stets auf den magnetischen Nordpol (das ist nicht dasselbe wie der geografische Nordpol). Es gibt Kompasse, die für die Nutzung auf der Nordhalbkugel gemacht sind und welche, die auf der Südhalbkugel genutzt werden können. Wer beide Eigenschaften vereinen möchte, muss einen Global-Kompass kaufen.

    Es gibt verschiedene Kompass-Arten, die unterschiedliche Zwecke erfüllen:


  • Plattenkompass: Wird auch Karten- oder Basis-Kompass genannt und eignet sich ideal für Wanderer. Er kann direkt auf die Karte gelegt werden, dann richtet man den Richtungspfeil aus und kann die Marschrichtung bestimmen.
  • Spiegelkompass: Eignet sich für Aktivurlauber, die häufiger in anspruchsvollem Gelände unterwegs sind. Er ermöglicht besonders präzise Peilung über große Distanzen.
  • Daumenkompass: Orientierungsläufer oder Mountainbiker nutzen Daumenkompasse. Man trägt sie am Daumen und kann so schnell beim Laufen oder Fahren die Richtung wechseln, ohne die Orientierung zu verlieren. Für klassische Wanderungen ist er nicht geeignet.
  • Doch wie benutzt man einen Kompass richtig?

    In erster Linie sollte der Kompass richtig gehalten werden. Dafür hält man ihn etwa Brusthoch, wageerecht und hält dabei beide Ellenbogen am Körper. Es gibt verschiedene Methoden, mit denen sich die eigene Position bestimmen lässt. Bei der Kreuzpeilung legt man eine Karte vor sich und sucht sich zwei markante Punkte in der Landschaft. Hierfür eignen sich Berggipfel, Burgen, Masten oder ähnliches – diese Orientierungspunkte müssen sowohl in der eigenen Umgebung zu sehen als auch auf der Karte verzeichnet sein. Dann hält man den Kompass in Peilrichtung auf einen dieser Punkte. Anschließend dreht man den Kompass so lange, bis die Nordspitze der Nadel über der Nordmarke, die durch den roten Pfeil markiert ist, liegt. Die Gradzahl zeigt den Winkel zu dem angepeilten Punkt an.

    Nun kann man den Winkel auf die Karte übertragen, in dem man den Kompass mit der Anlegekante direkt auf den angepeilten Punkt auf der Karte legt. Nun dreht man den gesamten Kompass so lange, bis die Nordspitze auf der Nordmarke liegt und zeichnet eine Linie entlang der Anlegekante auf der Karte ein. Dieses Vorgehen wiederholt man mit dem zweiten Orientierungspunkt. Wo sich die beiden Linien kreuzen, befindet sich die eigene Position. Einen umfangreichen Guide zum Umgang mit einem Kompass finden Interessierte unter anderem bei Team Survival.

    Die Vorteile eines Kompasses sind das geringe Eigengewicht, die Unabhängigkeit von Strom und seine Robustheit. Schwieriger ist mit ihm die genaue Positionsbestimmung. Er ist schwieriger zu nutzen als eine Karte und mit der Zeit wird er unter Umständen aufgrund der magnetischen Deklination ungenau.

    Wer einen Kompass nutzt, sollte darauf achten, dass keine Gegenstände aus Eisen oder Metall in der unmittelbaren Umgebung sind. Das könnte die Ausrichtung der Nadel beeinträchtigen. So hält man zu Handy, Powerbank, Auto, Zäunen oder Schienen etwa fünf bis zehn Meter Abstand.

    Navigieren mit GPS-Gerät

    In manchen Regionen stellt ein GPS-Gerät die sicherste Navigationsmöglichkeit dar. Erschwert Nebel beispielsweise die Sicht, ist man in der Regel mit Kompass und Karte aufgeschmissen. In Regionen mit schlechtem Internetzugang hilft ein Smartphone nicht mehr bei der Orientierung. Wer auf ein Iridium-fähiges Gerät setzt, muss sich außerdem nicht auf das Mobilfunknetz verlassen, sondern profitiert vom weltweiten Iridium-Satellitennetzwerk.

    GPS bedeutet Global Positioning System. Entwickelt wurde das GPS in den 80er Jahren in Amerika. Mehr als 30 Satelliten, die sich in der Erdumlaufbahn befinden, bieten Nutzern eine herausragende Standortgenauigkeit. Diese Satelliten können von einem GPS-Gerät angesteuert werden und senden ihre Position sowie die Uhrzeit per Funksignal. Zur genauen Ortung benötigt man Signale von drei verschiedenen Satelliten, um die Position zu bestimmen. Je mehr Satelliten ein Signal senden, desto genauer wird der Standort bestimmt.

    Zu den Vorteilen eines GPS-Geräts zählen die lange Akku-Laufzeit und die Austauschbarkeit der Energiequelle, der zuverlässige GPS-Empfang, das vorinstallierte Basis-Kartenmaterial, praktische Zusatzfunktionen, sowie die individuelle Konfigurierbarkeit. Das Gewicht wird zum Nachteil des Geräts, ebenso wie die nötige Einarbeitung und die Anschaffungskosten. Zusätzliches Kartenmaterial kann häufig kostenpflichtig sein und zum Routenimport ist meist ein Zweitgerät nötig.

    Navigation mit dem Smartphone

    Wer sich unterwegs mit der Navigation des Smartphones orientieren möchte, ist auf Internetempfang angewiesen. Besonders in Städten eignen sich Smartphones zur Navigation, da häufig auch interessante Informationen wie öffentliche Verkehrsmittel angezeigt werden. Wird der Handyempfang schlechter, sieht es auch für die Navigation mau aus. Denn die Ortung findet hier in der Regel über Assisted GPS statt, das mittels Ortung über das Mobilfunknetz funktioniert.

    Welche Smartphone-Apps helfen bei der Navigation?

    Neben den beliebtesten Apps wie Google Maps oder Apple Karten finden sich zahlreiche Navigations-Apps für Outdoor-Fans im App-Store. Apps wie Outdooractive, Komoot oder Topo GPS stellen kostenpflichtige Offline-Karten zur Verfügung, die man auch ohne Internetempfang nutzen kann. Auch bei HERE WeGo kann man weltweit Offline-Karten herunterladen, ob für den Urlaub oder Baden-Württemberg. Ideal für Offline-Routen zum Wandern oder Radfahren eignet sich auch OsmAnd, deren Karten auf OpenStreetMap basiert. 

    Wer mit dem Smartphone navigiert, muss kein anderes Tool extra anschaffen und kann es angenehm bedienen. Zahlreiche kostenlose Apps helfen bei der Navigation und Zusatzwissen ist nicht nötig. Jedoch haben Handys einen sehr hohen Energieverbrauch, weshalb man für Stromnachschub sorgen muss. Das GPS ist im Vergleich zur GPS-Geräten dürftig.