El Niño 2026: Welche Auswirkungen hat er auf Deutschland?

El Niño 2026 könnte Wetter, Winter und Preise in Deutschland beeinflussen. Welche Folgen möglich sind und was Experten bislang erwarten.
JOHAN ORDONEZ/AFPIm tropischen Pazifik entwickelt sich derzeit ein ungewöhnlich starkes El-Niño-Ereignis. Mehrere internationale Wettermodelle gehen davon aus, dass es sich bis zum Jahresende weiter verstärken könnte. Teilweise ist von einem „Super-El-Niño“ die Rede. Wissenschaftler sprechen allerdings eher von einem starken oder sehr starken Ereignis. Für Deutschland sind die möglichen Folgen weniger eindeutig als für Länder rund um den Pazifik. Auswirkungen auf Hitze, Winterwetter und Lebensmittelpreise sind möglich. Konkrete Wetterprognosen lassen sich daraus aber noch nicht ableiten.
Was ist El Niño?
El Niño tritt etwa alle zwei bis sieben Jahre auf. Dabei erwärmt sich das Oberflächenwasser im zentralen und östlichen tropischen Pazifik ungewöhnlich stark. Normalerweise treiben Passatwinde warmes Wasser in Richtung Indonesien und Australien. Vor der Küste Südamerikas steigt dafür kaltes Tiefenwasser auf. Während eines El Niño schwächen sich die Passatwinde ab. Das warme Wasser verlagert sich zurück nach Osten und verändert dadurch Meeresströmungen, Luftdruckgebiete und globale Windmuster. Die Folgen fallen regional sehr unterschiedlich aus. In Peru und Ecuador können Starkregen und Überschwemmungen zunehmen, während in Teilen Australiens, Südostasiens, Afrikas und Südamerikas Dürren, Hitze und Waldbrände drohen.
Das Gegenstück zu El Niño heißt La Niña. Dabei ist das Oberflächenwasser im zentralen und östlichen Pazifik ungewöhnlich kühl, während die Passatwinde meist stärker ausgeprägt sind. Dadurch verstärken sich die normalen Zirkulationsmuster. Warmes Wasser wird stärker nach Westen gedrückt und vor der Küste Südamerikas steigt vermehrt kaltes Tiefenwasser auf. Auch La Niña kann das Wetter weltweit beeinflussen und je nach Region Dürren, Starkregen oder andere Extremwetterlagen begünstigen. El Niño und La Niña bilden zusammen die sogenannte El Niño-Southern Oscillation und wechseln sich wie die Phasen eines natürlichen Klimapendels ab.
El Niño könnte 2026 besonders stark ausfallen
Nach Angaben des Deutschlandfunks lagen die Temperaturen im wichtigsten Pazifik-Messgebiet zuletzt rund 1,2 Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Näher an Südamerika wurden Abweichungen von bis zu 2,7 Grad gemessen. Die US-Wetterbehörde NOAA rechnet mit einer Wahrscheinlichkeit von 81 Prozent, dass El Niño zwischen Oktober und Dezember 2026 besonders stark wird. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 97 Prozent könnte das Ereignis bis mindestens Frühjahr 2027 anhalten. Einige Modelle sagen sogar Abweichungen von drei bis örtlich vier Grad voraus. Ob diese hohen Werte tatsächlich erreicht werden, ist jedoch noch unsicher.
Verstärkt El Niño die Hitze in Deutschland?
El Niño verursacht einzelne Hitzewellen in Deutschland nicht direkt. Das Klimaphänomen kann die globale Durchschnittstemperatur aber zusätzlich erhöhen. In Deutschland wird einen Effekt von etwa 0,1 bis 0,2 Grad erwartet. In einem ohnehin durch den Klimawandel aufgeheizten Klimasystem können solche zusätzlichen Zehntelgrade relevant sein. Hitzewellen können stärker ausfallen und neue Temperaturrekorde werden wahrscheinlicher. Die Hitze wird in Deutschland also nicht durch El Niño ausgelöst, kann durch das Phänomen aber verstärkt werden.
Wird der Winter 2026/27 kalt?
Für den kommenden Winter gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Experten gehen davon aus, dass ein starker El Niño den Polarwirbel über der Arktis schwächen könnte. Dieser hält normalerweise kalte Luft in den nördlichen Breiten fest. Wird er instabil, kann Polarluft weiter nach Süden gelangen. Kommt zusätzlich eine plötzliche Stratosphärenerwärmung hinzu, wären Kälteeinbrüche und Schnee bis in tiefe Lagen möglich. Entscheidend wäre jedoch der Zeitpunkt. Eine Störung im Januar könnte winterliches Wetter begünstigen, eine Störung im März käme für einen echten Wintereinbruch meist zu spät. Ein kalter Winter ist deshalb keineswegs sicher. Nach dem starken El Niño 2015/16 verlief der Winter in Deutschland deutlich zu mild. Einen wissenschaftlichen Konsens über die Auswirkungen von El Niño auf Europa gibt es nicht. Für das deutsche Wetter sind der Nordatlantik, der Jetstream und regionale Druckverhältnisse wichtiger als der tropische Pazifik allein.
Indirekte Folgen für Deutschland
Wahrscheinlicher als eine eindeutige Wetterwirkung sind wirtschaftliche Folgen. El Niño kann weltweit Ernten beeinträchtigen und dadurch Preise steigen lassen. Besonders betroffen könnten Kaffee, Kakao und Zucker sein. Dürren, Überschwemmungen und Waldbrände in wichtigen Anbaugebieten können die Produktion verringern und Lebensmittel in Deutschland verteuern. Auch Energieversorgung und Handelswege können unter Druck geraten.
In Ländern, die stark von Wasserkraft abhängig sind, können niedrige Wasserstände zu Stromengpässen führen. Weniger Niederschlag könnte zudem den Betrieb des Panamakanals beeinträchtigen und internationale Lieferketten belasten. Der Deutsche Wetterdienst weist außerdem darauf hin, dass El Niño die tropische Wirbelsturmaktivität verändert. Im östlichen Pazifik können häufiger starke Hurrikane entstehen, während die Aktivität im Atlantik tendenziell abnimmt. Eine direkte Sturmprognose für Deutschland ergibt sich daraus jedoch nicht.
