Es könnte wieder passieren
: Führten vorbeifliegende Mini-Planeten zu Massensterben in der Erdgeschichte?

In der Erdgeschichte gab es mehrere Massenaussterben. Die Ursachen sind bisher noch nicht vollständig geklärt. Könnten auch nahe an der Erde vorbeifliegende große kosmische Objekte dafür verantwortlich gewesen sein?
Von
Markus Brauer
Rom
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Ein kosmisches Objekt, größer als ein Asteroid, bahnt sich seinen Weg durch das Universum.

Ein kosmisches Objekt, größer als ein Asteroid, bahnt sich seinen Weg durch das Universum.

Imago/StockTrek Images
  • Neue Hypothese: Nahe Vorbeiflüge planetenähnlicher Objekte könnten Aussterben auslösen.
  • Perm-Trias-Ereignis rottete fast alle Meeresarten aus – Flutbasalte in Sibirien als Ursache.
  • Fargion: Gezeitenkräfte solcher Brocken könnten Tsunamis, Gezeiten und Vulkane verursachen.
  • Er fordert Himmelsdurchmusterung und frühe Warnungen, um Risiken rechtzeitig zu erkennen.
  • Zitate erinnern an Gelassenheit – was geschehen soll, wird geschehen, heißt es im Artikel.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Asteroiden, Meteore, Supervulkane: Das Leben auf der Erde ist durch vielfältige Mega-Ereignisse bedroht. Glücklicherweise sind diese selbst in erdgeschichtlichen Dimensionen äußerst selten. Doch es gab sie: Massenaussterben, mehrere sogar.

Veränderungen der Atmosphäre, Sauerstoffmangel in den Ozeanen und ähnliche Prozesse, durch die sich die Umwelt schnell verändert hat, lösten sie aus. Und - erst kürzlich von Forschern entdeckt auch durch metamorphe Prozesse (metamorph: umgestaltend, die Gestalt wandelnd), durch die Schwefel aus der Atmosphäre freigesetzt wurde.

Globale Folgen des Sibirischen Trapp

Das größte bekannte Massenaussterben, das Perm-Trias-Massenaussterben vor rund 252 Millionen Jahren, hatte 96 Prozent aller Meeresarten und 70 Prozent der Landtierarten ausgerottet. Ursache für das größte Massensterben in der Erdgeschichte waren Vulkanausbrüche im heutigen Russland – und in der Folge gigantische Treibhausgas-Emissionen und umkippende Meere.

Ein gigantischer Flutbasalt - Trapp genannt - aus extrem dünnflüssiger basaltischer Lava überzog die Landschaft und gestaltete das heutige Sibirien. Das Sibirische-Trapp-Ereignis setzte rund 40 000 Gigatonnen Kohlenstoff frei, so dass das globale Klima kollabierte. Die Folge war ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um fünf bis zehn Grad Celsius. Dieser Klimaschock führte zum größten Artensterben der Erdgeschichte.

Es dauerte mehrere Millionen Jahre, bis sich die Fauna und Flora an Land und in den Meeren von diesem Ereignis erholt hatte. Während dieser Regenerationsperiode war das Kohlenstoff-Klima-Regulierungssystem der Erde wahrscheinlich schwach und ineffizient, was zu einer langfristigen Klimaerwärmung führte.

Asteroiden nähern sich in dieser Illustration der Erde.

Asteroiden nähern sich in dieser Illustration der Erde.

Imago/Panthermedia

Welche Rolle die Gravitation kosmischer Objekte spielt

Nun meint ein italienischer Wissenschaftler eine neue mögliche Ursache für das große Sterben in den Erdzeitaltern gefunden zu haben. Daniele Fargion von der Università degli Studi La Sapienza di Roma hat die Theorie aufgestellt, nach der nicht nur große Asteroiden-Einschläge zu Massenaussterben geführt haben könnten, sondern auch die Gezeitenwirkung von großen Objekten in der Nähe des Planeten.

Laut seiner neuen Hypothese könnten planetenmassereiche Objekte aus dem äußeren Sonnensystem mit verheerenden Auswirkungen nahe an der Erde vorbeigeflogen sein. Sie könnten durch ihre hohe Gravitation einen enormen Einfluss auf den Planeten haben und Tsunamis, gewaltige Gezeiten und Vulkanausbrüche ausgelöst haben, die über Jahre andauerten.

Fallenden Feuerkugeln in einer dystopischen Landschaft.

Fallenden Feuerkugeln in einer dystopischen Landschaft.

Imago/Chromorange

Bisherige Erklärungen reichen nicht

Alle bekannten Massenaussterben der letzten 600 Millionen Jahre seien, so Fargion, parallel mit katastrophalen klimatischen Veränderungen, Asteroideneinschlägen und Vulkanausbrüchen aufgetreten. Wie er erklärt, ist es aber schwer zu belegen, dass diese Ereignisse tatsächlich die Massenaussterben verursacht haben.

So sei das Perm-Trias-Massenaussterben vor rund 252 Millionen Jahren, bei dem ein Großteil aller Meeresarten und Landtierarten von der Erde verschwand, weder durch einen Asteroiden-Impact  noch durch eine Iridium-Anomalie zu erklären.

Dem römischen theoretischen Physiker zufolge könnten es im äußeren Sonnensystem eine Vielzahl an Objekten geben, die ähnlich groß sind wie der Zwergplanet Pluto. Sie bewegten sich auf langgestreckten Bahnen und würden von der Gravitation in das Innere Sonnensystem gelenkt. Dadurch könnte es zu direkten Zusammenstößen mit Planeten wie der Erde kommen.

Doch auch wenn es nicht zu einem Impact käme und die Objekte vorbeifliegen würden, könnte die Gravitation des Objekts auf der Erde eine so starke Gezeitenwirkung auslösen, dass es zu einem Massenaussterben kommt.

Bei so einem Brocken, käme jede Hilfe für die Menschheit zu spät.

Bei so einem Brocken, käme jede Hilfe für die Menschheit zu spät.

Iago/Panthermedia

Risiko für kommendes Massenaussterben?

Nun liegt das Perm-Trias-Massensterben schon eine Zeit zurück. Besteht also für die Menschheit und ihre künftige Entwicklung keine Gefahr mehr? Das sieht Fargion nicht so. Denn das Risiko für kommende Massenaussterben ist nicht dadurch inexistent, weil es seit Millionen keines mehr gab. Das letzte große Massenaussterben der Erdgeschichte ereignete sich vor etwa 66 Millionen Jahren am Übergang von der Kreidezeit zum Tertiär. Es ist vor allem durch das Aussterben der Dinosaurier bekannt.

Wenn Fargios Theorie zutrifft, könnte es demnach passieren, dass erneut planetenmassereiche Objekte die Erde passieren und durch ihre enorme Gravitation globale Tsunamis und gewaltige Gezeiten auslösen, die über mehrere Jahre andauern. Sie könnten zudem die Erdkruste verformen und eine Gezeitenheizung im Inneren des Planeten auslösen, die zu massiven Vulkanausbrüchen führen würde.

„Die sich daraus ergebenden Lehren für uns Menschen, um ein solches mögliches Aussterben zu verhindern, sind: Eine gründliche Himmelsdurchmusterung, um schwächste ferne Zwergplanetenquellen zu finden. Sobald sie entdeckt sind, die eintreffenden Ereignisse so früh wie möglich zu melden“, erläutert Fargion.

Illustration des Perm-Trias-Massensterbens vor 252 Millionen Jahren.

Illustration des Perm-Trias-Massensterbens vor 252 Millionen Jahren.

Dawid Adam Iurino/PaleoFactory/Sapienza University of Rome/Geomar

Vorbereiten auf den Ernstfall

Der Physiker rät - ähnlich wie der britische Physiker Stephen Hawking (1942-2018) - angesichts der potenziellen Gefahr von Objekten, die größer als gewöhnliche Asteroiden sind und somit nicht durch technische Manöver von ihrer Flugbahn abgelenkt werden können, zu Vorbereitungsmaßnahmen. Durch sie könnte zwar nur einen kleinen Teil der Menschen gerettet werden, doch das Aussterben der gesamten Menschheit würde verhindert werden.

Und was dann? Auch wenn man um ein künftiges Ereignis weiß, kann man es doch nicht verhindern. Vor allem, wenn es um ein Ereignis von kosmischer Größenordnung geht. Der indische Weisheitslehrer Ramana Maharshi (1879-1950) hatte für solche ausweglosen Fällen einen guten Rat parat:

„Was nicht geschehen soll, wird niemals geschehen, wie sehr man sich auch darum bemüht. Und was geschehen soll, wird bestimmt geschehen, wie sehr man sich auch anstrengt, es zu verhindern. Das ist gewiss. Weise zu sein bedeutet daher, still zu bleiben.“

Oder um es mit Charlton Heston in seiner berühmten Rolle als General Charles George Gordon in dem US-Historienepos „Khartoum“ (1966) über die Belagerung von Khartum im Jahr 1884/1885  zu sagen: „What is to be, will be“ - „Was geschehen soll, soll geschehen“.