Folgen des Klimawandels: Zerstörungen durch Waldbrände in Europa könnten sich verdreifachen

Dichter Rauch ist während eines Waldbrandes am Rande einer Landstraße im Naturpark Arribes del Duero im spanischen Fermoselle zu sehen.
Paloma V. Escarpa/EUROPA PRESS/dpa- Studie prognostiziert: Waldbrandschäden in Europa könnten sich künftig nahezu verdreifachen.
- Bei 1,8 Grad Erwärmung steigt die verbrannte Fläche um etwa 39 Prozent bis zum Jahrhundertende.
- Szenario mit 3,6 Grad: Anstieg um rund 192 Prozent, vor allem im Mittelmeerraum und in West- und Mitteleuropa.
- Verbesserungen bei Prävention, Früherkennung und Einsatzkräften können Brandflächen stark verringern.
- Effis meldet seit Jahresbeginn bis 12. August rund 550.000 Hektar verbrannt – deutlich über dem Schnitt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Mehr, größere und verheerendere Feuer: Das Ausmaß der Zerstörung durch Waldbrände könnte sich in Europa einer Studie zufolge wegen des Klimawandels in den kommenden Jahrzehnten nahezu verdreifachen.
Laut der am Donnerstag (20. August) veröffentlichten Untersuchung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) würden bei einem Szenario mit geringen Treibhausgasemissionen und einem globalen Temperaturanstieg um etwa 1,8 Grad bis zum Ende dieses Jahrhunderts rund 39 Prozent mehr Flächen durch Waldbrände zerstört als heute.
Bei einem Szenario mit hohen Treibhausgasemissionen und einem Temperaturanstieg um etwa 3,6 Grad ergeben die Berechnungen der Experten allerdings einen Anstieg um etwa 192 Prozent, also fast eine Verdreifachung der zerstörten Flächen.
Zusätzlich zu einer Minderung der klimaschädlichen Emissionen nennen die Autoren „Verbesserungen bei Prävention, Früherkennung und Brandbekämpfung“ als Schlüsselfaktoren, um das Ausmaß künftiger Waldbrände einzudämmen.
Was 1,8 Grad und 3,6 Grad Erwärmung bedeuten würden
„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die verbrannte Fläche selbst bei einer vergleichsweise geringen Erwärmung um etwa 1,8 Grad Celsius deutlich zunehmen könnte“, erklärt PIK-Forscher Maik Billing, Leitautor der im Fachblatt „Global Change Biology“ veröffentlichten Studie.
„Wenn wir jedoch mehr Emissionen verursachen und die globalen Temperaturen um etwa 3,6 Grad Celsius steigen, werden Brände wesentlich häufiger auftreten, insbesondere im Mittelmeerraum sowie in weiten Teilen West- und Mitteleuropas, einschließlich Gebieten, in denen es bisher kaum Brände gab.“
Was Verbesserungen im Brandmanagement bewirken
Außer Klimaschutzmaßnahmen nahmen die Studienautoren auch Maßnahmen zur Prävention, Erkennung und Bekämpfung von Bränden auf einer sich erwärmenden Erde unter die Lupe. Experten der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung errechneten für die Studie, dass kontinuierliche Verbesserungen im Brandmanagement die Brandfläche in einem 1,8-Grad-Szenario um 92 Prozent verringern und bei einem Temperaturanstieg um etwa 3,6 Grad immerhin um 72 Prozent verringern könnten.
Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass die Ergebnisse hinsichtlich der Wirksamkeit des Brandmanagements in einem deutlich wärmeren Klima möglicherweise zu optimistisch ausfallen. „Wir sehen, dass die Brandbedingungen zunehmen, daher müssen wir mehr investieren“, mahnt Senckenberg-Forscher und Studien-Co-Autor Thomas Hickler.
Höhere Investitionen in das Waldbrandmanagement in Europa, etwa in die Ausbildung von Einsatzkräften, eine angemessene Ausrüstung und eine gute Koordination zwischen Forstwirtschaft, Naturschutz und Feuerwehr, könnten „einen erheblichen Unterschied“ ausmachen.
„Sollten die Brände jedoch wirklich extreme Ausmaße annehmen, könnte unsere Fähigkeit, sie einzudämmen, an ihre Grenzen stoßen“, warnt Hickler. Und noch sei unklar, „wann dieser Punkt erreicht ist“. Die jüngsten Rekordbrände in Frankreich zeigten „deutlich, dass wir das nicht einfach aus den Erfahrungen der Vergangenheit ableiten können“.
Bisher 550.000 Hektar Vegetation in 2026 verbrannt
Die Forscher, die den prognostizierten Jahresdurchschnitt der Brandschäden in den Jahren 2070 bis 2100 mit Modellrechnungen zum Zeitraum 2000 bis 2030 verglichen, verweisen auf Angaben des Europäischen Waldbrand-Informationssystems (Effis), wonach seit Jahresbeginn bis zum 12. August EU-weit schon rund 550.000 Hektar Vegetation abbrannten. Dies sei etwa zweieinhalb Mal so viel wie der 20-jährige Durchschnitt zu diesem Zeitpunkt im Jahr.
Auch Deutschland und seine unmittelbare Nachbarschaft wurde von schweren Waldbränden heimgesucht, so in den vergangenen Tagen im an die Eifel grenzenden belgischen Naturschutzgebiet Hohes Venn.
„Die Brände in Frankreich, Spanien und Griechenland zeigen, wie schnell heiße, trockene und windige Wetterbedingungen die Feuerwehrkräfte und ihre Ressourcen an ihre Grenzen bringen können“, erläutert PIK-Forscherin Kirsten Thonicke. „Mit dem Klimawandel könnten die Bedingungen so extrem werden, dass wir an die Grenzen dessen stoßen, was noch machbar ist, um Brände zu verhindern und zu bekämpfen, sobald diese Brände eine bestimmte Größe erreichen.“
Der Wissenschaftlerin zufolge ist es daher „absolut unerlässlich, Emissionen zu reduzieren und zugleich das lokale Brandmanagement zu stärken“.
