ADAC-Test: Ganzjahresreifen 2026 – welcher Allwetterreifen ist der Richtige?

Bequemer Kompromiss? Ein Auto mit Ganzjahresreifen im Herbstlaub.
Jens Kalaene/dpa-tmn/dpa- Zwei Tests aus 2026 bewerten Ganzjahresreifen für Kleinwagen und Kompaktklasse.
- ADAC: Continental AllSeasonContact 2 ist einzig „gut“, schwächelt bei Laufleistung.
- Vredestein Quatrac ist günstig und solide, zeigt aber deutliche Schwächen im Winter.
- ACV-Test: Pirelli Cinturato Allseason SF3 siegt, stark beim Bremsen auf nass und trocken.
- Empfehlung je nach Fahrprofil – Alpine-Symbol ist Pflicht für den Wintereinsatz.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ganzjahresreifen boomen: Während 2015 nur rund 10 Prozent der deutschen Reifenkäufer zu einem Allwetterreifen griffen, waren es 2025 bereits 36 Prozent. Der Trend ist klar – kein lästiger Reifenwechsel zweimal im Jahr, keine Lagerkosten für einen zweiten Satz. Doch der Markt ist unübersichtlich, und nicht jeder Reifen hält, was er verspricht. Zwei große Tests aus dem Jahr 2026 – einer vom ADAC und einer vom ACV gemeinsam mit der AUTO ZEITUNG – liefern jetzt klare Antworten. Wir fassen die wichtigsten Ergebnisse für Sie zusammen.
Ganzjahresreifen: Darauf kommt es an
Ein Ganzjahresreifen muss ein echter Allrounder sein: Er soll auf sommerlich heißem Asphalt genauso sicher bremsen wie auf nasser Fahrbahn oder verschneiter Straße. Das ist eine deutlich höhere Anforderung als an einen reinen Sommer- oder Winterreifen. Dazu kommen Umweltaspekte wie Rollwiderstand, Abrieb und Laufleistung. Kein Wunder also, dass die Qualitätsunterschiede im Testfeld teils erheblich sind – und dass günstige Modelle dabei besonders häufig ins Straucheln geraten.
Allwetterreifen: ADAC testet Kleinwagenklasse (185/65 R15)
Der ADAC hat in seinem Ganzjahresreifentest 2026 insgesamt 16 Modelle der Dimension 185/65 R15 unter die Lupe genommen – eine Größe, die typisch für Fahrzeuge wie den VW Polo, Audi A1, Fiat 500e, Opel Corsa oder den Škoda Fabia ist. Die Preisspanne lag zwischen rund 50 und 90 Euro pro Reifen.
Guter Allwetterreifen Continental AllSeasonContact 2
Das klare Ergebnis: Nur ein einziger Reifen konnte auf allen Fahrbahnbelägen – trocken, nass und winterlich – mit einem guten Testergebnis überzeugen: der Continental AllSeasonContact 2 (rund 80 Euro). Er erhält die Gesamtnote „gut" (2,3) und ist damit der einzige Reifen im gesamten Testfeld, dem dieser Spagat über alle Bedingungen hinweg gelingt. Bereits im ADAC-Test 2025 hatte er als zweiter Testsieger neben dem Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 überzeugt – 2026 steht er nun allein an der Spitze.
Sein einziger Schwachpunkt ist die Laufleistung. Mit prognostizierten 41.300 km reicht er gerade so über die empfohlene Mindestmarke von 40.000 km hinaus und erhält in dieser Kategorie nur ein befriedigendes Urteil, was sogar zur Abwertung der Gesamtnote führt.

Seit letztem Jahr gelten nur noch Modelle mit dem Alpine-Symbol als zulässige Winterreifen.
Zigmunds Dizgalvis/ ShutterstockGünstiger Ganzjahresreifen Vredestein Quatrac
Wer etwas sparen möchte, findet im Vredestein Quatrac (rund 60 Euro) einen soliden Kompromiss. Er bekommt das Gesamturteil „befriedigend" (2,9) und punktet besonders auf trockener und nasser Fahrbahn sowie mit einer guten Laufleistung von 43.600 km und einem niedrigen Reifengewicht. Seine Schwäche liegt eindeutig im Winter: Auf Eis und Schnee, vor allem beim Bremsen und bei der Traktion, stößt er spürbar an seine Grenzen.
Der ADAC warnt ausdrücklich: Mehrere der günstigsten Modelle im Testfeld erhalten die Gesamtbewertung „mangelhaft" – aufgrund gefährlicher Defizite bei der Fahrsicherheit. Hier lohnt das Sparen definitiv nicht.
ACV testet Kompaktklasse (225/45 R17)
Parallel dazu haben der ACV Automobil-Club Verkehr gemeinsam mit der AUTO ZEITUNG, dem österreichischen Automobilclub ARBÖ und der GTÜ zehn Ganzjahresreifen der Dimension 225/45 R17 getestet – typisch für Fahrzeuge der Kompaktklasse. Die Tests fanden unter realen Bedingungen statt: Wintertests im nordschwedischen Lappland, Nass- und Trockentests im sonnigen Spanien. Die Preise lagen zwischen 325 und 525 Euro pro Satz (vier Reifen, ohne Montage).
Ganzjahresreifen-Testsieger: Pirelli Cinturato Allseason SF3
Mit 411 von 450 möglichen Punkten gewinnt der Pirelli Cinturato Allseason SF3 (rund 475 Euro/Satz) den Test mit deutlichem Vorsprung. Er überzeugt mit den kürzesten Bremswegen sowohl auf nasser als auch auf trockener Fahrbahn und liefert auf Schnee solide, wenn auch nicht überragende Ergebnisse. Sein großer Vorteil: Er bietet das beste Gesamtpaket zu einem Preis im Mittelfeld – und erhält deshalb neben dem Testsieg auch die Preis-Leistungs-Empfehlung.
Zum Vergleich: Auf nasser Fahrbahn kommt der Pirelli aus 100 km/h nach 44,9 Metern zum Stehen. Der schwächste Reifen im Nasstest (Giti Allseason AS2) benötigt 50,4 Meter – das sind 5,5 Meter mehr, ein potenziell entscheidender Unterschied im echten Straßenverkehr.
Allwetterreifen im Test
- Platz 2 – Continental AllSeasonContact 2 (ca. 510 Euro/Satz, 384 Punkte): Seine besondere Stärke liegt im Winter, wo er die zweitbeste Schneewertung erzielt. Auch bei Nässe überzeugt er mit kurzem Bremsweg und berechenbarem Fahrverhalten. Auf trockener Straße braucht er etwas mehr Platz als der Pirelli, punktet aber mit geringem Verschleiß und gutem Abrollkomfort.
- Platz 3 – Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 (ca. 485 Euro/Satz, 380 Punkte): Er bietet gute Nasshaftung und ordentliche Leistungen auf Schnee. Mit rund 50.500 km prognostizierter Laufleistung hat er die höchste Haltbarkeit im gesamten Testfeld. Seine Achillesferse ist der Trockenbremsweg: Mit 41,1 Metern aus 100 km/h benötigt er hier den längsten Weg aller getesteten Reifen.
- Platz 4 – Michelin CrossClimate 3 (ca. 525 Euro/Satz, 375 Punkte): Er erzielt mit 149 von 150 Punkten die beste Schneewertung im gesamten Test und erreicht dabei ein Niveau, das mit echten Winterreifen vergleichbar ist. Sein klarer Nachteil liegt bei Nässe, wo er spürbare Schwächen zeigt.
- Platz 5 – Bridgestone Turanza AllSeason 6 (ca. 470 Euro/Satz, 371 Punkte): Er bremst auf trockener Straße kurz, hat einen niedrigen Rollwiderstand und eine hohe prognostizierte Laufleistung. Bei Nässe bleibt er hinter den Besten zurück.

Nicht jeder Allwetterreifen ist für jeden gleichermaßen geeignet.
dpaWelcher Ganzjahresreifen passt zu wem?
Die beiden Tests zeigen deutlich: Den einen perfekten Ganzjahresreifen gibt es nicht. Die Wahl hängt stark vom individuellen Fahrprofil ab. Wenn Sie ausgewogene Leistung auf allen Untergründen suchen und keinen klaren Schwerpunkt haben, ist der Continental AllSeasonContact 2 in beiden Tests die konsistenteste Empfehlung. Er überzeugte als einziger Reifen im ADAC-Test auf allen Belägen und landete im ACV-Test auf Rang zwei.
- Wer in der Kompaktklasse fährt und Wert auf das beste Gesamtpaket zu einem fairen Preis legt, findet im Pirelli Cinturato Allseason SF3 den Testsieger des ACV-Tests – besonders auf nasser und trockener Fahrbahn setzt er Maßstäbe.
- Fahren Sie häufig in Regionen mit viel Schnee und hartem Winter, kann man neben echten Winterreifen den Michelin CrossClimate 3 in Betracht ziehen mit dem Wissen, dass er bei Regen Abstriche macht.
- Wer möglichst lange Laufleistung priorisiert, ist mit dem Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 gut beraten, muss aber beim Trockenbremsweg Kompromisse eingehen.
- Für die Kleinwagenklasse bietet der Vredestein Quatrac einen soliden Kompromiss für budgetbewusstere Käufer – solange der Winter nicht allzu hart ausfällt.
Ganzjahresreifen mit M+S-Symbol noch erlaubt?
Achten Sie unbedingt darauf, dass der gewählte Reifen das Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke) trägt – nur dann ist er in Deutschland bei Glatteis, Schneeglätte oder Reifglätte gesetzlich zugelassen. Eine reine M+S-Kennzeichnung reicht seit 2018 nicht mehr aus. Prüfen Sie außerdem, ob die jeweilige Reifengröße für Ihr Fahrzeug zugelassen ist, und vergleichen Sie bei den Einzelwertungen gezielt die Kategorien, die für Ihre typischen Fahrbedingungen relevant sind. Das EU-Reifenlabel allein reicht nicht als Entscheidungsgrundlage – wie der ACV-Test zeigt, können zwei Reifen mit derselben Nasshaftungsklasse A im realen Bremstest weit auseinanderliegen.
