Gefährliche Partikel: Mikroplastik erhöht Risiko für Herzinfarkte offenbar deutlich

Mikro- und Nanoplastik können wir nicht entgehen. Wir nehmen es beim Trinken, Essen und Atmen auf.
Imago/Steinach- Studie aus Rom: Mikroplastik im Blut koronarer Gefäße häufiger bei schweren Herzinfarkten.
- 84 Prozent der Herzinfarktpatienten hatten Partikel, 40 Prozent bei KHK, 31,8 Prozent gesund.
- Konzentrationen bei Infarktpatienten höher, zugleich mehr Entzündungsmarker wie Interleukin-6.
- Rauchen und hohe Feinstaubbelastung korrelieren mit erhöhter Mikroplastikaufnahme.
- Mikroplastik ist allgegenwärtig – Aufnahme über Luft, Wasser und Nahrung laut Forschern verbreitet.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Mikroplastik ist überall: auf dem Mount Everest, in der Tiefsee und sogar in der Arktis. So sind Forscher in einem Tiefseegraben im Pazifischen Ozean in 8250 Metern Tiefe massenhaft auf Mikroplastik gestoßen. Mit Regen und Schnee rieseln die Mikro- und Nanoplastik-Teilchen aus der Luft auf die Erdoberfläche. Die winzigen Partikel werden in der Atmosphäre transportiert und können so über weite Strecken verteilt werden.
Allgegenwärtig und überall
Die weltweite Produktion von Plastik hat sich in den zurückliegenden 20 Jahren verdoppelt. Millionen Tonnen Plastik landen in der Umwelt - auf dem Land und im Meer, oft in Form von mikroskopisch kleinen Partikeln. Diese finden auch ihren Weg in den menschlichen Organismus – in den Verdauungstrakt, den Blutkreislauf und die Atemwege.
Mikro- und Nanoplastik können wir nicht entgehen. Wir nehmen es beim Trinken, Essen und Atmen auf. Forscher schätzen, dass es bei jedem Menschen je nach Lebensumständen 0,1 bis 5 Gramm Mikroplastik pro Woche sind. Fünf Gramm entspricht dem Gewicht einer EC-Karte. Die Forscher gehen von einem Größenbereich der Teilchen bis zu einem Millimeter aus.
Menschen nehmen über ihre Atemluft, ihr Trinkwasser und ihre Nahrung bis zu 100.000 Mikroplastikpartikel pro Jahr auf. Bekannt ist, dass die kleinen Plastikpartikel dem Gehirn schaden und Prostatakrebs fördern.
Tierversuche haben zudem gezeigt, dass Mikroplastikpartikel chronische Entzündungen in den Organen und im Gewebe fördern und zu Ablagerungen in den Blutgefäßen führen, die Arteriosklerose auslösen können.
Mikroplastik und Herz-Kreislauf-System
eine GesWissenschaftler des Sant’Andrea University Hospital in der italienischen Hauptstadt Rom um Pasquale Paolisso haben jetzt untersucht, ob die reale Mikroplastikbelastung des Menschen eine Gefahr für das Herz-Kreislauf-System darstellt. Die Studie ist im Fachjornal Studie im „European Heart Journal„ erschienen.
Für ihr Experiment haben sie das Blut aus den koronaren Herzarterien und anderen Blutgefäßen von 39 Patienten mit chronisch verengten Herzkranzgefäßen oder einem schweren Herzinfarkt und 21 gesunden Menschen untersucht. Zusätzlich wurde gefragt, ob die Probanden Raucher sind und wie hoch kurzfristige Feinstaubbelastung und ihre Feinstaubbelastung über zwei Jahre waren.
Partikel bei schweren Herzinfarkten vermehrt nachgewiesen
Die Analyse der Blutproben zeigt, dass deutlich mehr Menschen mit einem schweren Herzinfarkt Mikroplastikpartikel im Blut haben (84 Prozent), als Menschen mit einer chronischen koronaren Herzkrankheit (40 Prozent) und gesunde Menschen (31,8 Prozent). Bei Menschen mit einem schweren Herzinfarkt war zudem die Mikroplastikkonzentration signifikant höher als bei den anderen Gruppen.
Die Wissenschaftler haben zudem unterschiedliche Entzündungsmarker im Blut der Herzkranzgefäße (Koronararterien) bestimmt und entdeckt, dass im Blut der Herzinfarktpatienten deutlich mehr Entzündungsbotenstoffe wie Interleukin-6 vorkommen. Die Forschern schlussforlgern daraus, dass Mikroplastik wahrscheinlich die Blutgefäße schädigt und das Risiko für Herzkrankheiten erhöht.
Hohe Feinstaubbelastung kann Mikroplastikaufnahme fördern
Die Studie hat zudem untersucht, welche Faktoren die Mikroplastikaufnahme fördern. Dabei haben die Forscher entdeckt, dass die meisten Patienten mit hohen Mikroplastikwerten im Blut der Koronararterien in Gegenden mit einer hohen Feinstaubbelastung leben. Die Feinstaubwerte an ihrem Wohnort lagen mindestens ein Jahr über dem Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 15 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.
Es besteht zudem eine starke Korrelation zwischen Rauchen und erhöhten Mikroplastikwerten. Es scheint also so zu sein, dass Rauchen die Mikroplastikaufnahme fördern könnte, wahrscheinlich durch einen indirekten Mechanismus.
Was beim Rauchen und bei Feinstaub mit der Lunge geschieht
Es ist seit Langem bekannt, dass Zigarettenrauchen die Schleimhautbarriere in den Atemwegen schwächt. Dadurch könnte auch Mikroplastik aus der Luft leichter über die Lunge in den Blutkreislauf gelangen. Die Luftverschmutzung durch Feinstaub könnte auf eine ähnliche Art die Mikroplastikaufnahme fördern.
„Bei allen Herzinfarktpatienten mit Raucher-Vorgeschichte wurden Plastikpartikel nachgewiesen, aber bei keinem der nichtrauchenden Kontrollen“, resümieren die Forscher.
Laut den Wissenschaftlern verdeutlicht die Studie, dass Mikroplastik eine immer größere Gesundheitsgefahr für den Menschen darstellt, vor allem, wenn eine hohe Mikroplastikkontamination gemeinsam mit Risikofaktoren wie Feinstaub und Rauchen auftritt und sich so die gesundheitsschädlichen Effekte gegenseitig verstärken.
