Folgen des Klimawandels: Gletscherschwund: Das Süßwasser wird knapper, der Meeresspiegel steigt

Der Sulzenauferner in den Stubaier Alpen (Sommer 2024).
Hanna OberkoflerDie Gletscher der Erde haben einer aktuellen Studie zufolge seit dem Jahr 2000 eine große Menge ihres Gesamtvolumens verloren.
Neue Erkenntnisse über regionale Trends
Unter der Leitung des World Glacier Monitoring Service (WGMS), der an der Universität Zürich (UZH) in der Schweiz angesiedelt ist, und der TU Graz in Österreich haben Forscher die Studie „Glacier Mass Balance Intercomparison Exercise“ (GlaMBIE) durchgeführt. Die Analyse ist im Fachmagazin „Nature“ erschienen.
„Indem wir die Vorteile der verschiedenen Beobachtungsmethoden kombinieren, liefert GlaMBIE nicht nur neue Erkenntnisse über regionale Trends und jährliche Schwankungen. Wir können auch Unterschiede zwischen den Methoden feststellen, was uns die Möglichkeit gibt, künftige Schätzungen besser zu verstehen und zu verbessern“,erläutert Studienleiter Michael Zemp vom Geographischen Institut der UZH.

Verschiedene Satelliten wurden eingesetzt, um Gletscher weltweit mit Hilfe von optischen, Radar-, Laser- und Schwerkraftmessungen zu überwachen. Von oben: CryoSat, Terra, ICESat und die Zwillingssonde GRACE.
Foto: Esa/Nasa/Planetary VisionsSinkende Süßwasser-Pegel und steigender Meeresspiegel
Damit sind die Gletscher nach der Erwärmung der Ozeane der zweitgrößte Verursacher für den weltweit steigenden Meeresspiegel, noch vor den Beiträgen des Grönland-Eisschildes, den Veränderungen in der Wasserspeicherung an Land und den Beiträgen des antarktischen Eisschildes.
Lebenswichtige Süßwasser-Ressourcen
Gletscher seien lebenswichtige Süßwasser-Ressourcen, insbesondere für lokale Gemeinschaften in Zentral-Asien und den Zentral-Anden, wo Gletscher den Abfluss während der warmen und trockenen Jahreszeiten dominieren, betont die UZH-Glaziologin Inés Dussaillant. „Geht es aber um den Anstieg des Meeresspiegels, sind die arktischen und antarktischen Regionen mit ihren viel größeren Gletscherflächen die Hauptakteure. Fast ein Viertel des Beitrags der Gletscher zum Meeresspiegelanstieg stammt aus Alaska.“

Gletscher in den Chugach Mountains in Alaska. Dieses vom Sentinel-2-Satelliten am 6. Oktober 2017 aufgenommene Bild zeigt die schmelzenden Scott- (links), Sheridan- (Mitte) und Childs-Gletscher (rechts), die Seen und Flüsse in ihren Vorfeldern speisen.
Foto: Copernicus Sentinel Daten 2017Negative Auswirkungen durch Klimaschutz begrenzen
„Unsere Beobachtungen und die jüngsten Modellstudien deuten darauf hin, dass sich der Massenverlust der Gletscher bis zum Ende dieses Jahrhunderts fortsetzen und möglicherweise beschleunigen wird“, warnt Samuel Nussbaumer, Glaziologe an der UZH.
Dies untermauere die Forderung des Weltklimarates nach dringenden und konkreten Maßnahmen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen und der damit verbundenen Erwärmung. „Nur so lassen sich die Auswirkungen des Gletscherschwundes auf lokale Geo-Risiken, die regionale Verfügbarkeit von Süßwasser und den globalen Meeresspiegelanstieg begrenzen.“
