Heiß, heißer, Juni
: Juni 2026 war der wärmste in Westeuropa seit Aufzeichnungsbeginn

Die Hitzewelle Ende Juni brach viele Temperaturrekorde. Neue Daten zeigen nun: Auch der Juni in Westeuropa zeigt einen Rekord und ist Grund zur Besorgnis.
Von
Markus Brauer
Bonn
Jetzt in der App anhören
Dollar kann man nicht essen: Wenn das Wasser versiegt, die Felder verdorren und die Tiere verenden, hilft kein Geld der Welt mehr, um Menschen satt zu machen.

Dollar kann man nicht essen: Wenn das Wasser versiegt, die Felder verdorren und die Tiere verenden, hilft kein Geld der Welt mehr, um Menschen satt zu machen.

Imago/Depositphotos
  • Westeuropa erlebte den heißesten Juni seit Messbeginn, mit 20,74 Grad im Durchschnitt.
  • Weltweit war es der zweitwärmste Juni, 16,54 Grad im Mittel – 1,39 Grad über vorindustriell.
  • Hitzewellen brachen Rekorde, führten zu Trockenheit und Waldbränden in Südwesteuropa.
  • Meeresoberflächen erreichten Rekordwerte, marinen Hitzewellen trafen Mittelmeer und Atlantik.
  • Copernicus und WMO warnen: Wärme staut sich, Risiken für Menschen und Infrastruktur wachsen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der vergangene Juni war in Westeuropa der heißeste jemals gemessene. Die Durchschnittstemperatur lag bei 20,74 Grad, mehr als drei Grad über dem Juni-Mittel der Jahre 1991 bis 2020, wie der Klimawandeldienst des EU-Programms Copernicus in Bonn mitteilt.

Es ist heiß - und in Zukunft wird es noch heißer

Weltweit war es demnach der zweitwärmste Juni seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Durchschnittstemperatur betrug 16,54 Grad, was 0,56 Grad über dem Juni-Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020 liegt. Der Juni lag damit 1,39 Grad über dem geschätzten vorindustriellen Durchschnitt von 1850 bis 1900 für diesen Monat.

Extreme Hitze zu Land und zu Wasser

Die Hitzewelle in der zweiten Junihälfte, die nur wenige Wochen nach einer ersten Hitzeperiode im Mai gekommen sei, habe in mehreren westeuropäischen Ländern Temperaturrekorde gebrochen. Diese schnell aufeinander folgenden extremen Wetterereignisse machten die künftigen Herausforderungen deutlich. „Die Abfolge von Hitzewellen verdeutlicht die wachsende Herausforderung, die durch immer häufiger auftretende und intensivere Hitzeextreme in Europa und weltweit entsteht.“

In Südwesteuropa habe die damit einhergehende Trockenheit zu Waldbränden geführt. „In diesem Monat wurde Europa von extremer Hitze zu Land und zu Wasser heimgesucht, wobei ein Großteil Westeuropas eine rekordbrechende Hitzewelle erlebte und es im westlichen Mittelmeer sowie entlang den Atlantikküsten zu marinen Hitzewellen kam“, heißt es in dem Bericht.

Der Erde wird buchstäblich die Luft zum Atmen geraubt. Und gleichzeitig wird sie gekocht.

Der Erde wird buchstäblich die Luft zum Atmen geraubt. Und gleichzeitig wird sie gekocht.

Imago/Dreamstime

Rekordwert auch im Meer

Die durchschnittliche Meeresoberflächentemperatur für Ozeane außerhalb der Polargebiete sei im Juni mit 20,86 Grad die höchste jemals registrierte Temperatur für diesen Monat gewesen.

„Der Juni 2026 hat deutlich gemacht, wie tiefgreifend sich das Klima verändert“, sagt Samantha Burgess, strategische Leiterin für Klima bei Copernicus. „Zusammengenommen spiegeln diese Rekorde ein Klimasystem wider, in dem sich weiterhin Wärme ansammelt. Die Folge sind immer intensivere Hitzewellen, ein anhaltend warmer Ozean und wachsende Risiken für Menschen, Ökosysteme und Infrastruktur in ganz Europa und darüber hinaus.“

41,8 Grad in Sachsen-Anhalt ist der deutsche Temperatur-Rekord

Der Klimawandeldienst des EU-Programms Copernicus veröffentlicht regelmäßig Daten zur Temperatur an der Erdoberfläche, zur Meereisdecke und zu Niederschlägen. Die Erkenntnisse beruhen auf computergenerierten Analysen, in die Milliarden von Messungen von Satelliten, Schiffen, Flugzeugen und Wetterstationen auf der ganzen Welt einfließen.

Auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) verzeichnete für das letzte Juniwochenende mehrere neue deutsche Hitzerekorde gemessen. Demnach war es am 27. Juni an der Wetterstation Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt nach vorläufigen Daten 41,8 Grad heiß.

Erst sterben die Korallen, dann die Fische und zum Schluss ist der Mensch an der Reihe.

Erst sterben die Korallen, dann die Fische und zum Schluss ist der Mensch an der Reihe.

Imago/Depositphotos

Starke Erwärmung in Europa

Bei weiter steigendem Treibhausgas-Ausstoß könnten die Temperaturen in Europa bereits bis 2060 um mindestens drei Grad verglichen mit den vorindustriellen Werten steigen. Das schließen Klimaforscher aus KI-gestützten Analysen. Europa erwärmt sich schneller als der globale Durchschnitt: 2023 war es bereits 2,3 Grad wärmer. Global waren es nach Daten des Klimadienstes Copernicus rund 1,48 Grad.

Die World Meteorological Organization (WMO) hatte kürzlich bei den pessimistischen Prognosen noch eins draufgelegt: Beim Zustand des Weltklimas gibt es nach Einschätzung der Weltwetterorganisation nur wenig Raum für Optimismus. Das Ungleichgewicht zwischen Energieaufnahme und -abgabe der Erde wächst rasant, wie es im WMO-Bericht zum Zustand des Klimas 2025 (State of the Global Climate 2025) heißt.

Für das Natural Disaster ist vor allem der Mensch verantwortlich. Der durch die menschliche Zivilisation verursachte Klimawandel wird zu ihrem eigenen Untergang führen.

Für das Natural Disaster ist vor allem der Mensch verantwortlich. Der durch die menschliche Zivilisation verursachte Klimawandel wird zu ihrem eigenen Untergang führen.

Imago/Pond5 Images

Ein Negativrekord jagt den nächsten

Bei den Klima-Indikatoren jagen sich die negativen Rekorde. Die Temperaturen steigen, die Ozeane heizen sich auf, Eis und Gletscher schmelzen und die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre steigt unvermindert an.

„Es lässt sich nicht leugnen, dass sich diese Indikatoren nicht in eine Richtung entwickeln, die Anlass zu großer Hoffnung gibt“, konstatiert die Vizechefin der WMO, Ko Barrett.

UN-Generalsekretär António Guterres spricht in seiner Videobotschaft zum World Meteorological Day 2026 am 23. März von einem Notstand: „Der Planet Erde wird an seine Grenzen gebracht.“ (mit dpa/KNA-Agenturmaterial)